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Sport Überregional Indians-Trainer Streu unter Druck
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13:07 05.10.2009
Von Björn Franz
Indians-Trainer Craig Streu
Indians-Trainer Craig Streu Quelle: Florian Petrow
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Die letzten fünf Spielminuten tat sich Dirk Wroblewski am Freitagabend nicht mehr an. Der Geschäftsführer des Eishockey-Zweitligisten EC Hannover Indians hatte genug von der Partie seiner Mannschaft gegen den REV Bremerhaven gesehen, die zu diesem Zeitpunkt bereits entschieden war. Mit 0:4 verloren die Indians vor 3748 maßlos enttäuschten Zuschauern nach einer desolaten Leistung. Als Folge kündigte Wroblewski für Montag ein Gespräch mit Trainer Craig Streu an. Und vieles spricht spätestens nach der 0:7-Packung am Sonntag in München und dem Sturz ans Tabellenende dafür, dass es für Streu die letzte Amtshandlung wird.

Wie kopf- und emotionslos der Auftritt der Hannoveraner bereits am Freitag gegen den Tabellennachbarn war, konnte man am besten an den Reaktionen auf der Tribüne bemessen. Während die etwa 800 mitgereisten Fans aus Bremerhaven ihre Mannschaft ausgelassen feierten, herrschte in der eigentlich so stimmgewaltigen Nordkurve eisige Stille. Und bei Wroblewski hielt dieser Schockzustand sogar noch am Tag nach dem Spiel an. „Das muss ich erst einmal sacken lassen – gegenüber den Zuschauern war diese Leistung nicht zu rechtfertigen“, sagte der Geschäftsführer. „Das sind nicht die Indians – so etwas möchte ich nicht noch einmal erleben.“

Bereits am Freitag machte er sich auf die Suche nach den Gründen. Und auch wenn Wroblewski dabei von den Spielern „keine Signale für Probleme mit dem Trainer“ ausgemacht habe, steht Streu im Fokus. Am Freitag machte der 41-Jährige erneut eine unglückliche Figur, als er mit Torhüter Benjamin Voigt nach dem Treffer zum 0:4 den besten Indians-Spieler zugunsten von Marek Mastic austauschte – was die Fans mit einem Pfeifkonzert quittierten – und ihn zwei Minuten später wieder zurück auf Eis schickte. Was von zahlreichen Beobachtern als Zeichen der Schwäche interpretiert wurde, erklärte der Coach als taktisches Mittel. „Ich wollte ,Benni‘ aufbauen und ihm sagen, dass er nicht schuld an den Gegentoren war“, sagte Streu, dessen Team am Sonntag im Schlussdrittel völlig in sich zusammenbrach.

Den Hauptgrund für die jüngsten desolaten Auftritte sieht der Trainer in der Torwartposition. „Wenn wir ein Gegentor bekommen, verlieren wir das Vertrauen in die Keeper“, sagte er. Als Grund für die vielen katastrophalen Scheibenverluste dient diese Begründung aber kaum. Zumal Voigt sich am Freitag vor dem ersten Gegentor bereits zweimal alleine Gästestürmern gegenübersah und auch gestern lange stark hielt. Der designierte Stammkeeper Mastic hatte die Reise nach München erst gar nicht mitgemacht. Er bat laut Streu um eine Auszeit und fuhr bis Dienstag zu seiner Familie in die Slowakei.

Der Trainer hatte seine Torhüter bereits mehrfach öffentlich kritisiert – zuletzt am Donnerstag in einem Interview mit der „Nordsee-Zeitung“. Dass er dort zudem behauptete, er sei fast mit der Oberliga-Mannschaft aus dem Vorjahr in die Saison gegangen, dürfte den Verantwortlichen angesichts von neun teilweise hochkarätigen Zugängen nicht gefallen haben.

Wroblewski will am Montag klare Antworten auf die Frage, warum die Mannschaft ihre guten Leistungen aus der Vorbereitung plötzlich nicht mehr abruft. Und zwar vom Trainer und von den Profis. „Die Spieler haben bei uns nicht die schlechtesten Rahmenbedingungen. Da kann man unabhängig vom Ergebnis eine andere Leistung erwarten“, sagt der Geschäftsführer, der sich von der Meinung der Fans, die Spieler hätten gegen den Trainer gespielt, nicht beeinflussen lassen will: „Der Gossenfunk ist mir egal, ich will von den Leuten direkt hören, was los ist – und ich schließe keine Konsequenz aus.“