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Sport Regional Corona-Krise bremst auch Peines FSJler im Sport aus
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18:57 17.03.2020
Woltorfs Torwart Moritz Meier absolviert beim Kreissportbund Peine ein Freiwilliges Soziales Jahr im Sport. Sein Jugend-Training in Woltorf ist aufgrund der Corona-Krise gestrichen.   Quelle: Foto: Christian Meyer
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Kreis Peine

Luca Anders ist nur froh, dass in der heimischen Garage in Duttenstedt eine Tischtennis-Platte steht. „Zum Glück spielt meine Mutter auch, dann können zumindest wir zusammen trainieren“, sagt er. Bis vergangenen Freitag hat der Lieblingssport des 19-Jährigen dessen Tagesablauf bestimmt. Denn er schlägt nicht nur selbst erfolgreich in der Bezirksoberliga-Mannschaft des SV Arminia Vechelde II auf, er gibt auch täglich Training für Kinder und Jugendliche. Luca Anders absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr im Sport beim Tischtennis-Kreisverband – doch die Corona-Krise bremste ihn jäh aus.

Nachdem die Sportverbände den Vereinen die Einstellung des Trainingsbetriebs empfahlen, war Luca Anders von heute auf morgen beschäftigungslos in seinem FSJ. „Ich konnte mich nicht mal persönlich von den Trainingsgruppen verabschieden“, bedauert der 19-Jährige. Beim MTV Groß Lafferde, der SG Solschen, Arminia Vechelde und dem TSV Münstedt brachte er vor der Corona-Krise den Kindern das Tischtennis-Einmaleins bei. In Schul-AGs an den Grundschulen in Vechelde und Rosenthal machte er Anfängern Appetit auf seinen Lieblingssport. „Ich gebe mein Wissen gerne an andere weiter. Und zu sehen, wenn das etwas bewirkt, ist einfach schön. Die Arbeit mit Kindern macht Spaß“, sagt der Duttenstedter.

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Luca Anders ist begeisterter Tischtennis-Spieler. Training kann er in seinem FSJ beim Kreissportbund jetzt aber wegen der Corona-Krise nicht geben. Quelle: Ralf Büchler

Wann er dem Nachwuchs wieder einen raffinierten Aufschlag zeigen kann, ist unklar. Wie es nun mit Luca Anders im FSJ weitergeht, auch. „Wir sind ein kleiner Kreisverband, da gibt es nicht unzählige Verwaltungstätigkeiten. Ich werde mich beim Landesverband mal nach Alternativ-Aufgaben umhören, aber ich befürchte, selbst das wird schwierig“, sagt Tischtennis-Kreischef Michael Scholz. Die rund 400 Euro Taschengeld zahlt der Träger aber weiter.

Darum sorgte sich Moritz Meier ohnehin nicht. Er hat eine andere Sorge: „Ob mir die Decke irgendwann auf den Kopf fallen wird.“ Der 18-Jährige aus Schmedenstedt absolviert sein Freiwilliges Soziales Jahr im Sport beim Kreissportbund. Montag war Corona-Krisensitzung in der Geschäftsstelle des KSB, dabei ging es auch um Moritz Meiers Zwangspause als FSJler. Sein Jugend-Fußball-Training in der JSG Woltorf, das Trakour-Trendsport-Training und die Kinder-Gymnastik bei VT Union Groß llsede, die Tischtennis-AGs in der Peiner Burgschule – alles gestrichen. „Gerade diese Praxis-Erfahrung hat mir am meisten Spaß gemacht“, sagt der 18-Jährige.

FSJ-Mentor Ralf Klemm vom Kreissportbund hat für seinen Schützling nun Ersatz-Aufgaben gesucht, die er zu Hause erledigen soll. Moritz Meier wird sich jetzt mit Excel-Tabellen und Statistiken beschäftigen und Presse-Recherchen für das Kreissportbund-Jubiläum zum 75. Geburtstag starten. „Und eine besondere Hausaufgabe hat er auch noch“, verrät Klemm.

„Tag des Sports“ in Peine wird noch geplant

Das ist Moritz Meiers Abschluss-Projekt, an dem er jetzt zu Hause arbeiten soll. Am 13. Juni möchte er einen „Tag für den Sport“ auf dem Silberkamp-Sportplatz anbieten, mit einer Art Dreikampf aus Laufen, Lichtpunkt-Schießen und einem Wurfwettbewerb. Zudem sollen Kinder das Mini- oder Park-Sportabzeichen ablegen können und Erwachsene das Sportabzeichen. „Das steht jetzt leider auch auf der Kippe, es wäre echt schade, wenn das nicht stattfinden kann“, sagt der FSJler. Flyer gestalten, Übungsleiter anschreiben, Werbung planen, einen Ablaufplan erstellen – das wird er aber trotzdem noch in seinem „Home-Office“. Irgendwann wird die Corona-Krise schließlich schon enden.

Am 31. Juni endet Moritz Meiers Soziales Jahr im Sport, danach will er möglichst ein duales Studium im Sport- oder Immobilien-Management aufnehmen und wie FSJ-Kollege Luca Anders gerne in der Kreisliga Fußball spielen. Der Torwart und der Verteidiger schnüren gemeinsam für die 1. Herren des VfL Woltorf die Stiefel. Trotz Platz zwei in der 1. Kreisklasse bangt das Team nun um den Aufstieg. Luca Anders hofft deshalb, dass „die Saison nicht annulliert wird und der derzeitige Tabellenstand für den Aufstieg gewertet wird“. Noch lieber wäre ihm aber, dass die Saison so schnell wie möglich fortgesetzt wird und der Trainingsbetrieb wieder anlaufen kann. Im Tischtennis hatte er in der laufenden Saison einen Riesen-Sprung nach vorne gemacht – „Weil ich durch das FSJ jeden Tag an der Platte stand, ist das Ballgefühl immer besser geworden. Wenn das noch lange wegfällt, befürchte ich einen herben Rückschritt bei mir.“

Moritz Meier sehnt noch etwas anderes herbei: Das Ende der Bundesliga-Pause. Er ist großer Fan des FC Bayern. „Ich hatte das große Glück, dass ich das letzte Spiel vor Publikum gegen Augsburg noch in München mit meinem Kumpel Sascha Ehlers gesehen habe.“

Von Christian Meyer

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