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Sport Regional „Ich habe unter der Sportpädagogik gelitten“
Sportbuzzer Sportmix Sport Regional „Ich habe unter der Sportpädagogik gelitten“
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14:01 02.06.2018
Besucher aus Sportvereinen, Kindergärten, Schulen und Sportverbänden verfolgten die Referate von (kleines Bild:) Sabine Meltzow (links) und Bettina Arasin.
Besucher aus Sportvereinen, Kindergärten, Schulen und Sportverbänden verfolgten die Referate von (kleines Bild:) Sabine Meltzow (links) und Bettina Arasin. Quelle: Matthias Press
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Kreis Peine

Von den Kindern, die sich viel bewegen, haben 27 Prozent Defizite in der motorischen, sprachlichen oder geistigen Entwicklung. Von Kindern, die sich kaum bewegen, sind es 54 Prozent. Das ist das Ergebnis der „Schul-Eingangsuntersuchung“. Und das ist auch der Grund gewesen, das Thema in den Mittelpunkt der Kreissportkonferenz zu stellen. Titel: „Bildung, Bewegung und Gesundheit“.

Als der Kreissportbund und der Landkreis den „Pakt für den Sport“ abschlossen, gehörte zu der Vereinbarung nicht nur die finanzielle Unterstützung des Sports, sondern auch die Einrichtung der Kreissportkonferenz. Bei diesem alle zwei Jahre stattfindenden Treffen sollen Vertreter von Sport, Politik, Verwaltung, Schule und weiterer Institutionen aktuelle Themen besprechen.

Diesmal waren Lehrer, Mitarbeiter aus Kindergärten sowie Vereins- und Verbandsvertreter in den Woltorfer Landkrug gekommen. Sie hörten sowohl von Dr. Sabine Meltzow (Leiterin des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes im Peiner Gesundheitsamt) als auch von Dr. Bettina Arasin (Lehrerin, Psychologin und LSB-Referentin), dass es nicht um Leistungssport gehe, wenn man das Bewegen bei Kindern fördern will, sondern um die Vermittlung von Spaß.

„Ich war als Kind moppelig und habe unter der Sportpädagogik gelitten“, erzählte die heute gertenschlanke Meltzow. „Ich wurde immer als Letzte oder Vorletzte gewählt.“ Auch Arasin kritisierte die Bemessung an sportlichen Spitzenwerten. Das könne zu Frustration führen und damit das Gegenteil von dem bewirken, was beabsichtigt war. Dabei sei Bewegung wichtig für die Entwicklung des Gehirns. „Bewegung fördert dessen strukturellen Aufbau“, stellte Arasin fest und fragte, warum Kinder so oft zum Stillsitzen gezwungen werden. „Bewegung fördert die Konzentration.“

Bewegung, Bildung und Gesundheit sind folglich einander beeinflussende Faktoren. In kleinen Arbeitsgruppen diskutierten die Besucher der Kreissportkonferenz, welche Hemmnisse es dafür in Kindertagesstätten und Schulen gibt und welche Schritte zur Förderung erforderlich wären. Als Hemmnisse benannt wurden sportliche Untätigkeit durch Zeitmangel oder geeignete Räume bis hin zu unpassenden Lehrplänen. Fördernde Faktoren könnten neue Ideen wie „Kinderbewegungstage“ sein, bei denen auch die Eltern eingebunden werden. Wichtig sei aber auch ein Abbau der Bürokratie und mehr schulischer Freiraum – insbesondere aber die Regelmäßigkeit der Bewegungsangebote.

Von Matthias Press