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Sport Überregional Ruderverband hält an Drygalla fest
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09:19 19.09.2012
Von Patrick Hoffmann
Foto: Der deutsche Frauen-Achter mit Ruderin Nadja Drygalla (M) in Aktion am 31.07.2012 bei den Ruder-Wettbewerben bei den Olympischen Spielen 2012 in London.
Der deutsche Frauen-Achter mit Ruderin Nadja Drygalla (M) in Aktion am 31.07.2012 bei den Ruder-Wettbewerben bei den Olympischen Spielen 2012 in London. Quelle: dpa
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Hannover

Beim Deutschen Ruderverband (DRV) besitzen sie kein glückliches Händchen dafür, Informationen zur richtigen Zeit an die richtigen Personen zu leiten. Der Fall der Ruderin Nadja Drygalla war ja schon während der Olympischen Spiele in London ein einziges PR-Desaster für den Verband und deshalb auch für die junge Sportlerin gewesen. Drygalla, die von ihrem Verband eigentlich hätte geschützt werden müssen, sah sich plötzlich ganz alleine den Medien ausgesetzt. Eine deutsche Olympiateilnehmerin, die Verbindungen zur rechten Szene hat? In einer Phase, in der das Land über NSU-Morde rätselte, war das natürlich eine willkommene Schlagzeile.

Am Dienstag nun begann der Ruderverband gemeinsam mit Drygalla an der Aufbereitung dieser wirren Tage von London. Und wieder hatten es die Funktionäre verpasst, das Thema mit der notwendigen Sorgfalt zu behandeln. Bereits in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass für den gestrigen Dienstagnachmittag ein Treffen in Hannover vereinbart worden war. Der Verbandsvorsitzende Siegfried Kaidel hatte dies der Nachrichtenagentur dpa mitgeteilt, kurz darauf wusste es jede Redaktion in Deutschland. Wieder also war Drygalla ohne Grund den Journalisten ausgesetzt, nur warteten die Fotografen dieses Mal nicht auf die vorzeitig abreisende, sondern auf die planmäßig anreisende Drygalla.

Wenn die 23-jährige Rostockerin dennoch etwas Positives mit aus ihrem Besuch in der niedersächsischen Landeshaupt nehmen möchte, dann die Tatsache, dass der DRV nun auch hochoffiziell an seiner Ruderin festhalten will. „In freundschaftlicher, konstruktiver Atmosphäre“, heißt es in einer kurzen Pressemitteilung vom Abend, „hat Siegfried Kaidel bekräftigt, dass der Verband voll hinter seiner Athletin steht.“ Drygalla bleibt damit Mitglied der Nationalmannschaft. Aber was auch sonst hätte der Verband entscheiden sollen? Drygalla hat sich ja nach heutigem Stand nie etwas zuschulden kommen lassen. Sie hat sich immer von den politischen Ansichten ihres Lebensgefährten, dem früheren NPD-Landtagskandidaten Michael Fischer, distanziert. Mal davon abgesehen, dass es ohnehin ihre Privatsache ist. Viel interessanter ist ohnehin die Frage, warum der DRV von der Beziehung bis zu den Olympischen Spielen nichts gewusst haben will, obwohl Drygalla bereits 2011 nach Bekanntwerden ihrer Beziehung zu Fischer freiwillig den Polizeidienst quittiert und die Sportfördergruppe der Polizei verlassen hatte. Dazu äußerte sich der Verband am Dienstag nicht.

Die Zukunft Drygallas ist mit dem Treffen in Hannover indes noch längst nicht geklärt. Ihr Antrag auf Aufnahme ins Sportförderprogramm der Bundeswehr lag auf Wunsch des Ruderverbands zwischenzeitlich auf Eis. Das Bundesverteidigungsministerium will nun neu entscheiden.