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Stadt Peine Peiner Ärzte bitten um Schutzausrüstung
Stadt Peine Peiner Ärzte bitten um Schutzausrüstung
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13:08 30.03.2020
In den Praxen fehlt dringend benötigte Schutzmaterialien. Quelle: APA
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Peine

Die Situation um die Coronapandemie spitzt sich zu: Immer mehr Deutsche erkranken an der gefährlichen Lungenerkrankung, auch im Kreis Peine nimmt die Zahl der Infizierten zu. Für die Ärzte ist das ein großes Problem: Ihnen fehlt die persönliche Schutzausrüstung, um Patienten in ihren Praxen, aber auch in Seniorenheimen zu versorgen. „Gerade dort leben die Patienten mit dem höchsten Risikofaktor“, sagt Dr. Friedrich Scheibe, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung im Kreis Peine.

Viele Ärzte haben keine Schutzausrüstung mehr

Er hat eine Umfrage unter seinen Kollegen gestartet, um zu erfragen, inwieweit sie mit Schutzmasken, Handschuhen, Desinfektionsmitteln, Kitteln und Schutzbrillen ausgestattet sind. „Das Ergebnis ist erschreckend: Die Hälfte meiner Kollegen haben gar keine Schutzausstattung mehr, die übrigen nur unzureichend“, sagt der Mediziner. Die Bundesregierung hätte zwar Materialien bestellt, aber in der Versorgungshierarchie stehen die niedergelassenen Ärzte nach den Testzentren und Bereitschaftsärzten an dritter Stelle. Es sei also ungewiss, wann und ob überhaupt eine Versorgung erfolgen könne.

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Bitte an Handwerksfirmen

Dies lässt die Ärzte zu ungewöhnlichen Mitteln greifen. Sie rufen dazu auf, eigenes Material zur Verfügung zu stellen. „Ich kann mir vorstellen, das vielleicht in Handwerksbetrieben noch Schutzmasken und anderes Material vorhanden sind, die zurzeit nicht gebraucht und uns unbürokratisch überlassen werden könnten“, so Scheibe. Besonders hilfreich wären sogenannte FFP-2-Masken, die kleinste Partikel filtern.

„Wer also entsprechende Hilfsmittel zur Verfügung stellen kann, darf diese gern bei den Hausärzten abgeben. Von dort aus wird die Verteilung organisiert“, bittet der Mediziner um Mithilfe. „Wenn die Pandemie immer größere Ausmaße annimmt, ist die gesamte Bandbreite an medizinischem Personal gefordert. Es kann und darf nicht sein, dass wir uns selbst nicht schützen können, schlimmstenfalls selbst ebenso wie die Mitarbeiter oder Familien erkranken und Praxen schließen müssen. Die ärztliche Versorgung muss aufrecht erhalten werden“, führt er weiter aus.

„Alles ist besser als nichts“

Unterstützung erhält Dr. Friedrich Scheibe von seiner Kollegin Marion Renneberg, die den Hausärzteverband Braunschweig im Kreis Peine vertritt. Auch sie kann sich vorstellen, dass eventuell gerade Handwerksfirmen oder Baumärkte, aber auch Privatpersonen, noch Lager- oder Restbestände haben, die sie zur Verfügung stellen können. „Aber auch die genähten Mundschutze, die jetzt überall gefertigt und schon fleißig verteilt werden, sind gerade im privaten Bereich eine große Hilfe. Alles ist besser als nichts“, stellt sie fest und lobt die fleißigen Helfer. „Wir müssen das jetzt gemeinsam bewältigen.“

Sie wünscht sich, dass im Landkreis Peine eine Plattform zur Koordination von medizinisch geschultem Personal eingerichtet wird. Dies könne auch mittlerweile in anderen Bereichen tätig sein und nur vorübergehend zur Verfügung stehen, auch Therapeuten seien denkbar.

Dank an Klinikmitarbeiter

Der engagierten Ärztin liegt es sehr am Herzen, auch an dieser Stelle den Beschäftigten im Peiner Klinikum ihren Dank und großen Respekt auszusprechen. „Es ist unglaublich, was dort geleistet wird – gerade in dieser gesundheitlich und wirtschaftlich unklaren Situation.“ Ebenso bedankt sie sich bei den Kollegen, auch den niedergelassenen Ärzten, für deren großen Einsatz. Einige hätten sogar Urlaube abgesagt, um in der Krise zur Verfügung zu stehen.

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Von Antje Ehlers