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Stadt Peine Unterwegs in Peine: Atilla, wie ist es an den Feiertagen als Busfahrer zu arbeiten?
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Busfahren in Peine: Unterwegs mit einem Busfahrer an den Feiertagen

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Als Busfahrer arbeitet Atilla Sarray auch an den Feiertagen. Er fährt die „neue“ Linie 512 von Peine nach Wendeburg.
Als Busfahrer arbeitet Atilla Sarray auch an den Feiertagen. Er fährt die „neue“ Linie 512 von Peine nach Wendeburg. Quelle: Ralf Büchler
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Peine

Atilla lächelt, wenn er hinter dem Steuer des Linienbusses 512 sitzt. Die Wintersonne scheint durch die große Frontscheibe in sein Gesicht. „Busfahren“, sagt er, „macht mir einfach Spaß.“ Auch dann, wenn alle anderen an den Feiertagen frei haben und bei ihren Familien sind? Ja! Um den Dienst an Weihnachten hat er seinen Chef sogar gebeten. Warum? „Wegen des Feiertagszuschlags“, sagt der Peiner. Und: „Die Straßen sind so schön leer.“ Der Bus auch. „Schlafen wohl noch alle, weil sie gefeiert haben“, meint Atilla, lacht und fährt los.

Der Linienbus startet am Peiner Bahnhof, fährt weiter durch das Gewerbegebiet in Richtung Woltorf. Atilla genießt die Aussicht. Auf den Feldern glitzert der Raureif. „Ich mag meinen Job. Schon als Schüler fand ich die großen Busse super. Irgendwie wollte ich schon immer Busfahrer werden.“ An Weihnachten arbeiten – kein Thema für Atilla. Der Busfahrer feiert aus religiösen Gründen ohnehin nicht, er hat türkische Wurzeln. Seine Familie trifft sich über die Feiertage, „aber nicht extra wegen Weihnachten“. Alle sitzen dann beisammen, lachen, essen gemeinsam und unterhalten sich. Atilla geht dann früher nach Hause. „Ich muss ja früh aufstehen, wenn ich arbeite. Dafür haben aber alle Verständnis.“

Hinter dem Steuer muss er fit sein: „Ich muss mich sehr konzentrieren“, sagt er. Bevor er an diesem Tag Fahrgäste transportierte, macht er den „Straßen-Check“. Das macht er bei Wintereinbruch immer. „Ich teste, ob die Straßen glatt sind. Das sah heute aber nur rutschig aus, war es aber nicht.“ Wird es glatt draußen, fährt er langsamer, „dann habe ich auch mal Verspätung, das kann ich nicht ändern. Ist aber besser als einen Unfall zu bauen.“

Die Linie 512 ist seit November im Einsatz. Atilla fährt am zweiten Weihnachtsfeiertag drei Touren. Quelle: Ralf Büchler

Am zweiten Weihnachtsfeiertag gibt es keinen Berufsverkehr. An den Bushaltestellen wartet kein Fahrgast. Seinen Zeitplan kann der 35-Jährige locker einhalten. „An den Weihnachtsfeiertagen ist meistens nicht viel los, aber ein paar Menschen fahren schon mit.“ Gearbeitet habe er an den Feiertagen schon häufiger. „Die Stimmung ist dann schon ein bisschen anders. Die Fahrgäste sind sehr freundlich“, berichtet er. Aber auch sonst begegnen ihm die Fahrgäste meist höflich. Brenzlige Situationen mit Fahrgästen hatte er bislang nicht. „Alles gut gegangen“, sagt Atilla und klopft dreimal auf seinen Ticketautomaten. Aber klar, ab und zu, müsse er auch mit Fahrgästen diskutieren: Dass sie sie einen Platz einnehmen oder eben die Maske richtig aufsetzen.

Feiertage: So sind die Busfahrer im Einsatz

An Heiligabend und an den Feiertagen sind 14 Fahrerinnen und Fahrer in Stadt und Kreis Peine im Einsatz, an den Feiertagen sind es sechs. Die Linien 517 und 521 werden verkürzt, alle anderen PVG-Linien fahren ohne Einschränkungen. Die Schicht eines Busfahrers dauert im Durchschnitt an den Feiertagen sechs Stunden.

Atilla fährt entlang des Kanals auf der L 321, weiter geht es über die Brücke rechts ab nach Woltorf. Kein Mensch ist auf den Straßen unterwegs. Alles ist still. Atilla biegt in die Beuthenerstraße ein. Ein Autofahrer muss kurz warten. Er hupt. „Ach komm“, sagt Atilla – und nimmt es gelassen. Mit seinem Bus rangieren, das könne er eben nicht. Und manchmal wird es eben eng für ihn. Vor allem in Sophiental in der Holzmark. „Aber die meisten Autofahrer sind sehr nett, lassen mich durch oder fahren sogar ein Stück rückwärts.“ An diesem Tag ist das Nadelöhr aber kein Problem – kein Verkehr, eben Feiertag.

Die Fahrt dauert eine halbe Stunde bis zur Endstation am Auezentrum. Fahrgäste sind nicht eingestiegen. Atilla wird die Tour noch ein weiteres Mal an diesem Tag fahren, einmal hat er die Runde schon gedreht. Dann übernimmt ein anderer Kollege. Attila hat dann für den Rest des Tages frei. Doch Busfahren an Feiertagen – das macht er auch im nächsten Jahr vielleicht schon wieder.

Von Nina Schacht