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Stadt Peine Die Nutria breitet sich im Peiner Land aus
Stadt Peine Die Nutria breitet sich im Peiner Land aus
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00:19 29.03.2019
Die Kreisjägerschaft bestätigt die rasante Vermehrung: Immer mehr  Nutria leben im Peiner Land.
Die Kreisjägerschaft bestätigt die rasante Vermehrung: Immer mehr Nutria leben im Peiner Land. Quelle: Andreas Arnol
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Kreis Peine

Erst wenige Einwohner haben bislang eine Nutria im Peiner Land zu Gesicht bekommen. Doch die ursprünglich aus Südamerika stammenden Sumpfbiber sind in Niedersachsen auf dem Vormarsch mit verhängnisvollen Folgen für den Deich- und Uferschutz. Die Auswirkungen auf die heimischen Tierarten als Nahrungskonkurrenten und die Vegetation beschäftigen auch die Kreisjägerschaft Peine.

2017/2018 sind in Peine 204 Nutrias erlegt oder überfahren worden

Im jüngst vorgelegten Landesjagdbericht 2017/2018 ist die Ausbreitung der Nutria sogar ein Schwerpunkthema. Im Jagdjahr 2017/2018 wurden in Peine 204 Nutrias und landesweit 24 320 erlegt, überfahren oder starben eines anderen Todes. In der Jagdsaison 2015/2016 waren es erst 31 im Kreis und in ganz Niedersachsen 10 387.

Als Pflanzenfresser sind Nutria Nahrungskonkurrenten für andere Tiere

„Wir verzeichnen schnell wachsende Zahlen dieser gebietsfremden invasiven Art, zumal ein Weibchen drei Würfe im Jahr haben kann“, sagt Axel Rühmann, Ehrenvorsitzender der Kreisjägerschaft. Als fast reine Pflanzenfresser seien Nutria Nahrungskonkurrenten für andere Tiere. Ihre Grab- und Wühltätigkeit an Unterwasser- und Ufervegetationen sowie auch Fraßschäden an Feldrändern bereiteten zunehmend Probleme.

Im Landesjagdbericht geführte Tiere

Jäger aus dem Landkreis Peine haben im Jagdjahr 2017/2018, das am 31. März endete, 1401 Rehe (Niedersachsen: 121755) 432 Wildschweine (68992) und 30 Damwild (11651) erlegt. Sie brachten im selben Zeitraum zur Strecke: 708 Füchse (52001), 557 Hasen (44510), 100 Dachse (7504), 105 Waschbären (15812) und 52 Marderhunde (3900). In der Statistik der Landesjägerschaft und jedes einzelnen Landkreises tauchen auch die Tiere auf, die tot gefunden werden – etwa nach Wildunfällen im Straßenverkehr. Die Jäger sprechen dann von „Fallwild“.

Nachdem das Landwirtschaftsministerium zunächst die Schonzeit für Nutrias aufgehoben hatte, beschloss der Landtag im November 2018 in einer kleinen Novelle des Niedersächsischen Jagdgesetzes die Aufhebung des Elterntierschutzes für Nutria, deren Paarungszeit sich über das ganze Jahr erstrecken kann.

Jagd sei keine Schädlingsbekämpfung mehr

„Die Aufhebung der Schonzeit und des Elterntierschutzes sind Maßnahmen, um die Nutria in ihrem enormen Reproduktionspotential einzugrenzen“, erklärt Rühmann. Die Jäger seien angehalten, diesen neuen Rechtsrahmen zu nutzen. „Das Erlegen von Elterntieren ist bei der Jagd an sich unüblich, verdeutlicht aber den dringenden Handlungsbedarf, den das Land sieht“, so der Experte.

Abschüsse und die Fangjagd müssten forciert werden, um die Reduktion der Nutria zu erreichen. Gleichwohl sei Jagd keine Schädlingsbekämpfung. „Wir müssen wie stets bei der Jagdausübung auch bei der Nutriabejagung die hohen Tierschutzstandards sowie die naturschutz- und jagdrechtlichen Vorgaben einhalten“, macht Rühmann deutlich.

Von Birthe Kußroll-Ihle