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Sport Regional Bei 14 Grad Wasser-Temperatur: Training im Garten-Pool
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17:09 24.04.2020
Wegen der Corona-Krise ist der Garten-Pool schon eröffnet: Bei 14 Grad Wasser-Temperatur trainiert Schwimm-Talent Franziska Schindler im Garten in Klein Ilsede.
Wegen der Corona-Krise ist der Garten-Pool schon eröffnet: Bei 14 Grad Wasser-Temperatur trainiert Schwimm-Talent Franziska Schindler im Garten in Klein Ilsede. Quelle: privat
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Klein Ilsede

Dass ihr Vereinstraining im Peiner Hallenbad ins Wasser fällt, dazu hat die Corona-Krise geführt. Doch den sportlichen Ehrgeiz von Schwimm-Talent Franziska Schindler kann die Situation nicht ausbremsen. Sie schlüpfte kurzerhand in den Neopren-Anzug und trainierte mitten im April bereits im Salzgitter-See. „Endlich mal wieder lange Bahnen ziehen, aber nach 30 Minuten sind Hände und Füße ganz schön kalt.“ Und in den eisigen Pool im eigenen Garten wagte sie sich auch schon. „Den hat mein Vater extra für mich fit gemacht. 14 Grad Wassertemperatur und ein wenig kurz die Bahn. Aber egal – endlich wieder Wasser um die Nase! Und mit einem langen Neo geht das ganz gut“, sagt die 15-Jährige vom Peiner Schwimm-Verein.

Noch vor ein paar Wochen war die Welt der 15-Jährigen in Sachen ihres liebsten Hobbys völlig in Ordnung. Denn beim Schwimmfest des TSV Hohenhameln räumte sie ab, errang in ihrer Altersklasse fünf Einzelsiege über 100 Meter Rücken, Freistil und Lagen sowie über 50 und 100 Meter Schmetterling. Mehr noch: Die Zeiten der mehrfachen Kreismeisterin waren auf drei Strecken so gut, dass sie die Landesmeisterschafts-Quali bedeuteten. „Leider fallen die Titelkämpfe wegen Corona aus. Ich hoffe sie werden nachgeholt“, bedauert Franziska, deren gewöhnlicher Trainingsumfang drei Einheiten die Woche umfasst. „Außerdem ziehe ich schon seit längerer Zeit am Wochenende im Peiner Hallenbad meine Bahnen. Denn mein Ziel ist es, die Qualifikation für die Norddeutsche Meisterschaft 2021 zu schaffen. Wenn ich mir den Hintern aufreiße, liegt das auch drin.“

Für Außenstehende, die meinen, lange Strecke im Wasser runterzureißen sei langweilig, hat sie ein mildes Lächeln übrig. „Unser Training ist aufgelockert. Wir schwimmen abwechselnd kurze, mittellange und lange Distanzen. Und das in verschiedenen Disziplinen, mit unterschiedlichen Schwerpunkten – mal werden hauptsächlich die Beine beansprucht, mal die Arme. Außerdem bin ich gern im Wasser, da fühle mich frei“, betont die Klein Ilsederin, die schon im Alter von vier Jahren schwimmen lernte.

Freistil und Delfin sind ihre Parade-Disziplinen. Mit Brust-Schwimmen hat sie weniger am Hut. „Um sich über Wasser zu halten, ist Brust zwar am leichtesten. Aber wettkampfmäßig ist Brust am schwersten. Es schaffen nur wenige, die richtige Koordination von Armen und Beinen gut zu beherrschen“, erläutert die Neuntklässlerin des Groß Ilseder Gymnasiums, die selbstkritisch einräumt, dass ihre allgemeine Schwimm-Stilistik Potenzial nach oben hat. „Meine Körperspannung lässt zu oft nach, weil ich unkonzentriert bin.“ Doch wer am Ende bei Schwimm-Wettkämpfen gewinnt, sei nicht allein eine Frage sauberer Technik. „Auf den letzten Metern, wenn die Kraft nachlässt, ist alles Willenssache. Man muss Biss haben und durchziehen.“

Mehr als starken Willen bewiesen hat Paul Biedermann, der 2009 Schwimm-Weltmeister über 200 und 400 Meter Freistil wurde. Ihn lernte Franziska Schindler vor rund drei Jahren während eines Urlaub in Griechenland kennen. Dabei ergab sich, dass der Weltstar die damals 13-Jährige zum Schnuppertraining ins Schwimm-Leistungszentrum nach Halle einlud. „Kurze Zeit später trainierte ich dort eine Woche mit. Es war hart, dreimal am Tag Training, dazu noch Schule“, erinnert sich die Klein Ilsederin, der schnell klar wurde, dass das nicht ihre Welt ist. „Ich hätte hinziehen müssen, hätte meine Freunde und Familie aus den Augen verloren. Das wollte ich nicht.“

Zudem wurde ihr seinerzeit bewusst, dass es von den Leistungen her für die ganz große Karriere wohl nicht gereicht hätte. Daher setzt sie sich seitdem bescheidenere Ziele. „Als nächstes möchte ich meine Zeiten über 50 Meter Freistil und Schmetterling unter 30 beziehungsweise 31 Sekunden drücken“, erläutert Franziska Schindler, deren innigster Wunsch es ist, dass der Schwimm-Alltag bald wieder zurückkehrt. „Denn die Freunde der PSV-Trainings-Gruppe fehlen mir besonders.“

Fünf Fragen an Franziska Schindler

Welchen Sportler möchtest Du gerne einmal treffen? Franziska van Almsick. Sie gewann 1992 als 15-Jährige Medaillen bei den Olympischen Spielen in Barcelona.

Und was würdest Du sie fragen? Wie sie zum Schwimmen kam und wie sie es schaffte, über so viele Jahre dranzubleiben.

Was ist Dein Traumberuf? Chirurgin, weil es ein abwechslungsreicher Beruf ist. Man kann anderen helfen. Und Chirurgen brauchen Mut, denn sie haben das Leben anderer Menschen in der Hand.

Du hast noch fünf Euro Taschengeld, was kaufst Du dir davon? Nichts. Ich würde das Geld für Größeres sparen.

Welche Schlagzeile würdest Du über Dich gerne einmal in der Zeitung lesen? Franziska Schindler hat bei der Norddeutschen Meisterschaft persönliche Bestzeit geschwommen.

Von Jürgen Hansen