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Sport Regional Trotz des dritten Rückzugs: Anker Gadenstedt gibt nicht auf
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17:14 08.04.2020
Der SV Anker Gadenstedt (rechts Felix Titze) hat seine Herren-Mannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet. Die Hinserie in der 2. Kreisklasse Süd schloss der SV auf Platz zwölf ab.
Der SV Anker Gadenstedt (rechts Felix Titze) hat seine Herren-Mannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet. Die Hinserie in der 2. Kreisklasse Süd schloss der SV auf Platz zwölf ab. Quelle: Foto: Isabell Massel
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Gadenstedt

Weil in der Winterpause einige Akteure zu anderen Vereinen wechselten, meldeten die Anker-Verantwortlichen nun das Team aus der 2. Kreisklasse Süd ab. „Ich bin schon sehr enttäuscht, dass wir dies erneut tun mussten, aber es ging nicht anders“, konstatiert Gadenstedts Vorsitzender Jürgen Heuer.

Bereits im Oktober hatte Coach Torben Harnagel verkündet, dass er Ende Dezember 2019 aufhören wird. Bei dieser Entscheidung spielten private Gründe eine Rolle, aber auch die mangelnde Einstellung einiger Spieler. „Mangels Masse ist das Training oft ausgefallen – und das ist eben nicht mein Anspruch“, erklärt Harnagel, der erst im Januar 2019 das Team übernommen hatte und damit zum dritten Mal beim SV Anker anheuerte. „Eigentlich wollte ich diesen Job ja nicht mehr machen, aber weil ich viele der Jungs schon lange kenne, habe ich mich aus Verbundenheit zu diesem Verein überreden lassen.“

Zunächst sei es auch gut gelaufen, sagt er. Ein Zustand, der sich jedoch alsbald änderte. Die Absagen für die Übungseinheiten häuften sich – und auch die für die Punktspiele. „Wir hatten ständig Personalprobleme.“ Das wiederum sorgte beim Coach für immer größer werdenden Frust, „obwohl ich meine Erwartungshaltung schon heruntergeschraubt hatte“. Und weil sich die Perspektive auch nach Beginn der aktuellen Saison nicht besserte, „war für mich irgendwann der Punkt erreicht, an dem es keinen Sinn mehr gemacht hat, weiter Trainer zu bleiben“, erläutert Harnagel.

Ohnehin sei das Coachen eines Teams schwierig geworden. „Denn die Mentalität hat sich in den vergangenen Jahren enorm verändert. Bei vielen Spielern steht der Sport nicht mehr im Vordergrund, es gibt zahlreiche Dinge, die für sie wichtiger sind. Zudem lassen sich etliche auch nichts mehr sagen“, moniert Harnagel. Gleichwohl sei ihm der Entschluss, die Trainertätigkeit zu beenden, nicht einfach gefallen, „weil im Kader viele gute Fußballer sind, aber die Zuverlässigkeit war eben bei etlichen nicht gegeben“.

Ähnlich sieht es auch der Vereinschef. „Als die Mannschaft vor ein paar Jahren gegründet werden sollte, hatten wir keinen Obmann. Daraufhin hatten die Jungs zugesagt, dass sie sich kümmern wollten. Deshalb habe ich mich auch breitschlagen lassen und einen dritten Anlauf gestartet“, erklärt Jürgen Heuer. So richtig funktioniert habe das mit dem Kümmern jedoch nicht. Hinzu kam, „dass einige eher hobbymäßig spielen wollten, während andere wiederum mehr auf Leistung gesetzt haben“. Diese unterschiedliche Auffassung sorgte im Winter dafür, dass einige Akteure sich anderen Vereinen anschlossen. Folglich schrumpfte der ohnehin schon kleine Kader, „so dass uns leider nichts anderes übrig blieb, als die Mannschaft abzumelden – das war schon ein echter Nackenschlag“, bedauert der 59-Jährige.

Nachvollziehen kann er den neuerlichen Rückzug aber nicht. „Schließlich sind die Rahmenbedingungen bei uns gut. Es gibt eine tolle Sportanlage mit Tribüne und Laufbahn, außerdem sind der Wald und das Schwimmbad in der Nähe.“

Warum es aber trotzdem bislang nicht gelungen ist, den Fußball in Gadenstedt nachhaltig wiederzubeleben, vermag er auch nicht zu erklären. Dabei kann der Club auf eine langjährige Fußballhistorie zurückblicken, kämpfte etliche Jahre auf Bezirksebene um Punkte – auch Jürgen Heuer stürmte seinerzeit in der Bezirksklasse für den SV Anker und erzielte zahlreiche Tore. „Das war eine Mannschaft, die sich nur aus Gadenstedtern zusammengesetzt hat.“ Es sei eine schöne Zeit gewesen, aber in Erinnerung schwelgen möchte er dennoch nicht. „Denn das hilft uns überhaupt nicht weiter – diese Zeiten sind lange vorbei“, sagt Heuer.

Allerdings gebe es auch heutzutage noch viele, „die am Sonntag gerne zum Platz kommen und zuschauen“. Entsprechend hofft er auch, dass sich die Situation zum Guten wenden wird und in nicht allzu ferner Zukunft wieder Fußballspiele im Bolzberg-Stadion stattfinden. Unabdingbare Voraussetzung für einen vierten Anlauf ist aber, „dass es einen Obmann gibt – das haben wir im Vorstand auch im Protokoll festgehalten. Einer muss in der Fußball-Abteilung den Hut aufhaben“, betont Jürgen Heuer. Ein potenzieller Kandidat ist zwar noch nicht gefunden, „aber es gibt einige Leute, die für dieses Amt in Frage kommen. Ich wünsche mir, dass einer von ihnen Verantwortung übernimmt, damit wir bald wieder ein Herren-Team in Gadenstedt haben“.

Von Peter Konrad