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Sport Regional Peiner Trainer glauben nicht an schnelle Rückkehr zum Spielbetrieb
Sportbuzzer Sportmix Sport Regional Peiner Trainer glauben nicht an schnelle Rückkehr zum Spielbetrieb
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18:59 13.03.2020
Die Fußballspiele sind landesweit abgesagt worden. Quelle: Foto: Isabell Massel
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Kreis Peine

Die Verbände im Volleyball, Handball und Boxen hatten schon am Donnerstag den Spiel- beziehungsweise Wettkampfbetrieb zum Schutz vor dem Corona-Virus eingestellt. Freitag zog der niedersächsische Fußballverband nach. Bis einschließlich 23. März wird der Spielbetrieb ausgesetzt. Wie es dann weitergeht, ist zurzeit offen.

Die PAZ-Sportredaktion hörte sich bei Fußballertrainern um, was das für ihr Team bedeutet und wie sie mit der Situation umgehen.

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Viktoria Woltwiesche

Fußball ist eine Sportart, bei der es häufig zu Körperkontakten kommt. Deshalb ist die Spielpause sinnvoll“, meint Thomas Mühl, Trainer der Bezirksliga-Fußballer von Viktoria Woltwiesche, die derzeit auf einem Abstiegsplatz rangieren. Ob er das Training für seine Mannschaft aussetzen wird, ist noch ungewiss. „Das werde ich Anfang nächster Woche kurzfristig entscheiden.“

Fest steht hingegen, dass er seinen Spielern empfehlen wird, selbstständig etwas für eigene körperliche Fitness zu tun. „Es wäre fatal, wenn das keiner von uns machen würde. In unserer Tabellensituation dürfen wir es uns gar nicht erlauben, Kondition zu verlieren.“ Sollten sich Spieler privat zum Kicken treffen – beispielsweise in einer Soccer-Halle – werde er ihnen davon weder abraten noch „seinen Segen“ dazu geben.

Bauchschmerzen bereitet ihm das Szenario, dass der Niedersächsische Fußball-Verband die Saison für alle Amateurligen vorzeitig für beendet erklärt und die Viktoria damit absteigt. Doch auch die Aussicht, dass die Spielzeit 2020/2021 in gleicher Staffel-Besetzung wie in der aktuellen Serie ausgetragen wird, behagt ihm wenig. „Das wäre ungerecht gegenüber den Mannschaften, die jetzt in der Tabelle ganz oben stehen. Doch egal wie der NFV entscheiden wird, einige Mannschaften werden immer gekniffen sein.“

Arminia Vöhrum

Den Fall, dass der derzeit souverän an der Tabellenspitze stehenden Fußball-Kreisliga-Mannschaft von Arminia Vöhrum der Aufstieg verwehrt wird, hat Arminia-Trainer Nils Könnecker gedanklich bereits durchgespielt. „Kommt es tatsächlich so weit, würde sich das für mich wie ein Abstieg anfühlen, es wäre eine ganz bittere Pille.“

Mit seiner Mannschaft wird er kommende Woche nicht trainieren, da Vöhrums Vorstand für alle Sparten des Vereins empfohlen hat, den Trainingsbetrieb ab sofort auszusetzen. Dafür sowie für die Aussetzung des Spielbetriebes seitens des Fußball-Verbandes hat er vollstes Verständnis. „Die Ausbreitung des Virus muss begrenzt werden.“

Seinen Spielern will Könnecker anraten, mindestens einmal wöchentlich einen Dauerlauf zu machen. Mehr noch: Nach seiner Einschätzung könnten einsame Ausdauerläufe für Amateur-Fußballer vorerst zum Dauerzustand werden. „Denn ich rechne nicht damit, dass der Spielbetrieb schon nach dem 23. März wieder aufgenommen wird.“

Pfeil Broistedt

Noch pessimistischer ist Börge Warzecha, Trainer des Frauen-Oberligisten Pfeil Broistedt. „Ich denke, die Saison wird vorzeitig beendet – im Amateurfußball und bei den Profis.“ Sollten sich die Fußball-Entscheidungsträger tatsächlich zur Absage entschließen, hätte er damit keine Probleme. „Es wäre höhere Gewalt, ich lasse alles auf mich zukommen.“

