Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Stadt Peine 19 Schulgebäude im Kreis Peine – aber nur fünfmal WLAN
Stadt Peine 19 Schulgebäude im Kreis Peine – aber nur fünfmal WLAN
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:16 22.01.2020
Symbolbild: Schüler einer 7. Klasse lernen mit Tablets im Mathe-Unterricht. Ein halbes Jahr nach Inkrafttreten des Digitalpakts haben Schulen in Niedersachsen erst wenig Geld für ihre IT-Ausstattung erhalten. Quelle: dpa
Kreis Peine

Hohe Summen aus dem Digitalpakt stehen bereit, um eine dringend benötigte IT-Infrastruktur in Schulen herzustellen. Allein im Landkreis Peine kommen die öffentlichen Schulen auf einen Förderbetrag von etwa 5,6 Millionen Euro, doch bisher wurde noch kein Geld investiert.

„Über den Digitalpakt kursieren diverse Gerüchte“, sagt Jan-Peter Braun, Schulleiter der Integrierten Gesamtschule (IGS) Lengede. „Die Mittel des Digitalpaktes erhalten die Schulen nicht direkt, sondern die Schulträger.“ Der Landkreis Peine ist Träger von 23 Schulen in 19 Gebäuden. Die Schulen melden dem Träger ihren Bedarf und dieser bündelt dann die Meldungen in Förderanträgen und reicht diese beim Land ein. Die Auszahlung der Gelder haben Bund und Länder jedoch an Bedingungen geknüpft.

Probleme der Digitalisierung

So müssen die Schulen ein pädagogisch-technisches Anforderungsprofil erstellt haben, welches Hinweise zur Ausstattungsplanung, zum pädagogischen Einsatz, zum Erwerb von Medienkompetenz und zur Fortbildung der Lehrkräfte enthält. Zudem müssen die Schulen ein pädagogisches Medienkonzept vorstellen, in dem deutlich gemacht wird, wie die digitalen Medien in das schuleigene Lehrsystem passen. Die Curricula müssen dementsprechend angepasst werden.

Mehr zum Thema: Digitales Lernen: Das wünschen sich die Schulleiter im Landkreis Peine

„Die Probleme mit der Digitalisierung sind unfassbar groß. Erst einmal müssen die Schulen mit Breitband ausgestattet werden“, betont Roland Mainka, Mitglied des Kreiselternrates, und spricht damit eines der Hauptprobleme der Digitalisierung an Schulen an. Bevor Schulen überhaupt sogenannte mobile Endgeräte wie Tablets oder Notebooks durch Fördergeld kaufen können, muss ein qualitativ hochwertiges Netzwerk und fläckendeckendes WLAN vorhanden sein.

Gelder müssen genutzt werden

Der Groß Ilseder IT-Experte Wolfgang Christmann hat gemeinsam mit dem Land Niedersachsen die Standards und technischen Anforderungen an Netzwerke und WLAN in Schulen mitentwickelt und ist im gesamten Bundesgebiet unterwegs, um Schulen digital aufzubereiten. „Der Digitalpakt ist in erster Linie ein IT-Infrastruktur-Förderprogramm. Und es ist gar nicht so schwer, Schulen mit gutem WLAN auszustatten“, so Christmann. In seiner Firma stelle man jedoch fest, dass viele Schulträger sich schwer damit tun, das Geld des Digitalpakts zu nutzen.

Das ist Cloud-Computing

Cloud-Computing, auf Deutsch Datenwolke, ist eine informationstechnologische Infrastruktur, die über das Internet verfügbar gemacht wird. Alles, was dafür benötigt wird, ist ein internetfähiges Endgerät, ein Internetzugang und ein Webbrowser. Der Nutzer greift über das Internet auf Dienstleistungen eines Anbieters zu. Meist beinhaltet dies Speicherplatz, die Möglichkeit zum Dokumentenaustausch und unterschiedliche Anwendungen. Eine Cloud an Schulen macht eine plattformübergreifende Zusammenarbeit möglich, vernetzt Schüler, Lehrer, Eltern sowie Verwaltung und stellt digitale Unterrichtseinheiten sowie Lehr- und Lernmedien zu Verfügung.

