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Stadt Peine Geht uns die Nazi-Zeit noch etwas an? Diskutieren Sie mit!
Stadt Peine Geht uns die Nazi-Zeit noch etwas an? Diskutieren Sie mit!
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13:26 02.01.2020
Brisantes Thema: Jürgen Gückels Buch „Klassenfoto mit Massenmörder“ hat viele alte Fragen neu aufgeworfen. Quelle: Ralf Büchler
Peine

„Das habe ich nicht gewusst“, „Das kann man kaum glauben“, „Darüber wurde bei uns zu Hause geschwiegen“ – Sätze wie diese fielen in den vergangenen drei Monaten häufig, wenn die Rede auf das Buch „Klassenfoto mit Massenmörder“ und dessen täglichen Abdruck im Lokalteil der PAZ kam. Das Buch des ehemaligen PAZ-Redakteurs Jürgen Gückel über dessen Stederdorfer Lehrer, der in Wirklichkeit ein getarnter NS-Gewaltverbrecher war, hat viel aufgewirbelt. Darunter auch die Frage: Sollen wir die weitgehend verschwiegene Nazi-Vergangenheit in Peine, in den Gemeinden und Dörfern aufarbeiten oder weiter schweigen?

Bei einer Diskussionsveranstaltung unter dem Titel „Verdammt lang her – oder doch nah dran?“ sollen genau diese Fragen erörtert werden. Die PAZ lädt dazu für Dienstag, 14. Januar, um 19.30 Uhr ins Kreismuseum an der Stederdorfer Straße ein. Zusammen mit Dr. Jens Binner als Vertreter des Kreisheimatbundes, dem Stederdorfer Ortsbürgermeister Holger Hahn (SPD) sowie Buchautor Jürgen Gückel soll in einer offenen Runde besprochen werden, ob Verdrängen, Beschweigen oder Aufarbeiten der richtige Umgang mit den Schatten der nationalsozialistischen Vergangenheit sind. Die Gesprächsrunde moderiert PAZ-Chefredakteurin Stefanie Gollasch, der Eintritt ist frei.

Vieles ist öffentlich nie bekannt geworden

Die Erfahrung aus zahlreichen Lesungen aus „Klassenfoto mit Massenmörder“ zeigt: Vieles, was in den Archiven durchaus belegt und teils sogar juristisch aufgearbeitet wurde, ist öffentlich nie bekannt geworden. Oft wurde mit Rücksicht auf die Familien der Betroffenen, auf den guten Ruf des Dorfes oder mit starrem Blick auf eine bessere Zukunft auch nur hinter vorgehaltener Hand über die Verstrickung einst angesehener Mitbürger in die Verbrechen der Nazis getuschelt. Und noch heute ist – wenn auch nicht immer öffentlich – die Ansicht zu hören, dass über die NS-Zeit doch besser geschwiegen werde, solange noch Angehörige der Täter leben.

Doch ist das die richtige Strategie? Setzt nicht die Verantwortung für eine friedliche Zukunft das Wissen um die verbrecherische Vergangenheit voraus? Gerade in einer Zeit, in der der politische rechte Rand wieder erstarkt, in der die Zeitzeugen langsam verstummen und der Antisemitismus sich in Taten wie in Halle oder Morddrohungen wie jüngst in Hannover wieder verbreiten? Andererseits: Darf man fast 75 Jahre nach Kriegsende, wenn alles doch schon so verdammt lang her ist, die Nachkommen der Täter mit dem belasten, wofür sie selbst keine Schuld tragen?

Den Schlussstrich unter diese Zeit, den viele für sich selbst längst gezogen haben, hat die PAZ-Veröffentlichung des Buches wieder in Zweifel gezogen. Und gerade bei den Lesungen des Buches sind immer wieder Hinweise von Zuhörern gekommen, wo noch Unerhörtes aus jener Zeit weiter verschwiegen wird. Soll man Heimatforscher ermutigen, noch einmal genauer jene Zeit zu erforschen, über die bis heute gern geschwiegen wird? Und wie können Stadt und Landkreis dabei helfen? Auch darüber soll am 14. Januar im Kreismuseum gesprochen werden.

Weitere Lesungen aus dem Buch „Klassenfoto mit Massenmörder“ gibt es übrigens am 20. Januar, 18 Uhr, im Rathaus Lehre im Rahmen der Ausstellung „Das Braunschweigische Land im Nationalsozialismus“ sowie am 13. Februar, 20.15 Uhr, in der Buchhandlung Hugendubel in Hannover.

Von Redaktion

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