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Stadt Peine Dickes Minus: Ist Braunschweig noch der richtige Partner fürs Peiner Klinikum?
Stadt Peine Dickes Minus: Ist Braunschweig noch der richtige Partner fürs Peiner Klinikum?
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20:00 23.08.2019
Ende September entscheidet sich die Zukunft des Peiner Klinikums an der Virchowstraße. Ist Braunschweig noch ein geeigneter potenzieller Partner? Quelle: Archiv/Bierwagen
Peine

Ende September entscheidet sich die Zukunft des kriselnden Peiner Klinikums, dann verabschiedet der Aufsichtsrat des Trägers AKH das Sanierungskonzept. Dann könnte auch ein Verkauf des Krankenhauses auf der Agenda stehen. Also möglicher Übernahmekandidat hat sich auch das Klinikum Braunschweig ins Gespräch gebracht. Doch nun hat das Klinikum schlechte Bilanzzahlen für 2018 präsentiert. Viele fragen sich jetzt: Kann Braunschweig jetzt überhaupt noch einen möglichen Kauf des Peiner Krankenhauses schultern?

Zunächst die Zahlen: Das Klinikum Braunschweig hat das Geschäftsjahr 2018 mit einem Minus von 4,9 Millionen Euro abgeschlossen. Ohne sogenannte „Sondereffekte“ hätte sich das Jahresergebnis sogar auf rund minus 17,5 Millionen Euro belaufen.

Ausgeglichenes Ergebnis ab 2024

„In der Prognose ergibt sich für 2019 ein Jahresergebnis von etwa minus 16 Millionen Euro. Das wäre eine Verbesserung gegenüber dem Ergebnis – ohne Sondereffekte – aus operativer Tätigkeit in 2018 um etwa 1,5 Millionen Euro“, heißt es weiter in einer Pressemitteilung. Erst ab dem Jahr 2024 solle dann wieder ein ausgeglichenes Ergebnis erreicht werden.

Die PAZ fragte bei Dr. Andreas Goepfert, Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Braunschweig, nach: Ist Braunschweig noch interessiert an einer Übernahme des Peiner Krankenhauses oder schaut man nach der Minus-Bilanz 2018 lieber auf sich selbst?

„Diese beiden Themenbereiche haben nichts miteinander zu tun“, sagt der Geschäftsführer. Die schlechten Zahlen für 2018 und perspektivisch auch für 2019 sowie die kommenden Jahre begründet er auch mit „strategischen Investitionen“ in den Standort. „Wir gehen bewusst ins Defizit hinein. Als kommunales Krankenhaus können wir hier anders agieren als Private“, so Dr. Goepfert. Man werde wieder in die Gewinnzone drehen.

„Landkreis muss sich Gedanken machen“

Also doch noch Interesse an Peine – hat man sogar den Hut schon in den Ring geworfen? „Die AKH-Gruppe als Eigentümer hat ja noch überhaupt nicht signalisiert, dass sie das Peiner Krankenhaus verkaufen möchte. Das müssen wir jetzt erstmal abwarten. Und dann muss sich der Landkreis Peine Gedanken machen, denn der hat ja den Versorgungsauftrag. Erst dann können wir agieren. Aber es wird sicherlich politische Auswirkungen haben, wenn ein ehemals kommunales Krankenhaus jetzt an einen Privaten verkauft würde“, so der Geschäftsführer.

Denn letztlich gebe es drei Varianten für die Zukunft der Peiner Klinik: AKH behält das Peiner Krankenhaus, das Klinikum wird an einen privaten Träger verkauft – oder eben an einen kommunalen Träger wie die Stadt Braunschweig. „Kommunale Trägerschaft ist ein hohes Gut. Wir können uns glücklich schätzen, dass die Gesundheitsversorgung in unserer Region zu großen Teilen in kommunaler Hand ist“, sagt Dr. Goepfert. „Nur so kann verhindert werden, dass sich eben diese Gesundheitsversorgung rein ökonomischen Interessen beugen muss. Denn das würde unserer Region nicht gut tun.“

Defizit aus Tagesgeschäft heraus

Und was sagt AKH als Träger der Peiner Krankenhauses zu der aktuellen Gemengelage? „Zunächst ist es sicherlich bedauerlich, dass das Klinikum Braunschweig ein negatives Jahresergebnis verkünden musste, insbesondere weil dieses, wie zu lesen war, aus laufendem Tagesgeschäft resultiert“, sagt AKH-Sprecher Ralf Kuchenbuch. Die Fortsetzung der hohen Millionenverluste werde in den nächsten Jahren sicherlich den Stadthaushalt belasten und möglicherweise andere soziale Projekte verdrängen.

