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Stadt Peine Corona-Impfung für Kinder in Peine: Wir beantworten die wichtigsten Fragen
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Corona-Impfung für Kinder in Peine: Wann, wo, wie? Fragen und Antworten

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15:25 09.12.2021
Der Biontech-Impfstoff für die Kinderimpfungen soll in der kommenden Woche geliefert werden.
Der Biontech-Impfstoff für die Kinderimpfungen soll in der kommenden Woche geliefert werden. Quelle: Laci Perenyi
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Peine

Die Corona-Impfungen für Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren sollen demnächst in Peine beginnen, ein wenig Geduld ist aber noch gefragt. Am Montag, 13. Dezember, soll der Impfstoff von Biontech/Pfizer in der Konfektionierung für Kinder nach Deutschland geliefert werden, zunächst war dafür der 20. Dezember angedacht, wie der Ilseder Kinderarzt Arno Grote mitteilt. Der Kreis bestellte nun zunächst Impfstoff für 2100 Impfungen, sagt Fabian Laaß, Sprecher der Peiner Landkreisverwaltung.

Impfungen für Kinder: Die wichtigsten Fragen

Die ersten Impfungen für Kinder (5 bis 11 Jahre) können demnächst starten. Ab dem 4. Januar will der Kreis Peine Impfungen für Kinder anbieten. Das sind die wichtigsten Fragen zum Thema.

► Wie viele Kinder werden zum Impfen niedersachsenweit erwartet?

Laut Claudia Schröder, stellvertretende Leiterin des Corona-Krisenstabs der Landesregierung, gibt es mehr als 500 000 Kinder zwischen fünf und elf Jahren in Niedersachsen. Das Land geht davon aus, dass rund ein Drittel der Eltern ihre Kinder impfen lassen – wenn die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) da ist. Der Bund habe für Niedersachsen 240 000 Impfdosen zugesagt, die ab Mitte Dezember über den Großhandel geliefert werden sollen. „Wir gehen davon aus, dass wir den Bedarf decken können.“

► Warum werden Kinder bisher noch nicht geimpft?

Bisher hat nur die Europäische Arzneimittelbehörde EMA den Biontech-Impfstoff als sicher und wirksam für Kinder ab fünf Jahren eingestuft und grünes Licht für die Zulassung auch in dieser Altersgruppe gegeben. Offiziell dürfen demnach schon jetzt Kinder dieser Altersgruppe geimpft werden, wenn es der Arzt für medizinisch notwendig hält. Ärzte können eine Dosis verabreichen, die einem Drittel der Dosis für Erwachsene entspricht, sagt Detlef Haffke, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Kinderärzte dürfen im Rahmen ihrer ärztlichen Therapiefreiheit solche Termine anbieten. Auf der anderen Seite warten viele Kinder- und Jugendärzte auf die Empfehlung der Stiko zur Kinderimpfung.

► Wann wird mit der Stiko-Empfehlung gerechnet?

Seit August empfiehlt die Stiko am Robert Koch-Institut (RKI) in Deutschland die Covid-19-Impfung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren. Experten haben Zweifel, ob es nun auch zu einer grundsätzlichen Empfehlung auch für Jüngere kommt. Möglich sei laut Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte auch, dass das Gremium zunächst nur eine Empfehlung für Kinder mit Vorerkrankungen aussprechen werde, etwa für Kinder mit Herz- und Lungenerkrankungen oder Diabetes. Flächendeckende Impfungen der Altersgruppe ab fünf befürwortet der Verband nur, wenn auch die Stiko grünes Licht gibt. Unverändert soll die Impfung nach ärztlicher Aufklärung zum Nutzen und Risiko erfolgen.

Laut Bundesverband erkranken gesunde Kinder unter zwölf Jahren nur selten schwer an Covid-19 und müssen nur ganz selten im Krankenhaus behandelt werden. Es besteht also bei den Kinderimpfungen kein Grund zur Eile.

► Wird es zeitnahe Impftermine geben?

Viele Praxen haben bereits Erfahrungen mit den Impfungen, da sie ja schon länger Kinder ab zwölf Jahren gegen Covid-19 impfen. Allerdings sind die Praxen in diesem Herbst extrem voll. Im vergangenen Jahr sind wegen der Corona-Maßnahmen viele Infekte ausgeblieben, jetzt kommen sie geballt zurück, so KVN-Sprecher Detlef Haffke.

Wie gestaltet sich der Impfablauf, und welche Herausforderung liegt vor den Kinderärzten?

