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Stadt Peine Corona-Zwangspause: Schridde-Chefin bittet ihre Kunden um Hilfe
Stadt Peine Corona-Zwangspause: Schridde-Chefin bittet ihre Kunden um Hilfe
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17:27 20.03.2020
„Ich habe viel für viele getan, jetzt bitte ich darum, dass mal etwas für mich getan wird“: Dunja Wittenberg, Chefin des Modehauses Schridde. Quelle: Ralf Büchler
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Peine

Eigentlich war alles bereit. Die neue Frühjahrsmode hängt nach Farben und Themen sortiert auf den Kleiderstangen, fröhliches Pink, Gelb und Grün lässt gute Laune aufkommen und weckt Lust, in einem dieser Blazer, Shirts oder Pullis draußen in der Sonne zu sitzen, ein Eis zu schlecken und die schönste Jahreszeit zu genießen.

Aber im Peiner Modehaus Schridde ist es dunkel und leer, und nur eine Person hält sich dort am Freitagvormittag auf: Dunja Wittenberg, die Inhaberin des Geschäfts, das sie vor 16 Jahren in ihre Regie übernommen hat. Jetzt, inmitten der Coronakrise, fürchtet sie zum ersten Mal um den Fortbestand des traditionsreichen Hauses. Und sie geht einen mutigen Schritt: Sie hofft auf die Solidarität ihrer Kunden, mit deren Hilfe sie das Geschäft durch die schwierigste Zeit seit der Gründung vor 118 Jahren bringen will.

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Retten Kunden das Traditionshaus?

„Mir geht es dabei gar nicht um mich persönlich, sondern darum, dass ich Mitarbeiter habe, deren Jobs ich sichern will, und auch um die Peiner Innenstadt – wir dürfen nicht zulassen, dass die Zwangspause alles zerstört, wofür so viele Menschen hart arbeiten“, appelliert die Geschäftsfrau. Für Schridde hat sie sich etwas Besonderes überlegt: Sie bittet ihre Kunden, ihr eine Art „Vorschuss“ auf bessere Zeiten zu zahlen. Jeder, der mag und kann, ist gebeten, seinen Beitrag auf das Konto mit der IBAN DE66 2519 0001 1332 6104 02 einzuzahlen. Dunja Wittenberg versteht das aber nicht als Spende, sondern als Leihgabe, um die klamme Zeit zu überbrücken. „Sobald wir wieder öffnen dürfen, darf jeder, der mir Geld überwiesen hat, diesen Wert hier beim Einkauf einlösen – und größere Beträge erstatte ich dann auch“, erklärt sie.

Gerade im Textileinzelhandel haben es Geschäftsleute heutzutage sehr schwer – die Verdienstspanne zwischen Einkaufspreis und Ladenverkaufspreis ist inzwischen so klein, dass nur bei gut laufenden Geschäften die Rechnung aufgeht und genug übrig bleibt, um Mitarbeiter, Lieferanten und Fixkosten laufend zu bezahlen. Sobald die Einnahmen schrumpfen oder wie jetzt plötzlich ganz wegbrechen, gerät das fragile Gefüge in Schieflage, und die Kaufleute haben schon nach wenigen Tagen ein erhebliches Finanzierungsproblem.

Kampf zur Erhaltung der Peiner Geschäftswelt

Für Dunja Wittenberg ist das aber noch lange kein Grund, den Kopf hängen zu lassen oder gar aufzugeben. Sie setzt auf die Treue und den Willen ihrer Kunden, die, so hofft sie, genau wie sie selbst daran interessiert sind, die Peiner Geschäftswelt zu erhalten. „In all den Jahren habe ich viel für viele getan, jetzt bitte ich darum, dass auch für mich, für uns etwas getan wird“, sagt sie.

Gemeinsam mit vielen anderen Peinern hofft Dunja Wittenberg, dass die bedrückende Coronazeit bald vorüber ist und alle wieder mit neuem Mut ans Werk gehen können. „Eines steht jetzt schon fest“, versichert die Geschäftsfrau, „sobald wir wieder öffnen dürfen, machen wir eine richtig große Modenschau, mit Party, Tanz und allem, was dazugehört – am besten zwei Tage lang, denn wir alle werden uns nach solchen Events sehnen.“

Von Stefanie Gollasch