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Selbst nach 65 Jahren im Vorstand macht Hans Rothe noch neue Erfahrungen

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18:35 05.03.2021
Auszeichnung beim Kreisturntag im Jahr 2018: Der Vorsitzende Klaus Wagener (rechts) überreicht Hans Rothe die Urkunde zum Ehrenvorsitz.
Auszeichnung beim Kreisturntag im Jahr 2018: Der Vorsitzende Klaus Wagener (rechts) überreicht Hans Rothe die Urkunde zum Ehrenvorsitz. Quelle: Katrin Hoffmann
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Stederdorf

Im Jahr 1956, als Hans Rothe sein erstes Amt im Vorstand des MTV Stederdorf übernahm, war Konrad Adenauer deutscher Bundeskanzler, Nikita Chruschtschow Staats- und Parteichef der Sowjetunion, David Dwight Eisenhower US-Präsident, und in Lugano fand die erste Ausgabe des Eurovision Song Contest (ESC) statt (unter dem Titel Gran Premio Eurovisione della Canzone Europea).

Es gab seitdem nur zwei deutsche ESC-Gewinner, die genannten Politiker leben nicht mehr, aber Hans Rothe nimmt immer noch an den Vorstandssitzungen des MTV Stederdorf teil.

An diesem Samstag feiert er seinen 85. Geburtstag. Und selbst nach 65 Jahren Vorstandsarbeit erlebt er noch etwas Neues: Die Corona-Situation. „Das hat sich ja niemand vorstellen können. Die Pandemie belastet die Vereine enorm“, sagt Rothe. Was ihn bedrückt: Anders als früher seien viele schnell mit der Austrittserklärung, anstatt auch mal durchzuhalten. Zwar sei die Situation bei seinem MTV noch relativ gut, aber dass man die Coronakrise im Sport derart merkt, mache ihn traurig.

Froh ist er dagegen, dass er seinen 85. Geburtstag und in drei Tagen die Diamantene Hochzeit mit Ehefrau Barbara bei guter Gesundheit erleben darf. Coronabedingt werden sich die Gratulanten meist auf telefonische Glückwünsche beschränken müssen. Für sich selbst nimmt er das hin, für den Sport wünscht er sich aber, dass Begegnungen bald wieder möglich sind. „Ich hoffe, dass sich die Zahlen so entwickeln, dass eine vorsichtige Rückkehr von Sportlern und auch Zuschauern erfolgen kann“, sagt Rothe.

Die Corona-Schwierigkeiten sind neu für die Vereine. Wie man Probleme bewältigt, weiß Rothe aber aus seiner Amtszeit. Von 1969 bis 2002 war er Vorsitzender des MTV Stederdorf. Am meisten Sorgen machte ihm in dieser Zeit die Situation in der Handball-Abteilung des MTV. „Wir fanden keinen Abteilungsleiter, obwohl es eine sehr starke Abteilung war. Schweren Herzens haben wir die Selbstständigkeit aufgegeben und sind 1987 der HSG Nord beigetreten“, erinnert sich Rothe. Viele Gespräche und Diskussionen hatte es zuvor gegeben.

Im Nachhinein erwies sich das aber als vielleicht doch gute Entscheidung. „Es gibt im Handball jetzt ja überall Spielgemeinschaften, weil die Vereine es allein nicht mehr hinbekommen. Und unsere jungen Spieler hatten damals die Chance, höher zu spielen als beim MTV, weil die HSG Nord leistungsstärkere Mannschaften hatte.“

Zu den schönen Erlebnissen seiner Amtszeit zählt Rothe, als der MTV das Rennen um die Ausrichtung der Wettkämpfe zur Bildung eines gesamtdeutschen Kaders der Leistungsturnerinnen gewann. Im Jahr nach der Grenzöffnung kamen in Peine 80 Turnerinnen aus Ost und West zusammen. Nicht nur in der PAZ, auch im Fernsehen wurde darüber berichtet. „In vier Turnhallen liefen die Wettbewerbe – der Luberghalle, der Gunzelinhalle, der Halle des Ratsgymnasiums und der BBS-Halle“, schildert Rothe. „Ich hatte mich um den Verwaltungsteil gekümmert, aber Hildegund Riegert hatte den turnpraktischen Teil übernommen. Es war eine große Herausforderung für sie, die sie toll gemeistert hat. Wir hatten es auch ihr und ihren Beziehungen zum Deutschen Turnerbund zu verdanken, dass wir die Ausrichtung der Veranstaltung überhaupt über nehmen durften.“

Rothe war nicht nur Vereinsvorsitzender, sondern auch von 1989 bis 2010 Vorsitzender des Turnkreises Peine und von 1988 bis 2010 Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Peiner Sportvereine. Er hat festgestellt, dass die Aufgaben stets zunahmen. „Man musste gut mit Finanzen umgehen können, sich im Steuerrecht auskennen, die Sozialbeiträge für die Übungsleiter abrechnen und überhaupt sehr vielseitig sein. Und heutzutage kommt noch einiges mehr dazu.“

Er habe zu seiner aktiven Zeit etwa 15 bis 20 Stunden pro Woche für Ämter im Sport aufgewendet. Damit komme mancher Vorsitzende heute nicht aus, und häufig sei auch niemand mehr bereit, diese Zeit aufzuwenden. Deshalb glaubt Rothe, dass es für viele Vereine künftig nicht ohne festangestellte Fachkraft geht. „Es könnten sich ja auch mehrere einen Geschäftsführer teilen.“

Rückblickend sagt er: „Ich bin dankbar, dass ich so lange ehrenamtlich tätig sein konnte.“ Und dankbar wäre er auch, wenn der Sport bald nicht mehr durch die Pandemie belastet werden würde.

Rothe hatte mehrere Vorstandsämter gleichzeitig

Auszeichnungen, Ehrungen – davon hat Hans Rothe reichlich. Er erhielt 1994 für sein ehrenamtliches Engagement das Bundesverdienstkreuz und 2003 die höchste Medaille des Deutschen Turnerbundes, die Walter-Kolb-Medaille. Im Vorstand des MTV Stederdorf begann er 1956 als stellvertretender Schriftführer, war von 1958 bis 1969 Schriftführer und anschließend 33 Jahre bis 2002 Vorsitzender. Von 1989 bis 2010 war Hans Rothe Turnkreis-Vorsitzender und von 2002 bis 2010 „Vorsitzender für Finanzen“ im Turnbezirk Braunschweig. Von 1982 bis 2010 wirkte Rothe im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Peiner Sportvereine mit. 2017 wurde er für 60 Jahre Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr geehrt, und auch kirchlich engagiert er sich. Zurzeit ist er in der fünften Wahlperiode im Kirchenvorstand der St.-Petrus-Gemeinde Stederdorf tätig.

Von Matthias Press