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Stadt Peine Das halten die Peiner Händler von der Bonpflicht
Stadt Peine Das halten die Peiner Händler von der Bonpflicht
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15:37 30.12.2019
Symbolbild: Ab 2020 sind Geschäfte dazu verpflichtet, ihren Kunden Kassenbons auszudrucken. Damit soll verhindert werden, dass Geld am Fiskus vorbeigeschleust wird. Quelle: dpa
Peine

„Ein Brötchen, bitte“ – „Gerne, und hier ist auch Ihr Bon!“ Solche Dialoge darf man in Zukunft häufiger beim Bäcker erwarten, denn diese müssen – wie alle anderen Händler auch – aufgrund des neuen Kassengesetzes nun eine Quittung ausgeben. Ob sinnvoll oder nicht, darüber gehen in Peine die Meinungen weit auseinander.

Bis zu 40 Prozent der Kunden wollen gar keinen Beleg

Am 1. Januar 2020 tritt die Kassensicherungsverordnung in Kraft. Sie verpflichtet Händler und Gastronomen, dem Kunden für jeden Kauf einen Kassenbeleg zu übergeben. Das soll Umsatzsteuerbetrug verhindern. Für Bäcker und Cafés bedeutet dies vor allem mehr Papiermüll und höhere Kosten, denn nicht jeder Kunde nimmt seinen Kassenzettel mit, weiß Artur Schukat, der die freie Tankstelle in Klein Ilsede betreibt. „Es gibt ja jetzt schon bei Bezahlung mit EC- oder Kreditkarte einen zwangsgedruckten Beleg, den bei mir 30 bis 40 Prozent der Kunden gar nicht mitnehmen“, berichtet er.

Es sei ja in Deutschland nicht so wie in Italien, wo der Kunde verpflichtet ist, den Beleg mitzunehmen. Der Tankstellenbetreiber befürchtet, auf den Entsorgungskosten sitzen zu bleiben. Zudem rechnet Schukat fest damit, dass auch die Papierhersteller ihre Preise demnächst erhöhen werden. „Der Einzelhandel muss den Bon drucken, also müssen alle dieses Thermopapier kaufen. Sicher ist da ein Geschäft für die Papierhersteller zu machen“, sagt er. Vielmehr aber ärgere ihn, dass Ausnahmen von Seiten des Finanzamtes gemacht werden.

Bonpflicht sei nicht der Königsweg

Die Verordnung betrifft nämlich nur Händler mit elektronischer Kasse. „Wer also eine Zigarrenkiste als Kasse hat, wie beispielsweise Markthändler, der muss keine Belege ausgeben“, kritisiert Schukat. „Da ist die Befürchtung, es geht etwas am Fiskus vorbei, dann nicht mehr so groß?“, fragt er und erklärt, dass auch in Zukunft dass, was nicht in die Kasse gebucht wird, auch nirgendwo erscheint. Die neue Bonpflicht sei damit nicht der Königsweg, um Steuerhinterziehung zu erschweren.

Jeder bekommt auf Wunsch seinen Bon

Genervt von der neuen Bonpflicht zeigt sich auch Andreas Höver, Geschäftsführer der Peiner Bäckerei Seidel. „Es gibt sicherlich weitaus wichtigere Probleme in unserem Land zu diskutieren, als eine Bonpflicht. Aber sie ist wieder ein zusätzlicher Zeit- und Kostenfaktor, der nervt“, findet er deutliche Worte. Alle Seidel-Fachgeschäfte seien mit einem Warenwirtschaftssystem und dazugehörigen Kassen nebst Bondruckern vernetzt. „Und jeder bekommt auf Wunsch seinen Bon. Wenn dies jetzt zur Pflicht wird, müsste man ihn auch jedem mitgeben – aber wer will das schon?“, fragt Höver.

„Die, die man erwischen will, erreicht man nicht“

Gildemeister Carsten Senge befürwortet grundsätzlich eine elektronische Kasse. Befürchtet allerdings, dass man „diejenigen, die man damit erwischen will, sowieso nicht erreicht. Alle anderen mit der Bonpflicht allerdings bestraft.“

Für diese Händler gilt die neue Kassensicherungsverordnung

Ab dem 1. Januar 2020 müssen Einzelhändler an ihre Kunden einen Beleg über die gekaufte Ware ausgeben – sofern sie ein elektronisches Kassensystem besitzen. Die neue sogenannte „Kassensicherungsverordnung“ - kurz: Kassengesetz – basiert auf einem bereits im Jahre 2016 verabschiedeten Gesetz. Es soll sicherstellen, dass verkaufte Waren lückenlos erfasst und somit Geschäftsaktionen transparent werden, um so die Steuerhinterziehung zu erschweren. Bei einem Verstoß droht ein Bußgeld von bis zu 25 000 Euro.

Händler, die nicht über ein solches Kassensystem verfügen, sondern eine sogenannte „offene Ladenkasse“ besitzen, profitieren von einer Ausnahmeregelung, informiert das Finanzamt. Für diese Gruppe, darunter fallen beispielsweise Händler auf dem Wochenmarkt oder Kioske, bestehe „keine Belegausgabeverpflichtung“. Wie bisher gehandhabt notieren die Händler schriftlich ihre Einnahmen.

Die neue Bonpflicht hat bereits für viel Kritik von Verbänden und Organisationen gesorgt. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks sprach schon im November von „völlig überflüssigen Müllbergen“ durch die Kassenzettel. Da viele Bons eine spezielle Beschichtung besitzen, können sie auch nicht als Altpapier entsorgt werden. Davor warnt auch das Umweltbundesamt auf seiner Webseite. Der Grund: Die Bons sind meist auf Thermopapier gedruckt, das mit der schädlichen Chemikalie Bisphenol A beschichtet ist. „Bisphenol A kann sich auf die Fortpflanzungsfähigkeit auswirken“, schreibt das Bundesamt.

Von Kathrin Bolte

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