„Ob das Klinikum Braunschweig in dieser Situation eine Integration des Peiner Krankenhauses oder eine Abstimmung der medizinischen Leistungen bewältigen könnte, ist schwer zu sagen. Man darf wenigstens leise Zweifel an der sicherlich erforderlichen Unterstützung des Veränderungs- und Sanierungsprozesses des Peiner Klinikums äußern“, so der AKH-Sprecher. „Braunschweig gibt ja an, 2024 wieder in den schwarzen Zahlen sein zu wollen. Das gilt für die AKH-Gruppe gleichermaßen. Entscheidend ist aber bekanntlich die Sitzung des Aufsichtsrats Ende September in der Frage, ob Peine überhaupt ein Übernahmekandidat wird.“

Vier Interessenten

Das Klinikum Braunschweig zähle bislang nicht zu den vier bekannten Interessenten, die sich mit der AKH-Gruppe aus Celle bereits für eine mögliche Übernahme des Peiner Klinikums in Verbindung gesetzt haben. „Auch wurde die jüngst in der PAZ zu lesende Forderung des Peiner Betriebsrats und von Verdi nach einem Zusammenschluss mit Braunschweig inzwischen relativiert. Ob dies alles mit den veröffentlichten Zahlen zusammenhängt, können wir nicht sagen“, so Kuchenbuch. „Was jedoch durchaus gesagt werden kann ist, dass bei einer möglichen Entscheidung, das Klinikum Peine abzugeben, auch andere Faktoren eine Rolle spielen könnten, zum Beispiel der Erlös.“

Das Peiner Klinikum in der Krise

Die AKH-Gruppe und damit auch das Peiner Klinikum sind im Jahr 2018 in finanzielle Schieflage geraten. Hier gibt es eine Übersicht über das bisherige Geschehen:

20. August 2019: Peiner Krankenhaus-Krise – Peiner Ärzte fordern Erhalt des Klinikums

20. August 2019: Peiner Krankenhaus-Krise – AKH-Vorstand antwortet auf offenen Brief der Klinik-Belegschaft

13. August 2019: Peiner Krankenhaus-Krise – Mächtig Zoff zwischen Landtagsabgeordneten und AKH-Sprecher

30. Juni 2019: Klinik-Krise: Celler Ärzte stellen Strafanzeige

12. Juni 2019: Überraschende Wende: Rettet jetzt Celle das Peiner Klinikum?

12. Juni 2019:Peiner Klinik-Krise: Entscheidung vertagt

10. Juni 2019: Peiner Rat will Kreis bei Rettung des Klinikums unterstützen

8. Juni 2019: PAZ-Kommentar zur Klinik-Krise: Rauft euch zusammen!

7. Juni 2019: Millionen für Klinik-Rettung: Kreistag sagt „Ja“, stellt aber klare Forderungen

6. Juni 2019: Klinik-Rettung: Tag der Entscheidung in Peine

6. Juni 2019: Klinik-Rettung: Kreis und Stadt üben Schulterschluss

5. Juni 2019: Saemann: Fünf Millionen Euro zur Standortsicherung - Kreis will mehr

5. Juni 2019: Klinik-Rettung in Peine: Landkreis sucht den Kompromiss

2. Juni 2019: Millionen-Defizit noch höher: Landkreis soll das Peiner Klinikum retten

31. Mai 2019: Klinik-Krise in Peine: Droht weiterer Stellenabbau?

10. Mai 2019: Frauenklinik-Aus: Peiner Hebammen kritisieren Informationsfluss

30. April 2019: Frauenklinik dicht: Was heißt das für Schwangere in Peine?

13. April 2019: Verdi: Peine soll Stimmrecht im AKH-Aufsichtsrat bekommen

8. April 2019: Frauenklinik in Peine schließt bereits am Freitag

7. April 2019: Klinik-Krise in Peine: 50 Stellen auf der Kippe

5. April 2019: Kriselndes Klinikum: „Gründe für finanzielle Probleme bleiben unklar“

26. März 2019: Aufregung im Klinikum: AKH versendet Fragebogen zu Sozialauswahl

23. März 2019: Klinikum Peine muss drei Millionen Euro einsparen

13. März 2019: Zu wenig Geburten in Peine sind für Schließung mitverantwortlich

11. März 2019: „Aktive Mittagspause“ im Peiner Klinikum: „Wir sind euer Krankenhaus“

21. Februar 2019: Das sagen CDU und SPD zu drohenden Kündigungen im Klinikum Peine

21. Februar 2019: SPD und CDU bedauern die Schließung der Frauenklinik

20. Februar 2019: Klinikum Peine schließt die Fachabteilung für Frauenheilkunde

31. Januar 2019: Klinikum: „Tiefe Einschnitte, aber nicht beim Pflegepersonal“

21. Oktober 2018: Nach Millionenverlust: Bekenntnis zum Klinik-Standort Peine

17. Oktober 2018: Millionenverlust für das Peiner Klinikum

Von Tobias Mull

Das Klinikum Braunschweig hat sich bereits vor Monaten als möglicher Käufer für das angeschlagene Peiner Klinikum ins Spiel gebracht. Doch im Jahr 2018 hat man nun ein dickes Minus eingefahren. Die PAZ fragte die beiden Peiner Landtagsabgeordneten, ob Braunschweig nun noch der richtige Partner ist.

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