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Sport Regional „So will keiner Meister werden“: Sport-Verbände stoppen Spielbetrieb
Sportbuzzer Sportmix Sport Regional „So will keiner Meister werden“: Sport-Verbände stoppen Spielbetrieb
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20:11 12.03.2020
Viel Körperkontakt, viele Zuschauer – das gibt es auch bei den Oberliga-Handballerinnen des MTV Jahn Peine (blau). Der Landesverband hat aus Sorge vorm Corona-Virus alle Punktspiele bis zum 19. April ausgesetzt. Quelle: Foto: ISABELL MASSEL
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Kreis Peine

Beim Training am Mittwoch tauschten die Regionalliga-Volleyballer der Vallstedt Vechelde Vikings noch die neuesten Corona-Virus-Scherze aus, doch Donnerstag war ihnen dann doch nicht mehr so richtig zum Lachen zumute. Da hatten sie gerade die Meldung gelesen, dass der Deutsche Volleyball-Verband den Spielbetrieb wegen der Corona-Sorge vorzeitig beendet. Von Handball bis Boxen – zahlreiche Verbände reagierten Donnerstag mit Absagen und Saison-Pausen. Eine Übersicht.

Handball

Nach zwei schwächeren Spielen war Trainer Marco Wittneben optimistisch, dass seine Oberliga-Handballerinnen vom MTV Vater Jahn Peine im Heimspiel Samstag gegen den TV Hannover-Badenstedt II wieder in die Erfolgsspur zurückfinden. „Wir haben in der Woche super trainiert. Ich hätte gerne gespielt“, sagt er. Doch daraus wird nichts. Der Handball-Landesverband teilte Donnerstag mit, dass er den Spielbetrieb aus Sorge vorm Corona-Virus bis einschließlich zum 19. April aussetzt. Der Landesverband empfiehlt den Vereinen sogar „dringend“ den Trainingsbetrieb einzustellen. Ob die Reaktion übertrieben oder angemessen ist, möchte der Jahn-Coach nicht bewerten. „Ich bin kein Mediziner. Wenn Experten das für sinnvoll halten, maße ich mir nicht an, eine andere Meinung zu haben“, sagt er. Komplett überrascht hatte ihn die Entscheidung ohnehin nicht. Alle fassen den gleichen Ball an, aus Versehen landet die Hand bei einer Abwehr-Aktion schon mal im Gesicht der Gegenspielerin – „Handball ist ein Kontaktsport, da ist die Situation vielleicht sogar noch anders als bei anderen Sportarten“, sagt Wittneben. Er hofft und wünscht sich jedoch, dass die Saison nach der Pause fortgesetzt wird. Denn: „So will keiner Meister werden“, betont der Jahn-Coach.

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„Sicherheit geht vor“, kommentierte auch Jugendwartin Lena Klemm von der HSG Nord Edemissen die Entscheidung. Sie hätte sich jedoch auch vorstellen können, noch etwas abzuwarten. „Gerade bei den Spielen der Jugendlichen sind mitunter nur 20 bis maximal 50 Zuschauer da“, begründet sie. Mehr als fraglich sei nun auch, ob das Handball-Camp stattfinden kann und darf, welches sie als Cheforganisatorin für den Regionsverband vom 30. März bis zum 2. April anbietet.

Volleyball

Den Meister ärgern und mit einer Überraschung die starke Spielzeit krönen – das hatten sich die Regionalliga-Volleyballer der Vallstedt Vechelde Vikings für ihr Saison-Heimfinale am Sonntag (16 Uhr) vorgenommen. Der Tabellendritte freute sich auf ein Topspiel vor heimischer Kulisse gegen den Liga-Dominator TSV Giesen Grizzlys II – bis Donnerstagmittag der Deutsche Volleyball-Verband die Saison wegen der Corona-Sorge mit sofortiger Wirkung für die dritten Ligen und die Regionalligen beendete. Eine mittlere dreistellige Summe geht den Vikings an Einnahmen flöten, doch das stört die Spieler weniger. „Ich finde es vor allem blöd, weil ich richtig Bock auf das Spiel hatte“, betont Vikings-Kapitän Torben Paetzold. Für den Entschluss des Verbands zeigt er aber Verständnis: „Ich kann verstehen, dass die Leute, die das entscheiden müssen, vorsichtig sind.“ Aufgrund der Tabellensituation können die Vikings ohnehin gelassener sein, als Teams, die noch um Auf- oder Abstieg kämpfen. „Die Saison als Dritter zu beenden, ist ja nicht das Schlechteste“, findet Paetzold, dessen Team sich punktemäßig im dritten Jahr in Folge in der vierthöchsten deutschen Spielklasse ohnehin schon erneut gesteigert hatte. Dass die Vikings Dritter sind, ist klar, ob sie das aber in einer Woche wie geplant auf ihrer Mannschaftsfahrt in Prag feiern können, daran hegt der Kapitän nun auch Zweifel: „Da sehe ich uns auch noch nicht.“

Der Nordwestdeutsche Volleyball-Verband zog Donnerstag-Abend nach. Von der Oberliga bis zur Kreisliga – die Saison ist beendet. „Es gilt für uns alle, zum Wohle unserer Vereine, Mannschaften und der Mitglieder, die Verbreitung des Coronavirus so schnell wie möglich zu verlangsamen”, erklärt Präsident Klaus-Dieter Vehling. Derzeit berate der Bundesspielausschuss den Umgang mit Auf- und Absteigern beziehungsweise Relegationsteilnehmern.

