Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Stadt Peine Giftige Raupen sind im Peiner Land auf dem Vormarsch
Stadt Peine Giftige Raupen sind im Peiner Land auf dem Vormarsch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 26.06.2019
Ein Nest mit Raupen des giftigen Eichenprozessionsspinners.
Ein Nest mit Raupen des giftigen Eichenprozessionsspinners. Quelle: Archiv
Anzeige
Kreis Peine

Der Eichenprozessionsspinner ist im Peiner Land auf dem Vormarsch: Immer häufiger werden Nester mit den giftigen Raupen dieser Schmetterlingsart entdeckt. „Der Eichenprozessionsspinner kommt im gesamten Landkreis Peine vor, dort bisher allerdings noch nicht in einem den Wald bedrohenden Umfang“, erläutert Mathias Aßmann, Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten.

Hier wurden Nester entdeckt

Die giftigen Raupen des Eichenprozessionsspinners wurden im Peiner Stadtgebiet bislang an einem Baum an der Straße „Zum Holze“, zwei Bäumen auf dem Feldweg in der Verlängerung der Straße „An der Kapelle“, einem Baum am Feldweg vor dem Sportplatz Essinghausen und an einem weiteren an der Straße „Zum Luhberg“ entdeckt. Im Kreisgebiet war ein Baum auf dem Schulhof der Grund- und Realschule Vechelde befallen. In Edemissen wurden nach Angaben von Kreissprecher Fabian Laaß Raupen an der Landstraße Richtung Wehnsen in der Nähe des Clubhauses Moor-Rider MC gefunden. Außerdem wurden Nester in Neubrück in Waldflächen in der Nähe des Sportplatzes und auf einzelnen Bäumen in dem Bereich gemeldet.

Die Insekten breiten sich im Bereich des Forstamtes Wolfenbüttel, zu dem auch die Landeswaldflächen im Landkreis Peine zählen, von Osten kommend in Richtung Westen aus. „Der Eichenprozessionsspinner profitiert als wärmeliebende Art von der letzt- und diesjährigen Witterung und mittelfristig auch vom Klimawandel“, erklärt Aßmann das vermehrte Aufkommen.

Der Eichenprozessionsspinner befällt Eichen, oft in sonnigen, warmen Lagen vor allem an Waldrändern. „Der Kontakt mit den kleinen Brennhärchen der Raupen, die auch in den Nestern vorhanden sind, kann beim Menschen – zum Teil schwere – allergische Reaktionen hervorrufen“, warnt Aßmann. „Die Umgebung der befallenen Bäume sollte gemieden und die Raupen oder deren Rückstände keinesfalls berührt werden. Gegebenenfalls ist der Eigentümer des betroffenen Baumes zu verständigen.“

Sofortmaßnahmen nach Kontakt

Wechseln Sie sofort die Kleidung, Duschen Sie und waschen Sie sich gründlich die Haare. Bei einem Kontakt mit den Augen spülen Sie diese mit viel Wasser aus. Bei beginnender Hautreaktion waschen Sie die betroffene Stelle vorsichtig mit kaltem Wasser und tupfen Sie sie vorsichtig trocken tupfen. Besser ist die Hautstelle zu föhnen, da ein Trockenrubbeln die Brennhaare tiefer in die Haut treibt. Erste Linderung bei einer möglichen Schwellungen und bei Juckreiz verschafft eine Kaltkompresse.

Die Reinigung der kontaminierten Kleidung sollte in der Waschmaschine bei mindestens 60 Grad Celsius erfolgen. Nur so kann das in den Brennhaaren enthaltenen Thaumetopoein entfernt werden. Auch benutzte Gegenstände, wie beispielsweise das Fahrzeug, sollten gründlich gereinigt werden. Achtung: ein einmal zum Entfernen von den Haaren des Eichenprozessionsspinners eingesetzter Staubsauger verteilt die Haare über lange Zeit bei jeder Benutzung neu.

Zur Bekämpfung der Raupen können die Nester mit Hubsteigern erreicht und mit Spezialgeräten abgesaugt werden. Diese Möglichkeiten würden jedoch im Wald nicht bestehen, „weil die Zahl der Bäume zu groß ist und nicht jeder einzeln angefahren werden kann“.

Pflanzenschutzmittel als letzte Möglichkeit

„Hier bleibt nur der Einsatz von speziell gegen den Eichenprozessionsspinner wirkenden Pflanzenschutzmitteln, die dann aus der Luft mit einem Helikopter direkt in die Baumkrone ausgebracht werden“, schildert der Experte. „Diese Methode bleibt als letztes Mittel, das dann eingesetzt wird, wenn die Gefahr besteht, dass der Eichenwald durch den Fraß des Eichenprozessionsspinners in seiner Existenz bedroht ist.“

Von Jan Tiemann