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Sport Regional Mit Eiswürfel-Hilfe: Tri-Speedy Patrick Harms hält durch
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09:00 20.10.2018
Viel Glück: Am Anfang der Marathon-Strecke klatschte Patrick Harms mit Freundin Fabienne Helle und Tri-Speedy-Kollege Niklas Arndt ab, die ihn an der Strecke anfeuerten. In Vöhrum drückten die Tri-Speedys beim Spinning die Daumen. Quelle: Tobias Kassebaum
Kailua-Kona

Dass sich Männer kolossal über eine Perlenkette freuen – hier gibt es das! Denn, wer die bekommt, der hat so etwas Beeindruckendes geschafft wie Patrick Harms von den Peiner Tri-Speedys. Er hat erst gelacht und dann gelitten, wurde im Ozean getreten, von der brennenden Sonne und heißem Asphalt gequält, von Steigungen entkräftet, von Krämpfen in der Hüfte gepiesackt – doch er hat durchgehalten: Der 32-Jährige gebürtige Sophientaler hat das härteste Triathlon-Rennen der Welt gemeistert, den Ironman auf Hawaii.

3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und dann noch einen Marathon laufen: Patrick Harms hat das Hawaii-Abenteuer in 10:50,19 Stunden abgerissen. „Es war das ultimative Leiden. Mit der Zeit bin ich nicht zufrieden, aber sehr stolz darauf, nicht aufgegeben zu haben. Ich habe den Mythos, die unerbittliche Härte und die komplett eigenen Gesetze dieser Insel gespürt – ich wurde regelrecht von ihnen vermöbelt“, bilanzierte der Tri-Speedy.

Und so lief die Plackerei in drei Akten: Im dicht gedrängten Feld mit mehreren hundert Athleten kraulte Patrick Harms nach dem Schwimmstart los. Die Distanz war nicht der größte Gegner, fieser waren die Tritt und Stöße, die er sich in diesem „Haifischbecken“ einfing. „Die Schwimmstrecke war ein halber Selbstverteidigungskursus. Und in der zweiten Hälfte war ich im Feld so gefangen, dass es ziemlich bummelig wurde“, schilderte der Tri-Speedy. In 1:13,34 Stunde schaffte er es trotzdem.

Ein Auf und Ab im wahrsten Sinne des Wortes war die hügelige Radstrecke. Ab Kilometer 150 fühlte sich Patrick Harms kurioserweise besser als zuvor. Denn: Bei einem längeren Anstieg fing es an zu regnen, die Erfrischung tat gut. „Ich konnte angreifen und einige Plätze gutmachen. Eigentlich wollte ich unter fünf Stunden fahren, es wurden zwar 5:05,48 Stunden, aber mit der Zeit bin ich mit mir im Reimen.“

Beim Abstieg vom Rad ärgerte ihn aber die Muskulatur dann erstmals: Ein Krampf in der Hüfte. Den konnte sich Patrick Harms rausschütteln, doch die Sonne konnte er nicht abschütteln: Der Marathon wurde zum Kampf gegen die Hitze und den inneren Schweinehund. „Es gab nicht einen Millimeter Schatten. Die Hitze von oben, die reflektierende Wärme vom Asphalt von unten, die hohe Luftfeuchtigkeit – ich kam mit dem Atmen gar nicht hinterher“, schilderte der Tri-Speedy. Als er zum Anfang des Marathons seine Freundin Fabienne Helle und Tri-Speedy-Kollege Niklas Arndt am Streckenrand abklatschte, hatte Patrick Harms noch gelacht. Doch im Anstieg direkt danach begann das große Leiden. „Ich bin sehr viel gegangen.“

Dass er nicht aufgab, dafür machte der IT-Architekt aus dem Landesliga-Team der Tri-Speedys mehrere Dinge verantwortlich: Die mentale Unterstützung der Klubkollegen in der Heimat, die ihm beim Spinning-Marathon in Vöhrum die Daumen drückten und die Live-Ergebnisse verfolgten. Dass er sah, dass auch Szenegrößen immer wieder gehen mussten. Die Unterstützer, die ihm Geld für die 10 000 Euro teure Hawaii-Reise gespendet hatten. Die Eiswürfel, die er sich an jeder Verpflegungsstation in den Rennanzug schüttete. Die Motivation der Athleten untereinander. „Klar sind Triathleten auch Konkurrenten. Aber irgendwie tritt man doch nur gegen sich selber an“, stellte Patrick Harms fest.

Die letzten fünf Kilometer lief er dann sogar wieder durch, zu groß war der Reiz, doch noch ein Tageslicht-Finisher zu werden. Er schaffte es! Die Marathon-Uhr blieb bei 4:20,41 Stunden stehen. Der Lauf durchs Ziel sei eine Mischung aus Erleichterung, Enttäuschung über die Marathon-Zeit und purer Begeisterung gewesen. Mehrere Tage brauchte sein Körper, um die Strapazen zu verarbeiten. Die „totale Müdigkeit“ bekämpfte Patrick Harms mit viel Zeit im Bett und auf dem Sofa. Und die Hitze des Rennens konterte er mit XXL-Portionen Eiscreme. „Es gab viele interessante Sorten auf Hawaii – und ich habe viele davon geschafft“, stellte er schmunzelnd fest.

Riesig gefreut hat er sich über die vielen Glückwünsche im Bekanntenkreis. Nochmal Hawaii? Auch deshalb beantwortet der Tri-Speedy diese Frage trotz aller Strapazen und Kosten mit einem klaren Ja: „Der Ironman und die Stimmung auf Hawaii ist einzigartig. Das ist die Bühne für unseren Sport, auf der wir Triathleten zeigen können, was in uns steckt. Das habe ich noch nicht ganz hingekriegt. Deshalb habe ich mit Hawaii noch eine Rechnung offen“, betont er.

Von Christian Meyer

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