Tischtennis

Er hatte sein Trainingspensum extra erhöht und wollte sich noch einmal den Traum von einem DM-Ticket erfüllen – doch daraus wird zumindest an diesem Wochenende nichts für Ölsburgs Bezirksoberliga-Spieler Carsten Rook. Der Verband hat Mittwoch gemeinsam mit dem Ausrichter-Verein Hatten-Sandkrug die Senioren-Landesmeisterschaft abgesagt. „Aus sportlicher Sicht betrachtet, ist das katastrophal für mich, denn ich war richtig gut drauf. In den Punktspielen habe ich schon lange nicht mehr verloren“, sagt Rook, der sich wie der Vechelder Christian Havekost für die Altersklasse 50 qualifiziert hatte. Verständnis zeigte Ölsburgs Spitzenspieler aber. „Wer das belächelt, hat die Problematik nicht verstanden.“ Er sieht sogar etwas Positives in den Absagen zahlreicher Veranstaltungen. „Ich sehe das als Probelauf für eine größere Katastrophe. Die derzeitige Situation zeigt uns, wie anfällig unser System ist – aber vor allem, wo es Besserungsmöglichkeiten gibt.“

Die Beine hochlegen wird Rook am Wochenende nun aber nicht. „Ich werde arbeiten gehen. Da meine Kollegen mir ein freies Wochenende ermöglicht hätten, habe ich mich nun brav zurückgemeldet“, verrät der Polizist.

Der Tischtennis-Landesverband kündigte Donnerstag-Nachmittag an, die Frage nach möglichen Auswirkungen auf den Punktspielbetrieb angesichts der Corona-Virus-Angst am Freitag zu beantworten. Rook befürchtet, dass auch die Meisterschaftsspiele vorzeitig eingestellt werden. Dank einer furiosen Rückrunde hat sich sein MTV gerade erst von den Abstiegsplätzen angespielt. „Ansonsten wäre das richtig bitter gewesen.“ Noch bitterer wäre dagegen für den MTV ein Gerücht, dass Donnerstag die Runde in der Tischtennis-Szene machte: Da hieß es, der Verband plane, den Tabellenstand nach der Hinserie zu übernehmen. Dann würden die Ölsburger sogar absteigen.

Boxen

37 in der Gunzelinhalle geplante Kämpfe fallen dem Kampf gegen das Virus zum Opfer. Die Halbfinal- und Finalrunde der Landesmeisterschaft, die der Box-Club 62 Peine am Samstag in Peine ausrichten wollte, wurde abgesagt. Der Deutsche Boxsport-Verband hat alle Sportveranstaltungen bis voraussichtlich 29. Juni abgesagt, und der niedersächsische Boxverband hat sich dieser Regelung angeschlossen – allerdings erstmal „nur“ bis zum 31. Mai.

„Wir waren gut vorbereitet, haben viel Werbung gemacht und auch viele Ehrengäste eingeladen. Das ist nun alles hinfällig. Schade!“, sagt Ercan Caliskan, Vorsitzender des BC 62. „Aber es hilft nichts. Die Gesundheit geht vor.“ Natürlich wird auch die für Ende März geplante Finalrunde in Papenburg ausfallen. Und selbst bereits erteilte Startgenehmigungen für niedersächsische Boxer für Veranstaltungen außerhalb des Bundeslandes sind hinfällig.

Ausfallen wird aufgrund der Entscheidung des Deutschen Boxverbandes auch die Bundesliga-Begegnung des BSK Hannover Seelze beim Boxteam Hessen. Für die Hannoveraner sollte Caliskans Schützling Engin Aslan in den Ring steigen.

Fußball

Bis zum Redaktionsschluss gab es gestern im Fußball auf Kreis- und Bezirksebene keine Absagen zum Schutz vor der Ausbreitung des Corona-Virus. „Wir warten ab, ob vom Verband noch etwas kommt. Aber bis dahin gilt die Grenze von 1000 Teilnehmern“, sagt Kreisspielausschuss-Vorsitzender Günter Brand. Und diese Zahl wird bei einzelnen Spielen im Kreisgebiet nicht erreicht. „Die üblichen Vorsichts-Regeln bleiben jedem selbst überlassen – zum Beispiel, ob man sich die Hände schüttelt.“

Der Bezirksverband hatte bis gestern Abend noch keinen Beschluss gefasst, wie der weitere Spielbetrieb laufen soll. Allerdings hat der Landesverband das für das kommende Wochenende geplante Dankeschön-Wochenende verschoben. Hieran sollte der Peiner Ehrenamtssieger Wolfgang Schuppan vom TSV Meerdorf teilnehmen. „Diese Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen, da uns die Würdigung der ehrenamtlichen Tätigkeit sehr am Herzen liegt. Angesichts der aktuellen Entwicklungen in Sachen Corona ist sie allerdings alternativlos“, sagte NFV-Präsident Günter Distelrath.

Von Christian Meyer und Matthias Preß