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Stadt Peine Die Chemie des Reichtums
Stadt Peine Die Chemie des Reichtums
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23:00 11.08.2009
Alt und wertvoll: Die in Peine gefundenen Barren bilden zusammen einen der größten mittelalterlichen Silberschätze Deutschlands.
Alt und wertvoll: Die in Peine gefundenen Barren bilden zusammen einen der größten mittelalterlichen Silberschätze Deutschlands. Quelle: cb
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Peine. Nervös rückt Robert Lehmann von der Universität Hannover seine Brille zurecht. Vor ihm auf den Tisch liegen 95 Silberstücke und glänzen matt im Neonlicht. Einige von ihnen sind handtellergroß und rund, andere wurden zerhackt. Damals – als Geld in Europa noch archaisch gehandhabt wurde.

Die Barren sind der Kern von Lehmanns Doktorarbeit. Mit ihrer Hilfe will er Licht in längst vergangene Jahrhunderte bringen. Geprägt wurden die Silberstücke vermutlich im 14. Jahrhundert. Auf einigen zeigt sich der Braunschweiger Löwe, bei anderen das Wappen von Hannover oder Hildesheim. Manche Prägestempel konnten bisher nicht zugeordnet werden.

Lehmann arbeitet am Institut für Analytische Chemie. Für seine Doktorarbeit untersucht er Barrenfunde aus der ganzen Bundesrepublik. Sie sollen Aufschluss über Wirtschaftskreisläufe des Mittelalters geben.
Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf Peine. Denn in der Fuhsestadt wurden zwei der größten mittelalterlichen Silberschätze Deutschlands gehoben. 1954 und 1956 kamen an der Stederdorfer Straße und am Horstweg Silberstücke mit einem Gesamtgewicht von etwa 7,5 Kilo ans Tageslicht.

Der nächstgrößte Fund stammt aus Nordstemmen und umfasst nur einen Bruchteil dieser Menge. Dabei erlaubt die Größe der gefundenen Schätze auch Rückschlüsse auf Wohlstand und Macht der Peiner Kaufleute.

Mithilfe modernster Technik untersucht Lehmann nicht nur die Prägestempel, sondern auch die Herkunft des Silbers. Mit unerwarteten Ergebnissen: Bislang gingen Historiker davon aus, dass hiesiges Silber vor allem im Harz gewonnen worden sei. Tatsächlich verliefen die Handelswege aber wohl sehr viel weiter. Umgekehrt wurden in Braunschweig geprägte Münzen auch in Italien als Zahlungsmittel genutzt. Vier Wochen lang standen Lehmann die Barren zur Verfügung. Nun setzt der Chemiker zunächst auf eine genaue Auswertung der Untersuchungsdaten. Den Abschluss seiner Dissertationsarbeit plant Lehmann für das kommende Frühjahr.

Als nächstes gehen die Peiner Silberschätze am Freitag, 14. August, nach Magdeburg. Dort dienen sie als Exponat in der Landesausstellung Sachsen-Anhalt. Im Dezember kehren die Barren an die Fuhse zurück und sind dann im Kreismuseum zu bewundern.

André Ziegenmeyer

11.08.2009
10.08.2009