Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Stadt Peine Cannabis-Legalisierung: Peiner Polizei hat Bedenken
Stadt Peine

Cannabis-Legalisierung: Peiner Polizei hat Bedenken

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:01 14.01.2022
Ein Mann raucht einen Joint mit Marihuana. Cannabis soll in Deutschland legalisiert werden – das finden nicht alle gut.
Ein Mann raucht einen Joint mit Marihuana. Cannabis soll in Deutschland legalisiert werden – das finden nicht alle gut. Quelle: Oliver Berg/dpa
Anzeige
Kreis Peine

Berauscht mit dem Auto gefahren: Gleich 138 Blutentnahmen nach Drogenfahrten führt die Peiner Polizei in ihrer aktuellsten Jahresstatistik für 2020 auf. Ein Sechs-Jahres-Hoch – und ein Wert, der erklären dürfte, warum die Peiner Polizei mit Blick auf die Entscheidung der Bundesregierung, den Verkauf von Cannabis zum Genuss zu erlauben, auch Bedenken äußert.

Polizei befürchtet noch mehr Drogenfahrten und Unfälle

Darf das Rauschmittel legal verkauft werden, könnte das zu einem deutlich ansteigenden Konsum von Cannabisprodukten führen. „Damit dürften sich auch erhebliche Auswirkungen für den Bereich der Verkehrsüberwachung durch die Polizei verbinden. Es kann als Folge mit einer erhöhten Zahl von Fahrten unter Drogeneinfluss und dadurch verursachter Verkehrsunfälle zu rechnen sein“, sagt Peines Polizei-Sprecher Malte Jansen. Bekiffter, als die Polizei erlaubt: 2020 führte Drogenkonsum dazu, dass es in acht Fällen im Kreisgebiet krachte. Deutlich häufiger war Alkohol der Haupt-Grund für einen Unfall: 32 Mal hatten die Fahrer und Fahrerinnen zu viel getrunken.

Cannabis-Verstöße haben sich in Peine mehr als verdoppelt

Polizeisprecher Malte Jansen. Quelle: Polizei

Oberkommissar Jansen betont, dass die Peiner Polizei einer Gesetzesänderung grundsätzlich neutral gegenüberstehe. „Wir stellen uns auf eine geänderte Lage entsprechend ein“, sagt er. Doch das kann eben nicht nur positive Effekte haben. Die Befürworter erwarten zum Beispiel durch die Cannabis-Legalisierung eine deutliche Entlastung für Polizei und Justiz, weil viele Gerichtsverfahren durch die Entkriminalisierung wegfallen würden. Und tatsächlich häuft sich da auch im Kreis Peine einiges an. Unerlaubter Handel, Besitz, Zubereitung, Anbau: Gleich 436 Verstöße allein im Zusammenhang mit Cannabis registrierte Peines Polizei im Jahr 2020. Die Fälle mit dem Rauschmittel haben stark zugenommen, 2015 waren es noch 196.

Deshalb kommt auch die Peiner Polizei zum Schluss: „Im Falle einer Legalisierung für Cannabisprodukte ist als Auswirkung für die Polizeiarbeit davon auszugehen, dass die Anzahl der zu verfolgenden Konsumdelikte von Erwachsenen deutlich sinken wird“, sagt Jansen.

Verstöße mit Cannabis haben deutlich zugenommen

Handel, Besitz, Abgabe, Zubereitung: Die Gesamtzahl der Fälle mit Cannabis-Verstößen im Kreis Peine hat laut Polizeistatistik in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, von 2015 bis 2020 hat sie sich sogar mehr als verdoppelt.

2015: 196 Fälle.

2016: 245 Fälle.

2017: 327 Fälle.

2018: 304 Fälle.

2019: 334 Fälle.

2020: 436 Fälle.

Befürchtung: Mehr Arbeit an anderer Stelle

Doch dafür könnte die Arbeit an anderer Stelle mehr werden. „Eine Freigabe könnte gegebenenfalls zu einer Erweiterung des Konsumentenkreises führen. Daneben könnten Kriminelle durch ein Inverkehrbringen von nicht zertifizierten Cannabisprodukten zu deutlich günstigeren Angebotspreisen auch weiterhin Gewinne erzielen“, erläutert der Oberkommissar.

Cannabis-Freigabe: Das sind die Pros und Contras

Soll die sogenannte weiche Droge Cannabis legalisiert werden? Es gibt Argumente die dafür sprechen und welche, die dagegen sprechen. Das sind die wichtigsten Pros und Contras:

Pro

Die Abgabe von Cannabis kann besser kontrolliert werden: In lizenzierten Geschäften könnten zum Beispiel Aufklärungsgespräche verpflichtend sein.

Besserer Schutz vor giftigen und verunreinigten Produkten: In lizenzierten Geschäften würde kontrollierte Qualität verkauft.

Entlastung für Polizei und Justiz. weniger Gerichtsverfahren.

Einnahmen für die Staatskasse: Die Bundesregierung könnte Steuern erheben.

Legale Arbeitsplätze entstehen, das könnte die Wirtschaft ankurbeln.

Contra

Gesundheitsbedenken: Cannabis steht zum Beispiel in Verdacht, Psychosen zu verstärken oder Symptome einer Depression zu verschlimmern. Der Rauch schädigt auch die Lunge.

Suchtgefahr: Sie besteht auch bei dieser weichen Droge. Es kann zu körperlichen Entzugserscheinungen kommen, vor allem die psychischen und sozialen Folgen können bei einer Sucht schwerwiegend sein.

Mehr Konsumenten: Bei einer Entkriminalisierung könnten sich mehr Menschen dazu entscheiden, Joints zu rauchen, dann würde auch die Zahl der Abhängigen steigen. Die Polizei hält das für eine große Gefahrenquelle im Straßenverkehr.

Solche Phänomene stelle die Polizei aktuell beispielsweise beim Angebot von nicht verzollten Zigaretten und Shisha-Tabak, aber auch bei rezeptpflichtigen Medikamenten bereits fest. Zudem erwartet die Polizei, dass vermutlich neue Kriminalitätsformen entstehen werden, wenn künftig wie auch vom Bundesjustizminister angedacht, nur Geschäfte Cannabis an Erwachsene verkaufen dürfen, deren Verkäufer eine Sachkunde vorweisen können. „Zu erwarten sind beispielsweise Fälschungen von Zertifikaten oder die Abgabe von illegal angebauten Cannabisprodukten“, erläutert Peines Polizei-Sprecher Malte Jansen. „Insoweit bleibt abzuwarten, ob sich die durch eine Legalisierung von Cannabisprodukten der erhoffte geringere Aufwand für Polizei und Justiz tatsächlich ergeben.“

Deutliche Worte von der Polizei-Gewerkschaft

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnt dagegen sogar eindringlich vor einer Freigabe von Cannabis. Eine Legalisierung dieser Droge würde den Schwarzmarkthandel nicht beseitigen, sagt der GdP-Bundesvorsitzende Oliver Malchow. „Es muss endlich Schluss damit sein, den Joint schön zu reden“, betont er.

Eine Freigabe sogenannter weicher Drogen sei das absolut falsche Signal. „Gerade bei Jugendlichen kann der Konsum von Cannabis zu erheblichen Gesundheitsproblemen und sozialen Konflikten führen, weil heute häufiger deutlich höhere Wirkstoffgehalte vorliegen“, so Malchow.

Von Christian Meyer