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Sport Überregional Fabian Hambüchen über die WM in London
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20:17 08.10.2009
Von Carsten Schmidt
Fabian Hambüchen
Fabian Hambüchen Quelle: ddp (Archiv)
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Fabian Hambüchen, was ist das für ein Gefühl, wenn Sie vor Ihrem Wettkampf quasi wie ein Popstar empfangen werden?

Das motiviert für den Wettkampf. Bei der Champions Trophy in Berlin war es ja beim Einmarsch noch etwas verhalten, aber dann ging es gut ab. Ich freue mich auch, dass ich etwas dazu beitragen darf, dass Turnen wieder in den Blickpunkt des Interesses rückt.

Entsteht da nicht auch Druck bei Ihnen, es besonders gut zu machen?

Nein, die Zurufe und das Klatschen spornen mich eher an. Den Druck, besonders gut zu turnen, mache ich mir schon selbst. Aber nicht so stark, dass der Spaß flöten geht. Spaß muss sein im Wettkampf.

Was würden Sie einem Ihrer jungen Fans empfehlen, der in Ihre Fußstapfen treten will?

Ich freue mich über jeden, den es in die Turnhalle zieht, der überhaupt Sport treibt. Aber spezielle Tipps kann ich nicht geben. Die Kinder sollten nur aufpassen, dass bei allem Einsatz im Sport die Schule und die Ausbildung nicht zu kurz kommen.

Ist es in jeder Altersgruppe möglich, mit dem Turnen zu beginnen?

Also, mit dem Geräteturnen sollte man spätestens mit sechs, sieben Jahren anfangen. Sonst ist es zu spät, die ganzen komplexen Bewegungen zu erlernen.

Haben Sie auch in diesem Alter angefangen?

Etwa. Bei mir war das ein fließender Übergang, ich bin schon als Kleinkind von den Eltern in die Turnhallen mitgenommen worden.

Was gibt eigentlich das besondere Gefühl beim Turnen, den Kick?

Am ehesten wohl das Fliegen. Doch, das ist schon ein unbeschreibliches Gefühl, sich vom Reck zu lösen und aus drei, vier Metern Höhe wieder die Stange zu fangen. Dazu brauchen Sie aber nicht nur Mut, sondern auch jede Menge Training … Sicher. No risk, no fun. Mit dem Training ist es in diesem Jahr allerdings schwierig. Der Terminkalender ist rappelvoll mit Wettkämpfen, da kann man kaum Neues ausprobieren. Deshalb werden mein Trainer (Vater Wolfgang Hambüchen, d. Red.) und ich das Programm im nächsten Jahr abspecken.

Trägt zu dieser Ballung auch die Champions Trophy bei?

Natürlich sind das noch einmal vier Termine. Aber bei dieser Wettkampfart kommt es doch mehr auf den Spaß an. Wir acht wollen den Leuten einfach eine gute Schau bieten. Das ist nicht so stressig wie etwa eine Weltmeisterschaft. Apropos Weltmeisterschaft. Sie haben mit 91 Punkten ein sehr starkes Ergebnis als Generalprobe vorgelegt.

Sind Sie fit für eine Mehrkampf-Medaille?

Dafür braucht man mindestens 92 Punkte, und das können zehn Leute schaffen. Sicher möchte ich dazugehören. Aber gerade die Chinesen sind ein großes Fragezeichen in diesem Wettkampf, da weiß man nie, wie gut sie in Form sind. Um auf diesem Niveau zu turnen, müssen sie professionell trainieren.

Bleibt da überhaupt noch die Zeit, an die eigene Berufsausbildung zu denken?

Ich bin seit März an der Fernuniversität Riedlingen eingeschrieben für den Studiengang  Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Sportmanagement. Diese Uni ist sehr kooperativ, was die Vereinbarkeit mit dem Leistungssport betrifft, zum Beispiel bei den Prüfungsterminen. Ich kann auch den Zeitraum bis zum Abschluss strecken, geplant ist vorläufig etwa eine doppelt so lange Studiendauer.

Wie hoch ist Ihr Aufwand?

Das ist unterschiedlich von Tag zu Tag, von Woche zu Woche. Wenn ich im Trainingslager bin, dann habe ich schon zwischendurch Zeit, in die Bücher zu schauen und mich mit dem Lernstoff zu beschäftigen. Und es tut auch mal gut abzuschalten und sich nicht ausschließlich mit dem Turnen zu beschäftigen. Die WM ist der Höhepunkt dieses Jahres, aber eine Woche später schon steht die nächste Champions Trophy an – in Hannover.

Kennen Sie die Stadt und die Wettkampfstätte?

Bisher war ich noch nicht in Hannover. Ich freue mich aber auf die Stadt und auf den Wettkampf und hoffe, dass ich eine möglichst starke Leistung bringen kann. Zwischenruf Wolfgang Hambüchen: Ich habe in Hannover mal bei einem Bundesligawettkampf geturnt. Fabian, Sie kennen aber Hannoveraner aus der Nationalmannschaft ... Ja, Robert Weber, der leider zurzeit verletzt ist. Ich wünsche ihm, dass er schnell wieder fit wird, wir brauchen ihn für die Mannschaft.

Und Andreas Toba?

Der war während unserer Japanreise mit mir auf einem Zimmer. Der Junge ist talentiert, der hat richtig Dampf im Hintern.

Treffen Sie auf Toba eventuell sogar am Tag vor der Champions Trophy im Bundesligawettkampf am 24. Oktober?

Das wäre ja eine Premiere, weil Sie üblicherweise für die KTV Straubenhardt nur bei Heimkämpfen antreten … Ob ich am Sonnabend dabei bin, weiß ich noch nicht. Das hängt auch davon ab, wie die Weltmeisterschaft läuft.

Starkes Aufgebot für London

Natürlich ruhen die größten Medaillenhoffnungen bei der Turn-Weltmeisterschaft in London auf Fabian Hambüchen. Doch ein Einzelkämpfer auf weiter Flur ist der 21-jährige Hesse längst nicht mehr, auch wenn er als Titelverteidiger am Reck und Zweiter im Mehrkampf der WM 2007 die bisher wertvollsten internationalen Meriten erwarb. In der Londoner Arena, die insgesamt 12 000 Zuschauern Platz bietet, starten in den Qualifikationswettkämpfen der Männer am Dienstag noch fünf weitere deutsche Sportler: Sebastian Krimmer (Backnang), Philipp Boy (Cottbus), Marcel Nguyen (Unterhaching), Matthias Fahrig (Halle/Saale) und Thomas Taranu (Straubenhardt).

Neben Hambüchen wird Nguyen als zweiter Mehrkämpfer in allen sechs Geräten eingesetzt werden. Das Ziel des 22-Jährigen sollte das Finale der besten 24 am Donnerstag sein. Hoffnungen auf Endkampfplätze im Gerätefinale darf sich neben Hambüchen (Boden, Sprung, Barren, Reck) vor allem Fahrig machen. Der 23-Jährige, der aus der Lutherstadt Wittenberg stammt, gewann zwei Medaillen bei den diesjährigen Europameisterschaften – Silber am Boden, Bronze am Sprung. Der 22-jährige Cottbuser Boy hat Finalchancen am Boden und Reck.

Für die deutschen Frauen gilt auch nicht mehr das olympische Motto: Dabei sein ist alles. Von den vier Teilnehmerinnen Anja Brinker (Herkenrath), Kim Bui (Tübingen), Maike Roll (Söllingen) und Elisabeth Seitz (Mannheim) haben vor allem die aus Seelze stammende
EM-Dritte Brinker am Stufenbarren und Bui am Sprung Finalchancen.