„Es ist keine Alternative, als Übergangslösung ein kostengünstiges System einzubauen, wenn es im Nachhinein viel Ärger und Probleme damit gibt“, sagt Christmann. Es sei sinnvoller, gleich qualitativ gute WLAN-Access-Points (APs), also Internet-Zugangspunkte, und höhere Standards zu nutzen. „In der Gesellschaft besteht die Meinung, es seien ja nur Schulen, deswegen brauche man nicht viel Geld in das Internet zu investieren. Das ist ein Denkfehler, denn die Datendichte in Schulen ist mit die Höchste, die es gibt.“

Eine Schule kann innerhalb weniger Wochen voll vernetzt sein

In der IGS Lengede beispielsweise seien bis zu 800 Geräte gleichzeitig mit dem Internet verbunden. Der Experte betont: „Jede Klassengemeinschaft nutzt das System im Unterricht anders, und trotzdem muss das WLAN leistungsfähig bleiben, damit effizient gelernt werden kann.“

Von den 19 Schulgebäuden in Peine sind laut Landkreissprecher Fabian Laaß nur fünf mit WLAN ausgestattet, in den anderen seien Teilbereiche abgedeckt. Ein sicheres, leistungsfähiges WLAN sei laut Christmann jedoch schnell umsetzbar und weniger kompliziert, als von vielen gedacht: „Generell gilt, dass man für drei Räume zwei APs braucht. Wenn die Wände mit viel Stahl versehen sind vielleicht auch mehr.“ Eine Schule könne innerhalb weniger Wochen voll vernetzt sein. Mehr Aufwand entstehe nur, wenn vorab größere bauliche Maßnahmen notwendig seien, etwa um Kabel zu verlegen.

Keine Lösung die für alle passt

„Ein gutes System hat in jedem AP eine Firewall, sodass unerwünschter Internetverkehr nicht möglich ist. So sind die Tablets und Notebooks vor Viren und anderen Gefahren geschützt. Gute Systeme machen fast keinen Aufwand nach der Installation“, betont Digitalisierungs-Experte Christmann. Das läge vor allem an intelligenter Software, die Probleme selbst lösen könne. Würde beispielsweise ein AP ausfallen, kompensierten umliegende APs den Verlust. „Solche Systeme kosten zwischen 400 und 600 Euro pro AP. Es gibt weitaus günstigere Varianten – mit weitaus größeren Problemen nach der Installation, weil die Verwaltung viel aufwendiger ist.“

Verteilung des Digitalpaktgeldes im Landkreis Peine

Der Sockelbetrag ist 30 000 Euro, außer Förderschule Ilsede (16 000 Euro) und Förderschule Janusz-Korczak (21 500 Euro).

Gesamtbetrag:1. Bodenstedt-Wilhelmschule Peine 172 991 Euro2. Grund- und Hauptschule Groß Ilsede 172 546 Euro3. Mühlenbergschule 64 300 Euro4. Hauptschule Hohenhameln 79 00 Euro5. Albert-Schweitzer-Hauptschule 82 118 Euro6. Oberschule Aueschule Wendeburg 149 827 Euro7. Mühlenberg-Realschule Edemissen 91 918 Euro8. Realschule Hohenhameln 143 146 Euro9. Realschule Groß Ilsede 221 546 Euro10. Gunzelin-Realschule 243 373 Euro11. Realschule Vechelde 212 191 Euro12. Julius-Spiegelberg-Gymnasium 417 991 Euro13. Gymnasium Groß Ilsede 425 119 Euro14. Ratsgymnasium Peine 427 791 Euro15. Gymnasium am Silberkamp 512 873 Euro16. Berufsbildende Schulen Peine 668 159 Euro17. IGS Lengede 475 900 Euro18. IGS Edemissen 133 791 Euro19. IGS Peine 581 919 Euro20. Förderschule Ilsede 30 255 Euro21. Förderschule Astrid Lindgren 123 991 Euro22. Förderschule Janusz-Korczak 40 655 Euro23. Förderschule Pestalozzi 79 000 Euro

Insgesamt für den Landkreis Peine: Sockelbetrag (667 500 Euro) plus Kopfbetrag (etwa 4,9 Millionen Euro) ergibt ungefähr 5,6 Millionen Euro.

Jede Schule habe laut Kreiselternratsmitglied Mainka allerdings andere Vorgaben und andere Spezialisierungen, ein Patentrezept gebe es also nicht. „Das WLAN muss ausgerollt werden wie eine Straße. Wie dann die Autos gebaut werden, die darauf fahren, ist egal“, betont Christmann und spricht damit einen weiteren Diskussionspunkt an.

Die Schule entscheidet

Schulen müssen sich bei der Antragstellung auch entscheiden, welche Geräte im Unterricht genutzt werden sollen. In der IGS Lengede werden in fast allen Jahrgängen täglich schülereigene Tablets oder Notebooks im Unterricht eingesetzt. „Da ausschließlich Cloud-basiert gearbeitet wird, ist es nicht von Bedeutung, ob die Schüler Android-Tablets, Apple iPads, Chromebooks oder Windows-, Apple- oder Linux-Notebooks besitzen“, betont Kerstin Jasper, didaktische Leiterin an der IGS Lengede. Jeder Schule ist jedoch freigestellt, sich auf ein Betriebssystem zu fokussieren, schülereigene Tablets zu fordern oder schuleigene Geräte anzuschaffen, die von Schülern geteilt werden.