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hatte am 25. November die Erweiterung der Zulassung für den Biontech-Impfstoff zur Coronavirus-Schutzimpfung für Kinder von fünf bis elf Jahren genehmigt. Die Impfung für Kinder entspricht nur einem Drittel einer Erwachsenen-Dosis und wird zwei Mal im Abstand von drei bis sechs Wochen in den Oberarm verimpft. Kinderarzt Arno Grote, der in eigener Praxis in Ilsede praktiziert, geht davon aus, dass die meisten Kinderärzte jedoch zunächst die Empfehlung der Ständige Impfkommission (Stiko) abwarten möchten – und diese sei ist noch nicht erschienen.

Der Ilseder Kinderarzt Arno Gro Quelle: Privat

„Bis dahin gilt es abzuwägen, ob ,Hochrisiko-Patienten’ gleich nach Erhalt des Impfstoffes geimpft werden können, aber das Gros der Patienten wird wohl erst nach einer öffentlichen Empfehlung in diesem sensiblen Bereich geimpft“, sagt er. Der Kinderarzt erwartet den Impfstoff ebenfalls zum 13. Dezember.

Bislang noch keine finale Empfehlung der Stiko

„Die erste Lieferung soll bereits für die Hälfte der in Deutschland lebenden Kinder von fünf bis elf Jahren ausreichen“, sagt Grote. Bis zu diesem Zeitraum erwartet der Kinderarzt auch eine Empfehlung der Stiko zur Kinder-Impfung. „Wir vertrauen der sachlichen Aufarbeitung der Stiko auch entgegen anderslautender politischer Meinungen“, so der Mediziner.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) will die Corona-Impfung Kindern von fünf bis elf Jahren mit Vorerkrankungen und Kontakt zu Risikopatienten empfehlen, wie am Donnerstag bekannt wurde. Aber auch gesunde Kinder sollen bei individuellem Wunsch geimpft werden können, hieß es ausdrücklich in einer Mitteilung des Expertengremiums zu einem Beschlussentwurf. Es handelt sich dabei aber noch nicht um eine finale Stiko-Empfehlung.

Vor den Kinderärzten liegt dann eine große Aufgabe: „Wir werden das hinbekommen, Praxen und Impfzentren ergänzen sich in Ihrer Arbeit“, so Grote. Die Herausforderung: Innerhalb von sechs Stunden muss das Vakzin aus einem Impf-Fläschchen verimpft sein. Grote betont, dass es sich um einen sehr sicheren Impfstoff handelt. „Kinder stecken sich aktuell überdurchschnittlich häufiger an als die Erwachsenen, meist ohne selbst schwer zu erkranken“, sagt der Kinderarzt. „Für Hochrisiko-Patienten mag es aus ethischen Gründen den Impfstoff an Uni-Kliniken bereits jetzt geben, das Gros der Kinder wird später geimpft“, so der Mediziner, der die Eltern um Geduld bittet. Für Kinder zwischen fünf und elf Jahren, die eine Impfung bekommen sollen, führt der Arzt eine Warteliste. Er betont, dass er derzeit noch keinen Impfstoff vorrätig hat.

Landkreis bestellt zunächst Impfstoff für 2 100 Impfungen

Der Landkreis teilt mit, dass auf Grundlage der Schülerstatistik 2020/2021 rund 6600 Kinder im Landkreis Peine im Alter zwischen fünf und elf Jahren geimpft werden könnten. „Da davon auszugehen ist, dass sich ein Teil an Kindern nicht impfen lassen wird, auch Kinderärzte die Impfungen vornehmen und der gelieferte Impfstoff zudem nur zehn Wochen haltbar ist, wurde zunächst Impfstoff für 2100 Impfungen bestellt“, erklärt Laaß. Impfangebote für diese Altersgruppe sollen nach derzeitigem Planungsstand ab dem 4. Januar starten. „Genauere Informationen erfolgen nach Abschluss der Planungen“, teilt der Kreissprecher mit.

Insgesamt befürchten die Kinder- und Jugendärzte einen Ansturm auf die Kinderimpfungen, heißt es bei der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen. Die Kinder- und Jugendärzte stehen vor großen Herausforderungen. Dennoch sei die Kinderarztpraxis der geeignete Ort für Kinderimpfungen. Den Vorschlag der Gesundheitsminister der Länder, auch Zahnärzte oder Apotheker in die Impfkampagne mit einzubeziehen, finden Kinder- und Jugendärzte suboptimal. Denn wenn in der Nachbeobachtung doch eine seltene Nebenwirkung auftrete, dann könne nur der Kinder- und Jugendarzt fachgerecht reagieren.

Von Nina Schacht