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Stadt Peine Ambulante Sprechstunde für Puppen und Bären
Stadt Peine Ambulante Sprechstunde für Puppen und Bären
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17:37 27.07.2019
Puppendoktorin Ute Geier verarztet kleine und große Patienten. Quelle: Mara-Ann Meeuw
Peine

Ein wackelnder Kopf, ausgekugelte Beine, fehlende Äuglein – und die Stimme hat versagt. Diese Notfälle sind für Puppendoktorin Ute Geier aus Lisberg bei Bamberg keine Seltenheit. Verletzten Puppen und Bären leistet sie gekonnt „Erste Hilfe“ – am Freitag etwa im E-Center in Peine.

In ihrer ambulanten Sprechstunde „operiert“ sie auch am Samstag noch mit Zange, Pinzette und viel Gummiband als Operationswerkzeug die verletzten und kaputten Bären und Puppen ihrer Kunden. Anfang vergangenen Jahres übernahm sie die „ärztlichen Aufgaben“ von ihrem Mann Günter Geier, der nach 56 Jahren als leidenschaftlicher Puppendoktor jetzt nur noch gelegentlich assistiert.

„Wir haben die Aufgaben getauscht“, sagt Ute Geier mit einem Schmunzeln, „er ist jetzt im Ruhestand und assistiert mir nur noch bei öffentlichen Sprechstunden wie hier. Früher war ich die Assistenzärztin. Ich habe alles von ihm gelernt und jetzt von ihm übernommen.“

Puppenkliniken sind sehr selten

Die ganz heiklen Sachen reicht sie gerne noch an ihren Mann weiter, wie die Puppe, deren Bein so fest in ihrem Körper verankert ist, dass man viel körperliche Kraft ausüben muss, um es zu befreien. „Das ist ein Risikofall“, betont Geier, „da kann auch etwas bei kaputt gehen.“ Mit etwas Mühe klappt es aber doch – und im Nu ist auch dieser Patient wieder geheilt.

Manche Puppen brauchen intensive Arbeit, dann nimmt Geier sie mit in ihre Puppenklinik. Sie arbeitet nur mit Originalteilen, die sie meist von Flohmärkten oder aus dem Internet bekommt, manchmal aber auch bei Auflösungen von Puppenkliniken, von denen es nur noch sehr wenige gibt.

Eine aussterbende Kunst

Ute Geier ist mit viel Fingerspitzengefühl und Leidenschaft bei der Sache. „Es ist eine aussterbende Kunst, aber ich habe große Freude daran“, erzählt sie und knotet konzentriert die Gummibänder des kleinen Püppchens auf ihrem Tisch fest. Diese Fälle sieht sie öfter, besonders bei alten Puppen. „Irgendwann leiern die Bänder sich aus. Dann hilft nur noch eine Erneuerung.“

Von Steiffbären über Schildkrötpuppen, von kaputten Ärmchen zu fehlenden Äuglein. Ute Geier ist mit Leidenschaft Puppendoktorin und „verarztet“ kleine und große Patienten.

Das ist auch der Fall bei Inge, der Schildkrötpuppe einer Kundin. „Sie ist aus den 90ern“, erzählt die Dame, „aber ihre Gliedmaßen hängen schon durch.“ Ein beherzter Schnitt mit der Schere und die alten Gummibänder sind durchtrennt und Inge liegt nun in ihre fünf Hauptbestandteile aufgelöst auf dem Tisch. Ein paar gekonnte Handgriffe später ist Inge wieder wie neu und sitzt in ihren selbst gehäkelten Sachen auf dem Arbeitstisch.

Puppen haben sentimentalen Wert

Geier weiß, dass vor allem älteren Leuten viel an ihren Puppen liegt, sind sie doch oftmals mit vielen schönen Kindheitserinnerungen verbunden. Genauso wie der nächste kleine Patient von Geier. Der kleine Bär mit handgemachter Kleidung ist gute 50 Jahre alt und noch mit Stroh gefüllt. Ein paar der handgesteckten Haare seines Felles fehlen schon. „Der Bär ist so alt wie ich“, erzählt die Besitzerin fröhlich, „er wurde wirklich sehr geliebt, aber jetzt ist er im Ruhestand.“ Eine „große Operation“ steht dem Bären zum Glück nicht bevor. Seine Äuglein fehlen, doch Geier ist vorbereitet.

Manche Puppen kann man nicht reparieren

Mit mehr als 4000 Ersatzteilen von Augen über Arme bis hin zu Perücken hat sie alles dabei, und so sind schnell zwei alte Augen gefunden, die dem Bären wieder den Durchblick verschaffen. Doch auch die Expertin gerät manchmal an ihre Grenzen. Ein kleines Mädchen bringt ihre BabyBorn-Puppe mit ausgeleiertem Arm vorbei. „Da ist leider nichts zu machen. Die haben ihre Werke nach Fernost verfrachtet. Dafür bekommt man keine Ersatzteile“, ärgert sich Geier.

Übrigens: Wer noch Bären oder Puppen hat, die dringend „ärztliche Hilfe“ benötigen, der kann am Samstag noch zwischen 9 und 18 Uhr in das E-Center in Peine in die Sprechstunde von Ute Geier kommen.

Von Mara-Ann Meeuw

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