Tablet oder lieber Notebook?

Neben der Versorgung mit flächendeckendem WLAN ist auch die Anschaffung von Anzeige- und Interaktionsgeräten förderfähig. Dazu gehören interaktive Tafeln und Displays. Auch digitale Arbeitsgeräte wie elektronische Mikroskope, VR-Brillen oder 3D-Drucker können beantragt werden, wenn sie für die technisch-naturwissenschaftliche Bildung oder die berufsbezogene Ausbildung notwendig sind.

Schulen, die bereits über die geforderte Infrastruktur, also WLAN und die digitale Vernetzung in Schulgebäuden und auf dem Schulgelände verfügen, können auch mobile Geräte wie Tablets, Laptops und Notebooks inklusive Lade- und Aufbewahrungszubehör beantragen – wenn dafür eingeteilte Gesamtkosten von 25.000 Euro je Schule für diese Geräte nicht überschritten werden.

Die Verteilung des Geldes

Schulen ab einer Größe von 60 Schülern erhalten einen Sockelbetrag von 30 000 Euro. Dazu kommen rund 445 Euro pro Schüler an öffentlichen Schulen. „Der IGS Lengede wurden 475 900 Euro zugewiesen, das bedeutet jedoch nicht, dass die gesamte Summe auch in der IGS investiert wird“, betont Schulleiter Braun. Da andere Schulen eventuell einen höheren Investitionsbedarf haben, könne ein Teil der IGS-Mittel auch für andere Schulen genutzt werden. Kreissprecher Laaß bestätigt: „Über die Verwendung des über den Sockelbetrag hinausgehenden Betrages liegt die Entscheidung beim Schulträger, dem Landkreis Peine.“ Hierzu sei noch keine endgültige Entscheidung getroffen worden.

Zeit für die Planung

Über die Digitalisierung an Schulen sagt Landrat Franz Einhaus (SPD): „Das Thema genießt eine hohe Priorität bei uns. Zunächst gilt es, in Absprache mit der Politik die erforderliche Infrastruktur zu schaffen.“ Wesentliche Elemente seien der Ausbau und die Errichtung von Netzwerkverkabelung und WLAN in den Schulen, die Ausstattung der Unterrichtsräume mit Präsentationsmedien, wie interaktiven Displays und Bildschirmen, sowie die Aus- und Weiterbildung für Lehrkräfte.

Der Landkreis wolle in Kürze einige Anträge auf den Weg bringen. Die Anfragen aus den Schulen fokussierten sich derzeit im Bereich der Anschaffung von Präsentationsmedien. Kreissprecher Laaß betont jedoch: „Aufgrund des Förderzeitraums bis 2023 ist es nicht notwendig, überstürzt zu handeln.“ Der Digitalpakt sei auch Grund für die Sondersitzung des Ausschusses für Bildung, Kultur und Sport am Donnerstag, 23. Januar, bei der auch die Verwendung der Digitalpaktmittel auf der Tagesordnung steht.

Deutschland steht am Anfang der Digitalisierung

„Viele Länder sind uns bei der Nutzung digitaler Medien in der Lehre und in der Vermittlung von digitalen Kompetenzen deutlich voraus“, betont Braun von der IGS Lengede. Er lege viel Wert auf die Vernetzung der Schulen untereinander, um von innovativen Schulen zu lernen und von den Erfahrungen anderer profitieren zu können.

IT-Experte Christmann sagt abschließend: „Die Digitalisierung ist ein Thema, was weit über die Schulen hinaus reicht.“ Es gehe um eine bessere Vorbereitung auf das Berufsleben und Zukunftskompetenzen. „Wir stehen in Deutschland erst am Anfang. Jetzt geht es darum, einen effizienten, sinnvollen und guten Umgang mit der Digitalisierung zu erlernen.“

Von Mara-Ann Meeuw

Smartboards, WLAN oder eine bessere Software – die Forderungen der Schulen im Landkreis Peine sind so unterschiedlich wie die deutsche Schullandschaft selbst. Drei Peiner Schulleiter haben sich gegenüber der PAZ geäußert.

22.01.2020

Ein Rückblick auf die Geschichte und Ehrungen für langjährige Mitgliedschaft standen auf dem Programm der Jubiläumsfeier des Awo-Ortsvereins Schmedenstedt. Doch der Verein hat einen Wunsch.

22.01.2020

Die Personalie kommt mitten in der heißen Phase des Verkaufsverfahrens: Der Geschäftsführer des Peiner Klinikums, Hans-Werner Kuska, geht.

22.01.2020