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Stadt Peine 25 Stunden TV-Wahnsinn mit dem Ex-Peiner Oliver Kalkofe
Stadt Peine 25 Stunden TV-Wahnsinn mit dem Ex-Peiner Oliver Kalkofe
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18:20 18.04.2019
Jubiläum: Der ehemalige Peiner Oliver Kalkofe macht zum 25-jährigen TV-Jubiläum von „Kalkofes Mattscheibe“ 25 Stunden Programm. Quelle: Jens Kalaene/dpa
Peine/München

Oliver Kalkofes Narrenkappe hat keine Schellen, keine bunten Lederfetzen. Mal trägt er eine Perücke, ein Paar bombastischer Plastikbrüste, einen Schnurrbart. Aber der Narr des Fernsehens ist er trotzdem: Seit 25 Jahren spiegelt er mit „Kalkofes Mattscheibe“ die Geschmacklosigkeit des Fernsehens wider.

Kalkofe hat Fernsehen lange vor Raab kritisiert und persifliert

Mal als Tarotkarten legende Dame auf dem Shoppingkanal, die die Zeit totschlagen muss, weil keiner anruft. Oder als debil-dauergrinsender Schlagerheini, als Reality-TV-Häschen, eingesetzt zur kollektiven Fleischbeschau. Er montiert sich in die absurden Videoclips und kommentiert den inhaltsleeren Blödsinn auf der Mattscheibe. Er war da, bevor ein Jan Böhmermann einen Varoufakis-Mittelfinger erfand, und bevor Joko und Klaas bunte Späßchen im Pro7-Circus betrieben.

Und Kalkofe hat auch schon das Fernsehen persifliert, bevor Stefan Raab seine „Dööööht“-Knöpfe für die dümmsten Szenen im TV erfand. 25 Stunden konzentrierten TV-Wahnsinns lässt er nun zum Jubiläum beim Sender Tele 5 auf den Zuschauer los.

„Die Würde des Fernsehens ist heutzutage leider sehr antastbar“

Doch agiert der 53-Jährige mit seinen Gehässigkeiten aus Liebe zum Fernsehen (mit einem klein bisschen Wut). Wer mit ihm über das Fernsehen spricht, über den Zustand der TV-Welt, der spürt, mit wie viel Zuneigung er darüber spricht. Aber auch, mit wie viel Frust.

„Die Würde des Fernsehens ist heutzutage leider sehr antastbar. Das Fernsehen hat sich in den letzten 25 Jahren nicht zu seinem besten entwickelt“, sagt Moderator Oliver Kalkofe im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Die Ursache dafür sei nicht etwa ein allgemeiner moralischer Verfall, sondern eine ganz praktische: Die Finanzkrise 2007 habe das Diktum des Trash-TV hervorgerufen.

„Es musste vor allem günstig sein und möglichst wenig Mühe machen. Man zerrte in den Scripted-Reality-Formaten Randgruppen der Gesellschaft vor die Kamera, machte die lächerlich, drehte das Ganze zu Hause bei Oma um die Ecke – das war billig und kurzfristig erfolgreich, führte aber zum Niedergang und zur Bedeutungslosigkeit des linearen Fernsehens.“

„Menschen wollen auch bei der Unterhaltung nicht verblöden“

Und während die privaten Sender den Irrsinn vorangetrieben haben, hätten sich die öffentlich-rechtlichen Kanäle „bräsig zurückgelehnt“ und „überhaupt nichts Sinnvolles oder Innovatives entgegengesetzt.“ Und so wandert auch der Blick des Narren raus aus der Röhrenfernseherwelt in die zuckenden Zentren des Internets. Denn durch die StreamingdiensteNetflix hat beispielsweise 2014 auf dem deutschen Markt Fuß gefasst – werde der Zuschauer wieder als ein eigenständiger, denkender Mensch erfasst.

Und das Denken ist es, worum es Kalkofe geht. Dass ein Zuschauer nicht mit schnellproduziertem Gequirltem vollgemüllt wird, sondern anspruchsvolle Unterhaltung vor sich sieht, die ihn zum Nachdenken bringt.

„Je komplexer und andersartiger eine Serie ist – wie ,Game of Thrones‘ – desto erfolgreicher ist sie weltweit. Die Menschen wollen auch bei der Unterhaltung ruhig denken dürfen und dabei nicht verblöden.“ Die heilige Pflicht des Narren, das Offenlegen, ist deshalb auch Kalkofes oberstes Gebot: „Man muss immer wieder den Finger in die Wunde legen. Gerade wenn man mit Humor und Satire zu tun hat, dann sind Hingucken und Entlarven nun mal unsere erste Pflicht“, findet der Moderator.

Er will durch seine Arbeit Menschen zum Nachdenken bringen

Kalkofe sagt das und hat gleich eine ganze politische Debatte im Kopf: Denn er führt die Phrasendrescherei der neuen oder alten Rechten vor, wenn er 2018 einen Wahlkampfspot der NPD Hessen mit ausgefeilter Dumpfheit parodiert.

Doch was bringt das? „Natürlich ist es so, dass bei Satire über den rechten Rand hauptsächlich diejenigen darüber lachen, die auch vorher darüber gelacht haben.“ Auch die, die sich durch angegriffen fühlten, würden durch Witze nur noch wütender werden. „Aber man darf auch nicht wegschauen und sagen, dass die ganze Situation irre genug ist und deswegen hält man die Klappe.“

Vielleicht könne er durch seine Arbeit ein paar Menschen dazu bringen, wieder selbst nachzudenken und nicht Parolen nachzuplappern“, hofft Kalkofe.

Von RND/Geraldine Oetken

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