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Der Ringrichter forderte die Kontrahenten auf, jetzt mal zuzuschlagen

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16:53 05.02.2021
Erinnern sich an die Bezirksmeisterschaft vor 40 Jahren: Ömer (links) und Kazim Yilmaz.
Erinnern sich an die Bezirksmeisterschaft vor 40 Jahren: Ömer (links) und Kazim Yilmaz. Quelle: Matthias Press
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Peine

Fast exakt 40 Jahre ist es her, dass sich die Brüder Ömer und Kazim Yilmaz im Ring gegenüberstanden. Beide Boxer des BC 62 Peine hatten sich in der Vorrunde durchgesetzt und trafen im Finale der Bezirksmeisterschaft im Schüler-Papiergewicht (bis 45 Kilogramm) aufeinander. „Nach der ersten Runde sagte der Ringrichter, dass wir jetzt auch mal zuschlagen sollten. Schließlich sei es hier das Finale“, erinnert sich Ömer Yilmaz lachend. Die Brüder trugen identische Strümpfe, Hosen und Hemden. „Die Shirts mussten wir links herum tragen, weil vorn ’Jägermeister’ draufstand. Ich weiß es noch wie heute“, erzählt Ömer. „Es war eine schöne Zeit.“

„Gegen den Bruder zu boxen, ist schon ein bisschen komisch“, sagt Kazim Yilmaz, der am Ende gewann. Fünf Jahre später wurde er Norddeutscher Meister. „Der Verlierer durfte zu den Deutschen Meisterschaften. Ich nicht“, erinnert sich der Peiner. Denn um bei der DM zu starten, musste man – anders als heute – einen deutschen Pass haben. Den hatten damals die meisten Boxer des BC 62 nicht.

Ende der 70er Jahre waren eine ganze Reihe türkischstämmiger Kinder und Jugendlicher in den Verein eingetreten, um das Boxen zu lernen – darunter neben den Yilmaz-Brüdern auch Hadi und Harun Bacaksiz. Die Peiner Truppe war so erfolgreich, dass nicht nur die PAZ, sondern auch die türkische Zeitung Hürriyet über sie berichtete. Am erfolgreichsten war Mustafa Er, der später Bundesligakämpfer wurde und auch bei Länderkämpfen für die Türkei in den Ring stieg.

Die Bundesliga-Starterlaubnis im Box-Pass hatte auch Kazim Yilmaz, der – für einen Wolfsburger Verein – bis zur Oberliga im Einsatz war. „Ich hatte damals 250 Mark für einen Kampf bekommen. Das war viel Geld“, erinnert er sich. Zu Jugendzeiten beim BC 62 hatten die Jungs nicht so viel Geld zur Verfügung. „Ich hatte mit Ömer oft die Klamotten getauscht“, erinnert sich Kazim Yilmaz. „Box-Schuhe zum Beispiel hatten hundert Mark gekostet. Zahnschutz gab’s gar nicht, und als eigenes Sportgerät hatten wir nur ein Seil. Das hatten wir beim Trainer gekauft.“

Der hieß Kurt Schröter. Er fuhr hin und wieder in die DDR und kaufte dort Box-Utensilien ein. „Die waren viel billiger als im Westen“, sagt Kazim Yilmaz. Bei Schröter lernten die Jungs neben Box-Technik vor allem eines: Disziplin. Konditionell hatten sie dem heutigen Box-Nachwuchs etwas voraus. „Wir sind vom Herzberg zum Eixer See und dann über Eixe, Vöhrum und Telgte zurück zum Goltzplatz gelaufen. Oder auch mal über Wendeburg nach Braunschweig“, erinnert sich Ömer. „15, 20 Kilometer. Regelmäßig und zusätzlich zum Training in der Halle der Wallschule.“

Dafür wären heute die Wenigsten zu begeistern – obwohl es nach wie vor große Box-Talente gibt. „Ich habe einen Zehnjährigen, der ist phänomenal“, sagt Kazim Yilmaz, der nicht mehr beim BC 62 aktiv ist, sondern den Box-Club Black Panthers Peine gegründet hat.

Sein Ziel: „Ich möchte einen der Jungs bis zum Deutschen Meisterschafts-Titel bringen.“ Mit Dennis Gergert war es ihm fast geglückt, aber der verlor das Finale im Mai 2016 äußerst knapp. „Vielleicht habe ich den Fehler gemacht, nicht zur Unterstützung mitgefahren zu sein“, sagt der Panthers-Chef, der damals im Urlaub war. Von den BC-62-Jungs vor 40 Jahren hätten seiner Meinung nach mehrere den Titel als Deutscher Meister geholt. „Aber sie durften ja nicht teilnehmen.“

Von Matthias Press