Der Pfeile-Vorstand hat angeordnet, den gesamten Trainingsbetrieb – auch in den Hallensportarten – vorerst einzustellen. Broistedts Oberliga-Mannschaft wird daher mindestens bis 23. März pausieren müssen. Warzecha geht davon aus, dass sich deswegen kaum eine seiner Spielerinnen auf die faule Haut legen wird. „Sie werden selbstständig etwas für ihre Fitness tun. Da bin ich mir ziemlich sicher.“

SV Lengede

„Das Ganze fühlt sich immer noch sehr unrealistisch an. Eine solche Situation gab es ja noch nie“, sagte Dennis Kleinschmidt, Trainer des Fußball-Landesligisten SV Lengede. Eine Entscheidung wurde ihm und dem zweiten Trainer Kai Olzem abgenommen: Der Vorstand des SVL hatte noch am Freitag angeordnet, dass alle Trainingseinheiten über jegliche Altersgruppen hinweg sofort eingestellt werden.

Wann wieder gemeinsam trainiert wird, war Freitag noch offen – genauso wie die Fortsetzung der Saison. Kleinschmidt ahnt deshalb, dass es mit dem Aussetzen des Spielbetriebs bis zum 23. März nicht getan ist. „Was machen wir, wenn wir in zwei Wochen die doppelte Zahl an Infizierten haben?“

Mit dem aktuellen fünften Tabellenplatz wäre er bei einem Abbruch der Saison einverstanden, schade fände er es trotzdem. „Mir wird ja meine Leidenschaft, mein Hobby genommen.“ Andererseits würde es für den SVL kein großes Problem sein – im Gegensatz zu Mannschaften, die noch von Abstiegsplätzen hochklettern oder Meister werden könnten. Besser wäre es nach Kleinschmidts Meinung, die Saison zu verlängern und im Sommer länger zu spielen.

Adler Hämelerwald

Das sieht auch Peter Wedemeyer so. Der Trainer des Bezirksligisten Adler Hämelerwald hätte nichts dagegen, bis in den Juli hinein zu spielen. „Ob die EM stattfindet oder nicht, ist doch für die unteren Ligen egal“, sagt er. Dass die Spielaussetzung bis zum 23. März ausreicht, glaubt Wedemeyer nicht. „Warum sollte in zwei Wochen plötzlich gespielt werden können?“

Dennoch hielte er es für sinnvoll zu versuchen, die Saison zu Ende zu spielen: „Nicht unbedingt in der Kreisliga oder Bezirksliga. Aber zum Beispiel in den höheren Ligen wie der Oberliga oder Regionalliga gäbe es sonst wirtschaftliche Konsequenzen. Da hängen Jobs dran.“

Ob das gemeinsame Training ausgesetzt wird, hatten die Adler Freitag noch nicht entschieden. „Stand jetzt ist, wir trainieren weiter“, sagte Wedemeyer am Nachmittag. „Ich könnte andernfalls die Jungs ja bitten, sich fit zu halten. Aber dann in zwei, drei oder vier Wochen den Spielbetrieb wieder aufzunehmen, wäre problematisch.“

Fußball-Kreisverband

Wie es mit dem Fußball-Spielbetrieb weitergeht, weiß auch der Kreisverbands-Chef Hans Hermann Buhmann aktuell nicht. „Die Situation ist für alle neu. Stündlich ändern sich die Zahlen. Am wichtigsten ist es momentan, die Verbreitung des Virus aufzuhalten. Dafür ist es wichtig, besonnen zu handeln.“ Erste Schritte neben der Spielaussetzung: Der aktuelle Trainerlehrgang wurde auf das zweite Halbjahr verschoben. „Da hätten 17 Leute auf engem Raum zusammengesessen.“ Und Schiri-Lehrwart Nicolai Rühmann hat den Anwärterlehrgang erst einmal abgesagt.

Von Jürgen Hansenund Matthias Press