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Stadt Peine Fast wie eine Katze: Beim Trendsport Parkour geht es über Tische und Bänke
Stadt Peine Fast wie eine Katze: Beim Trendsport Parkour geht es über Tische und Bänke
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08:17 24.08.2019
Grenzen überwinden, körperlich fit sein, Selbstvertrauen lernen – Parkour ist mehr als nur ein Sport. Quelle: Mara-Ann Meeuw
Peine

Beim Trendsport Parkour gibt es keine Hindernisse, die nicht überwunden werden können. Man könnte fast meinen, die Sportler wären mit Spiderman verwandt: Flink und eindrucksvoll laufen sie auf allen Vieren über Bänke, rollen über Hürden, springen wie Katzen über Kästen, rennen Wände hoch und landen weich und leise auf ihren Füßen. Doch bis die Sportler das können, müssen sie hart trainieren.

Oliver Schlüter-Kalkstein ist Trainer

Oliver Schlüter-Kalkstein (28) ist Trainer für Parkour beim MTV Vater Jahn in Peine. Seine Faszination für den Sport und sein Wissen gibt er an seine Schüler weiter. „Parkour ist Freiheit und Verantwortung zugleich. Es ist die Kunst der effizienten Bewegung, bei der man nur mit Hilfe des eigenen Körpers von einem Punkt zum anderen kommt“, betont der Trainer.

Für Parkour braucht man viel Ausdauer, Kraft und regelmäßiges Training – und dass macht riesigen Spaß.

Da Parkour hauptsächlich draußen praktiziert wird, ist allen Sportlern der Respekt für die Umwelt ein wichtiges Anliegen.

Sport für den ganzen Körper

Die Parkour-Gruppe beim MTV Vater Jahn wurde erst im Juni gegründet. Doch auch während der Schulferien kamen die drei Jugendlichen Arne (12), Bennet (12) und Jonah (13) regelmäßig zum Training.

In einem sind sich die drei einig: „Parkour macht Spaß, weil jeder selbst entscheiden kann, was er sich zutraut und machen will. Es ist Sport für den ganzen Körper, den man überall machen kann.“

Oliver Schlüter-Kalkstein demonstriert den „Katzensprung". Quelle: Mara-Ann Meeuw

Viel Technik, Kraft und Schwung

Besonders wichtig ist am Anfang das Aufwärmen der Gelenke. Schlüter-Kalkstein erklärt, warum: „Parkour ist viel Technik. Es ist wichtig, dass man es richtig macht, damit man sich nicht verletzt. Beispielsweise sollte man nach einem Sprung immer auf den Fußballen landen, statt auf den Hacken. So fließen Kraft und Schwung in die Muskeln und nicht in die Gelenke.“

Sportler nennen sich Traceure

Für die Jugendlichen ist das nichts Neues mehr. Wie kleine Profis bereiten sie sich auf die kommende Belastung vor und bauen danach gekonnt ihren Hindernisparcours auf.

Der Fokus des Trainings liegt diesmal bei den unterschiedlichen Sprüngen, die die Traceure – wie sich die Sportler nennen – nutzen können, um ein Hindernis zu überwinden. Es ist nicht vorgeschrieben, welcher Sprung für welche Hürde zu nutzen ist. Das kann jeder Traceur selbst entscheiden.

Sprünge haben klingende Namen

Die Namen der Sprünge reichen von Monkey („Affe“) über Speed („Schnelligkeit“) zu Lazy („der Faule“). Für alle gilt gleichermaßen: Im Vordergrund steht die korrekte Ausübung und regelmäßige Wiederholung, um die Verletzungsgefahr zu verringern. „Im Idealfall verletzt man sich nie, weil man seine Grenzen kennt und auch offen zugibt“, erklärt Schlüter-Kalkstein seinen Schülern. „Deswegen braucht man einen Lehrer, der einem zeigt, wie das geht. Die Philosophie des Parkours zeichnet Traceure als hilfsbereite Menschen aus, die fähig sind Gruppendruck zu widerstehen. Selbstvertrauen zu fördern ist in diesem Sport und mir sehr wichtig“, betont der Trainer in Ausbildung.

Training ist individuell

Der Sport selbst ist eher in Großstädten vertreten. Aber der Parkour-Fan, der seine Kenntnisse und Fähigkeiten in Braunschweig erworben hat, will ihn auch in seiner Heimatstadt Peine anbieten. Die Mitarbeit im Verein hilft, viele Menschen und Interessierte zu erreichen. „Der Sport ist für jeden geeignet, der sich bewegen möchte. Man kann für sich selbst entscheiden, was man sich zutraut und so das Training mit individuellen Bewegungen anpassen. Dadurch lernt man auch, seinen Körper wertzuschätzen.“

Beim MTV Vater Jahn Peine kann man unter Anleitung Parkour lernen. Jonah (13) ist seit Juni dabei. Quelle: Mara-Ann Meeuw

Jedem, der dem Sport skeptisch gegenüber steht, rät Schlüter-Kalkstein, Parkour selbst auszuprobieren und beim Tag der Vereine am Samstag, 24. August, ab 11 Uhr in der Peiner Innenstadt vorbei zu schauen und sich zu informieren.

