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Stadt Peine Ein sensationeller Fund in Stederdorf
Stadt Peine Ein sensationeller Fund in Stederdorf
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16:55 23.04.2019
Bedeutender Fund: Die Feuerbohrer-Griffplatte aus Stederdorf. Quelle: thomas budde
Peine

Neues von Thomas Budde: Dem im Kreis Peine immer wieder aktiven Archäologen wurde ein bedeutender Fund gemeldet. Horst Schüttenhelm aus Edemissen hat eine rechteckige Geröllplatte entdeckt – die nicht irgendeine beliebige Platte ist.

Thomas Budde Quelle: Archiv

Fundort war das Trentelmoor

Sie ist aus hartem quarzitischen Sandstein, ist 19,5 Zentimeter lang, gut 13 Zentimeter breit und 2,6 Zentimeter stark. Das Besondere: Auf einer Seite ist mittig eine zwölf Millimeter breite und fünf Millimeter tiefe Bohrung eingebracht. Gefunden hatte Schüttenhelm das Stück schon vor längerer Zeit auf einem Acker am Ostrand des Trentelmoors bei Stederdorf, „einem verlandeten See, an einem schon länger bekannten vor- und frühgeschichtlichen Fundplatz“, berichtet Budde.

Fundstelle: An der Senke des Trentelmoors befand sich die Feuerbohrer-Griffplatte. Quelle: thomas budde

Steckgriff eines Feuerbohrers

Die Steinplatte ist laut Experte Budde als Steckgriff eines Feuerbohrers zu deuten. „Für die archäologische Forschung ist das Stück von großer Bedeutung“, betont er. Die Geschichte des Feuermachens gehörte in der Archäologie schließlich schon immer zu den wichtigen Themen.

„Eine große Seltenheit“

Budde: „Obwohl Brandspuren zu den häufigsten archäologischen Befunden auf Ausgrabungen gehören, sind doch Gegenstände, die das Feuermachen selbst belegen, gerade in Mitteleuropa eine große Seltenheit.“ Der seit germanischer Zeit verwendete Feuerstahl – der unmittelbare, von Pfadfindern noch heute verwendete Vorgänger des Feuerzeugs – ist seit der germanischen Zeit häufiger belegt, aber aus der Zeit vor Christi Geburt gibt es kaum Funde. Eine bekannte Ausnahme ist die über 5300 Jahre alte Gletschermumie Ötzi, bei der sich entzündbare getrockneter Baumpilz, so genannter Zunderschwamm, im Handgepäck fand.

„Bow Drill“ der Sioux aus Nord-Daktota: Diese Zeichnung wurde 1976 im Magazin „Popular monthly Science“ veröfffentlicht. Quelle: Archiv

Der Archäologe erklärt weiter: „Wir sind stattdessen auf völkerkundliche Vergleiche angewiesen, denn indigene Völker haben Techniken unserer frühen Vorfahren zum Teil bis in das 19. Jahrhundert genutzt, so zum Beispiel die nordamerikanischen Indianer und Eskimos.“

Universalgerät zum Feuermachen

Hier, wie auch schon auf ägyptischen Reliefs aus der Mitte des 3. Jahrtausends vor Christus, finden sich Belege für das vermutliche Universalgerät zum Feuermachen, den so genannten Fiedelbohrer („bow drill“): Ein runder Hartholzstab wird durch Drehbewegungen in eine oft vorgelochte Weichholzplatte, das „Feuerbrett“, gebohrt, bis dieses durch die Reibung Feuer fängt. Die Glut entzündete dann den beigefügten Zunder.

Fein dosierter Druck

Da es beschwerlich ist, den Holzstab mit der Hand zu drehen, wurde ein mit diesem verbundener „Fiedelbogen“ eingesetzt. Oben wurde der Stab mit dem aufgesetzten, angebohrten Steckgriff festgehalten, der stabilisierend wirkte. Außerdem konnte damit fein dosierter Druck erzeugt werden.

In Mitteleuropa fast unbekannt

„Genau ein solcher Griff ist es, der bei Stederdorf gefunden worden ist“, freut sich Budde. Steinerne Steckgriffe verschiedener Form wurden vor allem von den Indianern Nordamerikas verwendet. In Mitteleuropa sind sie fast unbekannt. Es dürfte hier Hartholz statt Stein verwendet worden, das als vergängliches Material archäologisch schwer nachzuweisen ist.

Von Alex Leppert

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