Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Sport Regional Neuer Trainer, großer Kader: Die Konkurrenz tippt auf Marathon
Sportbuzzer Sportmix Sport Regional

Neuer Trainer, großer Kader: Die Konkurrenz tippt auf Marathon 

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:07 10.09.2020
Der von Christian Menzel (links) gecoachte TSV Marathon Peine wird als Topfavorit gehandelt. Quelle: Foto: Ralf Büchler
Anzeige
Peine

Er ist gerade einmal 32 Jahre jung, aber dennoch scheut er sich nicht, Verantwortung zu übernehmen. Denn vor knapp sechs Monaten wurde Christian Menzel beim TSV Marathon Peine Nachfolger von Hannelore Elsner, die den Verein 22 Jahre als Vorsitzende führte. Sein Engagement möchte er aber nicht nur auf seinen Klub beschränken, „sondern wir müssen in Peine unbedingt den Sport voranbringen – das kann aber nur gelingen, wenn die Vereine zusammenarbeiten“, betont er.

Menzel ist jedoch skeptisch, ob sein Appell auch fruchtet, „da die Vereine sich als Rivalen sehen und zudem viel Wert auf Traditionspflege legen. Doch die Gesellschaft und die Einstellungen haben sich stark verändert“, mahnt er. Auf diesen Wandel müsse ein Verein sich einstellen, „um ihn zukunftsfähig zu machen“, sagt Menzel, der sich Anfang 2018 dem TSV Marathon angeschlossen hat – als Herrenspieler. Zu dieser Zeit war er noch bei Eintracht Braunschweig angestellt: Acht Jahre war er hauptamtlich in unterschiedlichen Funktionen im Nachwuchsbereich der Blau-Gelben tätig – die überwiegende Zeit als Coach.

Anzeige

Auch aktuell ist Menzel Trainer, „allerdings nur interimsmäßig“. Denn weil Benjamin Weiß aus privaten und beruflichen Gründen im Frühjahr 2020 mitteilte, dass er kürzer treten möchte, „wollten wir zwar anschließend einen neuen Trainer verpflichten, haben aber nicht den passenden für uns gefunden“, berichtet er. Entsprechend sprang Menzel, der verheiratet ist und demnächst Vater wird, ein und coacht nun die Kreisklassen-Fußballer. Mit der PAZ sprach er vor dem Auftaktspiel am Sonntag (15 Uhr) in Wipshausen über ...

... seine Rolle als Vorsitzender und Trainer in Personalunion: „Diese Doppelfunktion war nicht geplant, sondern kam nur zustande, weil wir keinen neuen Trainer gefunden haben. Es gab zwar einen absoluten Wunschkandidaten, aber der konnte sich das nicht vorstellen, so dass ich jetzt zunächst diesen Job übernommen habe. Schön ist, dass Benny, der nun Spielertrainer der Zweiten ist, mir zur Seite steht. Fakt ist aber, dass ich das auf jeden Fall maximal nur ein Jahr mache, unabhängig davon, wie die Saison läuft. Lieber wäre mir, dass wir so schnell wie möglich einen neuen Coach finden.“

... das Projekt Marathon:„Das ist das richtige Wort, denn wir wollen hier auf längerfristige Sicht etwas entwickeln. Es gibt zwei sportpolitische Tendenzen in Peine. Zum einen gibt es immer weniger Leute, die Sport im Verein machen. Unser Ansatz ist nun, über Spaß, Gemeinschaft und Identifikation die Leute zu erreichen und zu binden. Zum anderen haben die Peiner Stadtvereine mit einer Landflucht zu kämpfen, so dass es immer weniger Fußballer gibt. Um das zu unterbinden, wollen wir für das Stadtgebiet ein attraktives Angebot machen. Im Jugendbereich möchten wir uns breit aufstellen. Für jeden soll es ein gutes Training geben, ohne dabei einen selektiven Gedanken zu haben. Mit dem Herren-Team dagegen haben wir schon sportliche Ambitionen und wollen auch Erfolg haben, aber das nicht um jeden Preis.“