Parkour in Peine, Gifhorn und Wolfsburg

Angebote für Parkour in Peine, unter anderem:

MTV Vater Jahn, Donnerstags 17.45 Uhr bis 19.15 Uhr, Sporthalle Wilhelmschule. Anmeldung und Informationen bei Oliver Schlüter-Kalkstein per E-Mail: parkour@vater-jahn-peine.de
TSV Eintracht Essinghausen, Samstags 18.30 Uhr bis 20 Uhr, Informationen und Anmeldung bei Dennis Brandt, telefonisch unter (0151) 50 718 772 oder per E-mail: parkour@tsv-essinghausen.de

Angebote für Parkour in Gifhorn, unter anderem:

SSV Kästorf, voraussichtlich wieder ab Oktober, Informationen bei Claudia Zyla telefonisch unter (0 53 71) 738 581. BGS Brome, Dienstags 18.15 Uhr, Donnerstags 16.45 Uhr, Informationen bei Beate Geisler telefonisch unter (0 58 33) 76 76 oder (0 58 33) 15 08

Angebote für Parkour in Wolfsburg, unter anderem:

VfB Fallersleben, verschieden gruppen Montags bis Donnerstags, Informationen bei Johanna Karnebogen, telefonisch unter (01 57) 55 43 25 99 oder per E-Mail unterjugendsportclub@vfb-fallersleben.de
TSV Ehmen, Mittwochs 16.30 Uhr, Trainer Adam Moustafa, Informationen beim TSV Ehmen telefonisch unter (0 56 32) 26 00 oder per E-Mail: info@tsv-ehmen.de

Parkour: Herkunft und Philosophie

Der Sport Parkour stammt aus Frankreich und beruht auf der weiterentwickelten „méthode naturelle“ von Georges Hébert, einer Methode zur mentalen und physischen Ausbildung im Einklang mit der Natur. Bestandteile sind vor allem Technik-, Kraft- und Ausdauertraining. Die Methode wurde um 1912 entwickelt und in der französischen Armee verwendet, bei der auch der in Vietnam geborene Raymond Belle tätig war. Er trainierte bereits im Kindesalter effiziente Fluchttechniken, um seine Überlebenschancen im Indo-China-Krieg, der 1954 endete, zu steigern.

Raymond Belle trainierte „le parcours“ vor allem in der Natur und gab seine Fähigkeiten an seinen Sohn David weiter, der sie im städtischen Raum nutzte, zunächst vor allem in der Kindheit beim Fangen-Spielen. David Belle und seine Freunde entwickelten diese Fortbewegungsmethode Ende der 1980er-Jahre als Jugendliche in der urbanen Beton- und Stahl-Landschaft des Pariser Vororts Lisses zu dem heute bekannten Parkour weiter.

Aus dem kindlichen Hüpfen über Mülleimer und Tischtennisplatten wurden technisch korrekte und effiziente Sprünge entwickelt. Aber auch das Balancieren auf Dächern und sogar das Erklimmen von Hochhäusern, um möglichst schnell und effektiv von einem Ort zum anderen zu kommen, gehört dazu.

Die Sportler, die Parkour ausüben, nennen sich Traceure. Zu Deutsch heißt das etwa „der, der einen Weg findet“. Hintergrund: Die Traceure wählen ihre eigene Route durch Natur oder Stadtlandschaften, anders als es von der Architektur oder Kultur vorgesehen ist.

David Belle bezeichnet Parkour als eine Kunst, die dazu dient, die durch den eigenen Körper und Umwelt gesetzten Grenzen zu erkennen und zu überwinden. Die Freiheit des Parkours ist nützlich, um den städtischen Raum effektiv zur Fortbewegung zu nutzen, ohne respektlos gegenüber der Umwelt oder Menschen zu handeln. Dafür wurde eine Philosophie entwickelt, die den Traceuren weltweit noch immer wichtig ist. Oliver Schlüter Kalkstein erklärt die Fünf-Finger-Regel:

Daumen:Es gibt keine Wertung, weder positiv noch negativ. Parkour ist individuell, und jeder sollte sich nur mit sich selber messen, nicht mit anderen.

Zeigefinger: Achtung – vor anderen und sich selbst. Sicherheit steht im Vordergrund, dafür sollte man seine eigenen Grenzen einschätzen und erkennen können.

Mittelfinger: Respekt – vor sich und anderen, Respekt für die Umgebung und den öffentlichen Raum. Man macht sich nicht über andere lustig oder zerstört die Umwelt.

Ringfinger: Vertrauen – in den Sport und vor allem auch sich selbst und sein Können.

Kleiner Finger: Bescheidenheit – Man sollte nicht mit seiner Leistung angeben.

Von Mara-Ann Meeuw

In den Großstädten schon länger kein Geheimtipp mehr – jetzt gibt es auch die ersten Parkour-Sportler. Für wahre Artisten halten Sie die einen, für übertriebene Selbstdarsteller die anderen. Was ist Ihre Meinung? Wer an unserer PAZ-Umfrage teilnimmt, kann einen 100-Euro-Gutschein der Konzertkasse gewinnen.

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