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„Nach 3, 4 Jahren hat sich das Verhältnis Trainer/Mannschaft abgenutzt“

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17:58 12.02.2021
Gundolf Deterding in Aktion. Bei der HSG Nord trainierte er schon viele Mannschaften, hier stellte er die Landesliga-Frauen auf die Partie ein.
Gundolf Deterding in Aktion. Bei der HSG Nord trainierte er schon viele Mannschaften, hier stellte er die Landesliga-Frauen auf die Partie ein. Quelle: Ralf Büchler
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Edemissen

Eine Vielzahl an Handball-Mannschaften hatte und hat Gundolf Deterding während seiner langjährigen Trainerlaufbahn unter den Fittichen. Und er ist viel herumgekommen, stand bisher bei insgesamt elf Vereinen in der Verantwortung. Selbst aktiv war der 54-Jährige auch, doch wegen einer Krebserkrankung endetet seine Zeit als Spieler früh.

„Angefangen mit Handball habe ich in meinem Geburtsort, bei Glück Auf Gebhardshagen. Aber erst im C-Jugend-Alter, denn für jüngere Kinder gab es keine Mannschaften. In den Jahren davor ging ich, genau wie die meisten anderen Kinder, zum Turnen, andere Sportarten wurden nicht angeboten“, erinnert sich Deterding, der auf Linksaußen und im linken Rückraum eingesetzt wurde. Den Verein zu wechseln stand für ihn lange Zeit völlig außer Frage. „Denn früher hatte jedes Dorf in Salzgitter einen Handball-Verein. Es war fast ein Gesetz, dass man in seinem Heimatort zusammen mit Schulkameraden und Freunden in einer Mannschaft spielt. Und die verlässt man nicht, so war das damals.“ Erst als 17-Jährigen zog es ihn notgedrungen für eine Saison zum MTV Immendorf, da sein Stammverein mangels Masse keine A-Jugend stellen konnte. Im Herrenalter schloss er sich nachfolgend dem MTV Salzgitter und Viktoria Thiede an.

Deterding räumt freimütig ein, kein herausragender Spieler gewesen zu sein. „Ich war fast durchgehend im Raum Salzgitter auf Kreisebene aktiv, schnupperte nur kurz mal an der Bezirksliga. Als Linksaußen klappte es im Herrenalter noch ganz gut, doch für den Rückraum reichte meine Klasse nicht.“ Schon mit Anfang 20 wurden Training und Spiele nebensächlich. Denn man entdeckte in seinem Darm einen Tumor, der wegoperiert werden musste. Die Operation verlief erfolgreich, doch mit Handballspielen war Schluss. „Die Ärzte rieten mir dazu. Die Krebs-Erkrankung begleitete von nun an mein Leben. Jedes Jahr bin ich einige Wochen außer Gefecht, weil Untersuchungen und Behandlungen anstehen.“

Mit dem Schicksalsschlag fand sich der Diplom-Sozialpädagoge nach einiger Zeit ab und konzentrierte sich aufs Trainerdasein, das für ihn kein Neuland war. Denn schon als 16-Jähriger trainierte er eine Mädchenmannschaft von Glück-Auf Gebhardshagen. Im weiteren Verlauf machte der B-Lizenz-Inhaber bei folgenden Vereinen Station: TGJ Salzgitter, TSV Helmstedt, VfL Salder, TSV Timmerlah, VfL Wittungen, HSG Langelsheim/Astfeld und MTV Großenheidorn. „In Großenheidorn erlebte ich meine bisher erfolgreichste Zeit“, verweist Deterding darauf, dass er mit dem MTV-Damenteam von der Bezirksliga bis in die Regionalliga (heute 3. Liga) aufstieg. Ebenfalls in der 3. Liga angesiedelt waren einst die Handballerinnen von Eintracht Braunschweig, die von ihm während der Saison 2004/2005 trainiert wurden.

Große Erfolge zu feiern gab es auch bei der HSG Nord, denn Edemissens weibliche A-Jugend belegte 2009 mit Gundolf Deterding an der Seitenlinie den zweiten Platz bei der norddeutschen Meisterschaft. „Das war eine außergewöhnliche Mannschaft, mit Frauke Kemmer, Katharina Buchholz, Tabea Rook und wie sie noch hießen. Alle Spielerinnen zeigten enorme Einsatzbereitschaft und Siegeswillen. Sie trainieren sogar außerhalb des normalen Trainings in Eigenregie“, lobt der 54-Jährige, der seine häufigen Vereinswechsel nicht als Makel ansieht. „Denn spätestens nach drei, vier Jahren hat sich meiner Meinung nach das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft abgenutzt. Man kennt sich untereinander zu gut. Dann ist es für beide Seiten besser, sich zu trennen. So ist es in meinem Fall oft gelaufen.“

Unabhängig davon ordnet sich Deterding keinesfalls als perfekten Trainer ein. „Ich werde beim Training oft laut. Daran können sich manche nicht gewöhnen. Außerdem bin ich in vielen Punktspielen zu emotional, rege mich unnütz über Schiedsrichter-Entscheidungen auf. Das ist meine Schwäche, als Trainer muss man sich darauf konzentrieren, seine Mannschaft zu führen“, betont Gundolf Deterding, der seit vergangenem Sommer vier Mannschaften gleichzeitig betreut: die weibliche C-Jugend der HSG Nord Edemissen sowie die Regions-Oberliga-Damen und die weibliche C- und B-Jugend des HSC Ehmen.

Von Jürgen Hansen