... die große Konkurrenz im Kader: „Da wir neun Neue dazu bekommen und uns nur drei Spieler verlassen haben, sind wir nun knapp 30 Mann im Aufgebot und somit um einiges besser aufgestellt als in der vergangenen Saison.Allerdings ist das zunächst ein Trainingskader, aus dem sich dann 20 Spieler herauskristallisieren, die den Kern der 1. Herren bilden werden. Aber auch mit der zweiten Mannschaft haben wir Ambitionen, so dass es immer eine gewisse Rotation geben wird – das alles ist leistungs- und entwicklungsabhängig. Zusammen mit den Spielern wollen wir als Trainer herausfinden, wie wir uns am besten aufstellen können. Und trotz des großen Kaders gab es bislang keinen Ärger. Sollte es doch dazu kommen, ist der Umgang damit entscheidend. Klar ist eines: Niemand ist größer als der Verein. Wir haben Werte und Regeln aufgestellt, und jeder muss offen sein, sich danach zu richten und sich hinten anzustellen.“

... die Rolle als Topfavorit: „Mir war gar nicht bewusst, dass wir diese Rolle besetzen. Druck auf uns üben solche Aussagen aber nicht aus. Wichtig ist, dass wir unsere eigene Situation bewerten und unseren eigenen Maßstäben gerecht werden. Auf jeden Fall werden wir gegen jeden Gegner mit Respekt antreten. Tun wir das nicht, haben wir in der vergangenen Saison gesehen, was passieren kann – ich hoffe, dass die Jungs daraus ihre Lehren gezogen haben. Favorit zu sein, ist eine Herausforderung und zugleich ein Charaktertest, den die Mannschaft bestehen muss. Schön ist, dass andere inzwischen unbewusst wahrnehmen, dass sich beim TSV Marathon etwas getan hat – und das ist wichtiger als die Favoritenrolle.“

... die Ziele: „Wer sich schon mal mit Sport auseinandergesetzt hat, weiß, dass Leistung planbar ist, Ergebnisse aber nicht. Unser Ziel ist es, eine gute Trainingswoche zu absolvieren und ein gutes Spiel zu zeigen. Sind alle gesund und fit, haben wir die sportliche Qualität, auch höher spielende Teams deutlich zu ärgern. Das heißt für die 1. Kreisklasse, dass wir jedes Spiel für uns entscheiden wollen. Es ist aber nicht damit getan, die ersten drei Partien zu gewinnen und dann einen Gang zurückzuschalten – was das zur Folge haben kann, haben wir in der vorigen Saison erfahren.“

... seinen größten Wunsch:„Dass alle Vereine im Fußball-Kreis Peine von Corona verschont bleiben. Zudem wäre es schön, wenn wir den Sport und den Fußball vorwärtsbringen – das ist mein Antrieb. Ein Verein allein aber kann das nicht bewerkstelligen, sondern das geht nur gemeinsam und wenn alle ihre Eigeninteressen zurückstellen. Ich freue mich, dass wir als Personengruppe von Marathon einen Teil dazu beitragen können.“

Der Kader des TSV Marathon Peine

Zugänge: Akram Sincar, Akif Eröz (beide Takva Peine), Yehia Sincar (Arminia Vöhrum), Erich Lasowski (Teutonia Groß Lafferde), Philipp Jäschke (VfB Peine), Enes Göksen (VfB Peine A-Junioren), Gökhan Göksen (Bosporus Peine), Hussein El Bardan (TSV Essinghausen), Yunus Karaca (Arminia Vechelde).

Abgänge: Lukas Gallinat, Abdullah Ismail (beide TSV Eixe), Damien Spatafora (VfB Peine).

Tor: Gökhan Göksen, Emad Almezki.

Abwehr: Malik Tatli, Dusty Krenge, Mücahit Kavi, Ahmet Khamis, Enes Göksen, Hussein El Bardan, Dicle Arvis, Jonas Brüge.

Mittelfeld: Akram Sincar, René Rätsch, Erich Lasowski, Florian Herdt, Philipp Jaeschke, Yunus Karaca, Akif Eröz, Furkan Ak, Ferhat Arvis, Florent Avdyli, Christian Brüge, Demir Batuhan.

Angriff: Jan Wollenhaupt, Yahia Sincar, Marcel Lautenbach, Leon Muslija, Hayri Kocak, Mohammed El Achi.

Trainer: Christian Menzel.

Co-Trainer: Benjamin Weiß, Matthias Menzel.

Saisonziel: In allen Wettbewerben munter mitmischen; Spaß und Identifikation der Mitglieder aktiv fördern.

Von Peter Konrad