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Stadt Peine Fremde Fische im Mittellandkanal: „Das ist kein gesundes Ökosystem“
Stadt Peine Fremde Fische im Mittellandkanal: „Das ist kein gesundes Ökosystem“
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06:04 02.07.2019
Thomas Klefoth: Der Fischereiwissenschaftler sieht die die Ausbreitung fremder Fischarten wie der Schwarzmundgrundel kritisch. Quelle: AVN
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Gifhorn/Peine/Wolfsburg

Fremde Fischarten breiten sich zunehmend im Mittellandkanal aus. Die WAZ sprach darüber mit Fischereiwissenschaftler Dr. Thomas Klefoth vom Anglerverband Niedersachsen.

Angler klagen über die Ausbreitung von nicht heimische Fischarten wie der Schwarzmundgrundel und des Wolgazanders im Mittellandkanal. Wie kommen diese Fische hierher?

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Der Mittellandkanal ist Bundeswasserstraße und damit Teil der globalisierten Welt. Diese Fischarten kommen grob gesagt aus dem Schwarzmeerraum und gehören überhaupt nicht hierher. Die Schwarzmundgrundel wurden durch Schiffe eingeschleppt, die irgendwo Ballastwasser aufgenommen und es hier wieder ausgelassen haben. Der Wolgazander wurde vermutlich aus unbekannter Herkunft besetzt.

Mit welchen Folgen für den Mittellandkanal?

Die Schwarzmundgrundel ist flächendeckend im Mittellandkanal verbreitet und steht in Nahrungskonkurrenz zur Brut heimischer Fischarten wie Rotauge, Barsch oder Zander Das ist nicht das, was man sich unter einem gesunden Ökosystem vorstellt.

Was lässt sich dagegen tun?

Nicht viel, allerdings entnehmen die Angler möglichst viele dieser invasiven Tiere. Die Schwarzmundgrundel ist jetzt Teil der Nahrungskette. Das Ganze hat mehr negative als positive Folgen. Der Zander als größter Raubfisch im Mittellandkanal kann sich auf die Grundel als Beutetier einstellen. So lange der Zander aber noch klein ist, steht er in Konkurrenz zur Grundel, die dann den Vorteil hat.

Die Komplexität des Ökosystems...

Ja. Ein weiteres Beispiel ist die Zebramuschel, die ebenfalls aus dem Schwarzmeerraum stammt und sich im Mittellandkanal verbreitet hat – sie filtriert Wasser und klart es auf. Die Grundel wiederum reduziert den Bestand an Zebramuscheln, woraufhin sich das Wasser wieder eintrübt. Das wirkt sich auf die Fische aus: Barsche bevorzugen eher klares Wasser, Zander mögen trüberes.

Warum ist das alles überhaupt ein Problem?

Wenn man den Mittellandkanal isoliert betrachtet, kann man natürlich sagen: Das ist angelegt als reines Nutzungsgewässer, das man sich selbst überlassen kann. Aber dadurch, dass der Kanal mit anderen Gewässern in Verbindung steht, breiten sich die fremden Fischarten in den heimischen Flüssen aus. Das hat dann negative Konsequenzen, auch vor dem Hintergrund der Biodiversitätskrise, die im Süßwasser besonders stark ausgeprägt ist.

Von Florian Heintz