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Stadt Peine Kurzzeitpflege Köhler hat innovative Pläne im Klinikum Peine
Stadt Peine Kurzzeitpflege Köhler hat innovative Pläne im Klinikum Peine
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20:19 22.10.2019
Chef Michael Köhler hat über eine Million in seine Kurzzeitpflege im Klinikum Peine investiert. Quelle: Kathrin Bolte
Peine

Die Eingangstür fällt leise ins Schoss. Der Blick richtet sich auf einen langen Flur, mit anthrazitfarbenem Bodenbelag und beigefarbenen Wänden. Rechts vom Empfang aus wird man freundlich begrüßt und fühlt sich sofort wie in einem Hotel. Dass man sich in einem Flügel des Peiner Klinikums an der Virchowstraße befindet, ist vergessen. Hier, bei der die Firma Kurzzeitpflege (KZP) Köhler im ersten Obergeschoss, ist alles irgendwie anders.

18 Mitarbeiter kümmern sich um 23 Gäste

„Genau das ist unser Konzept“, erläutert Michael Köhler, Geschäftsführer der KZP Köhler, der große Pläne hat. „Unsere Gäste sollen sich wohlfühlen und im Rahmen ihres Aufenthaltes die beste Vorbereitung für ein autonomes Leben zu Hause bekommen.“ Seit wenigen Wochen sind die Umbauten auf der neuen Station der Kurzzeitpflege Köhler abgeschlossen. 18 Mitarbeiter kümmern sich um 23 Gäste. Investiert wurde mehr als eine Million Euro, berichtet Köhler.

Vor dem Hintergrund der angespannten finanziellen Lage im Peiner Klinikum eine stolze Summe, doch Köhler sagt, es sei unerheblich, wem das Krankenhaus gehört oder wer Träger ist. Er setze auf den Standort Peine und setzt mit seiner Investition ein deutliches Zeichen.

Die Firma Kurzzeitpflege Köhler zieht ins erste Obergeschoss des Klinikums Peine ein.

„Die Bezeichnung Gäste haben wir bewusst ausgewählt und es ist mir sehr wichtig, da sie nicht dauerhaft hier wohnen“, so Köhler, der nebenbei in den Raum „Peine“ führt. Jedes Zimmer hat einen anderen Namen. Man wohnt hier in „New York, Istanbul, Berlin oder Köln“.

In „Peine“ gibt es die Mahlzeiten. Es ist 9 Uhr am Morgen. Das Frühstücksbuffett steht bereit, und nach und nach schälen sich die Gäste aus ihren Zimmern – ein Langschläferfrühstück, wie im Hotel. „Wer kann, geht zum Frühstücksbuffett und muss sich selbst bedienen. Das ist wie zu Hause und damit ein erster Schritt nach einer Erkrankung wieder ins eigene Leben zurückzufinden“, erklärt Michael Köhler das Konzept.

Gesund werden scheint hier ein Klacks zu sein

Die Zimmer haben ebenfalls Hotelcharakter. Sind hell und freundlich eingerichtet. Im Zimmer „Amsterdam“ stehen Holzschuhe in der Fensterbank. Auch die niederländische Flagge fehlt nicht. An der Wand hängt ein großer Flachbildschirm. Jedes Zimmer verfügt über ein barrierefreies, großzügig gestaltetes Bad, mit geräumiger Dusche. „Unsere Gäste lernen hier unter Anleitung, sich selbst zu duschen. Dafür braucht man Platz“, erläutert Köhler, der den Pflegeberuf von der Pike auf gelernt hat.

Wer Gesellschaft sucht, geht ins Wohnzimmer. Weiße Möbel vor beigefarbenen Wänden strahlen Gemütlichkeit aus. Die Regale sind voll mit Büchern, auch hier ein großes TV-Gerät. Die sonnengelben Sitzmöbel laden zu entspannenden Stunden ein, die auf Wunsch auch mit anderen Gästen gemeinsam verbracht werden können. Gesund werden scheint hier ein Klacks zu sein.

60 Prozent benötigen nach Aufenthalt keinen Pflegedienst zu Hause

Die Kurzzeitpflege in direkter Umgebung des Krankenhauses Peine zu platzieren, schließe eine Lücke. „Wir kennen das unter anderem schon aus Salzgitter-Lebenstedt, dort betreiben wir seit drei Jahren die Kurzzeitpflege im Krankenhaus“, so Köhler. Im Krankenhaus werden die Patienten behandelt, aber nicht so lange gepflegt und fit gemacht, bis sie in ihrem gewohnten Umfeld wieder zurecht kommen.

„Das ist auch gar nicht die Aufgabe eines Krankenhauses“, erläutert Köhler. Da käme dann die Kurzzeitpflege ins Spiel. „Mit einer aktiven Tagesgestaltung, Ergotherapie und weiteren Mitmach-Angeboten lernen unsere Gäste wieder selbstständig zu sein. Dabei schauen wir genau darauf, welche individuellen Ansprüche jeder Gast hat und stimmen das Angebot daraufhin ab.“ Stolz berichtet er: „60 Prozent unserer Gäste benötigen nach einem Aufenthalt hier bei uns keinen Pflegedienst zu Hause.“

Individualität neu verstehen

In dem Zusammenhang macht Köhler auch deutlich, wer denn da jetzt so in die Pflegebedürftigkeit kommt. „Das sind die Baby-Boomer, die mit den Beatles, den Stones und Woodstock groß geworden sind. Da kommt der Harley-Fahrer, der letzte Woche noch auf seinem Motorrad gesessen hat. Mit dem können Sie keinen Tanzkreis machen“, verdeutlicht Köhler das, was er und sein Team unter Individualität verstehen. Kliniken hätten einen Versorgungsauftrag, die Kurzzeitpflege schließe eine Versorgungslücke – auch am Standort Peine „an den ich fest glaube“, so Köhler abschließend.

Eröffnung und Tag der offenen Tür

Heute wird die Kurzzeitpflege Köhler im Klinikum Peine offiziell eröffnet. Am Samstag, 26. Oktober, kann sich jeder selbst ein Bild vom Angebot machen. Dann findet von 10 bis 16 Uhr ein Tag der offenen Tür statt. Mehr über das Klinikum Peine lesen Sie auf Seite 10.

Von Kathrin Bolte

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