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Sport Regional Aloha! Tri-Speedy erkämpft sich die Hawaii-Qualifikation
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18:10 18.08.2018
Patrick Harms von den Tri-Speedys Peine schaffte beim Ironman in Hamburg die Qualifikation für Hawaii – und bekam die Qualifikations-Plakette samt Hawaii-Cap (Bild rechts).
Patrick Harms von den Tri-Speedys Peine schaffte beim Ironman in Hamburg die Qualifikation für Hawaii – und bekam die Qualifikations-Plakette samt Hawaii-Cap (Bild rechts). Quelle: privat
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Hamburg

Paul Kuhn wollte nicht nach Hawaii, weil es dort angeblich kein Bier gibt. Patrick Harms will nach Hawaii, weil es dort das legendärste und härteste Triathlon-Rennen der Welt gibt. Der 32-Jährige von den Tri-Speedys Peine hat beim Ironman in Hamburg das WM-Ticket gelöst – und deshalb beim Zieleinlauf nach einer 8:14,59-Stunden-Tortour sogar gegrinst, obwohl es jetzt ganz schön teuer für ihn wird.

Im Vorfeld hat er bis zu 25 Stunden in der Woche trainiert, strampelte am Wettkampftag 180 Kilometer mit dem Rad und rannte direkt danach noch die 42,195 Kilometer beim Hitze-Marathon bei rund 30 Grad – doch am meisten geschwitzt hat Triathlet Patrick Harms von den Tri-Speedys Peine bei der Siegerehrung des Ironman-Wettbewerbs in Hamburg. Denn: Fast wäre ihm sein gerade mühsam erkämpftes WM-Ticket für Hawaii noch entglitten. Die 1000 Dollar Startgebühr dafür müssen direkt mit der Kreditkarte bezahlt werden, doch die des 32-Jährigen streikte. Was für ein Glück, dass Vereinskollege Niklas Arndt dabei war. „Er hat für mich bezahlt. Ich weiß gar nicht, wie häufig ich ihm dafür schon gedankt habe“, sagt Patrick Harms.

Mit Magenkrämpfen aufgewacht

Mythos Hawaii – der IT-Architekt aus dem Landesliga-Team der Tri-Speedys darf vom Zieleinlauf in Kailua-Kona träumen, weil er in Hamburg ein Traum-Rennen hinlegte, obwohl er am Morgen noch mit Magenkrämpfen aufgewacht war. „Vielleicht war es zu viel Pasta am Vorabend“, spekuliert Harms.

Zu viele Blaualgen waren es auf jeden Fall – deshalb musste das Schwimmen in der Alster kurzfristig abgesagt werden. Aus dem Triathlon wurde ein Duathlon, ein 6-Kilometer-Lauf ersetzte das Schwimmen. „Grundsätzlich war das für mich eher ein Vorteil, weil ich ein starker Läufer bin“, sagt Patrick Harms. Dass seine minutiöse Vorbereitung durch die zweite Lauf-Einheit allerdings etwas über den Haufen geworfen war, machte ihn doch etwas nervös. Zu unrecht: „Die Beine haben sich locker angefühlt, und ich war etwas flotter als geplant unterwegs.“ In 25:08 Minuten meisterte er den Auftakt.

Unerwartet ausgebremst wurde er jedoch plötzlich auf dem Rad: Eine fiese Kopfsteinpflaster-Passage! „Das war in der Wettkampf-Besprechung nicht angekündigt“, bedauerte Harms, der samt Hightech-Rennmaschine so durchgerüttelt wurde, dass er eine Flasche verlor und stoppen musste. Doch das war ein Mini-Malheur im Vergleich zu dem, was ihm bei seinem Ironman-Debüt in Hamburg im vergangenen Jahr passiert war. Im Tumult nach dem Schwimmen trat ihm ein Triathlet den Zehennagel ab. „Ich dachte erst: Das war’s, der Zeh ist gebrochen“, erinnert sich Harms. Doch er überwand den Schmerz und erlebte prompt die nächste Panne. Bei einer Toilettenpause wurde sein Rad umgestoßen: Der Tri-Speedy musste eine verklemmte Bremse und eine Acht im Vorderrad notdürftig reparieren. „20 bis 30 Minuten sind damals draufgegangen“, schätzt Patrick Harms. Doch er kämpfte sich durch und fand angesichts dessen seine Zielzeit von 10:07 Stunden „mega-genial“. Diesmal schaffte er den Ironman fast zwei Stunden schneller!

Marathon bei 30 Grad

In 4:37,01 Stunden hatte er die 180 Kilometer auf dem Rad abgerissen, für die selbst geübte Hobby-Radler mehrere Tage brauchen. Und direkt danach noch ein Marathon bei 30 Grad! Motorisch lief alles wie am Schnürchen, doch die Magenkrämpfe ärgerten ihn noch etwas. Nicht nur Cola und Wasser beruhigten. „Ich habe auch an die Schweizer Triathletin Daniela Ryf gedacht“, verrät Harms. Von der Olympionikin hatte er mal gelesen, dass sie gleich ihren ersten Langdistanztriathlon ihrer Karriere gewonnen hatte – mit Magenschmerzen! Das spornte den Tri-Speedy an. Und tatsächlich: Mit einem Grinsen im Gesicht erreichte er die Zielline in der Marathon-Zeit von 3:04,46 Stunde und klatschte noch überglücklich den Moderator ab. Patrick Harms hatte die 42,195 Kilometer des Ironmans damit sogar noch schneller abgerissen als bei seinem einzigen Marathon-Solo. Das feierte er mit einer XXL-Portion Schokoladeneis und einer großen Pizza. „Ich brauchte was Salziges, was Fettiges und was Süßes.“

Es hätte auch ruhig eine Pizza Hawaii sein können. Denn Patrick Harms hatte sich tatsächlich das WM-Ticket erkämpft. Doch das erfuhr er erst bei der Siegerehrung. Für seine Altersklasse 30 bis 34 waren drei Startplätze zu vergeben. Der Tri-Speedy wurde in Hamburg Vierter – Teamkollegen hatten zwar zu Hause schon recherchiert, dass der Zweitplatzierte vermutlich verzichten wird. Doch die Nacht im Hotel vor der Entscheidung war fast so anstrengend wie der Wettkampf. „In meinem Kopf drehte es wie verrückt.“

Die erlösende Entscheidung

Die Siegerehrung am nächsten Morgen erinnerte Patrick Harms an den Heiligen Abend als Kind. „Bis man endlich die Geschenke auspacken durfte, dauerte es damals auch viel zu lang.“ Doch dann kam sie endlich, die erlösende offizielle Entscheidung: Aloha, Patrick Harms ist im Oktober dabei!

Die Strapazen der Vorbereitung mit sechs mehrstündigen Trainingstagen in der Woche hatten sich ausgezahlt. Schlafen, arbeiten, essen, trainieren, mitunter sogar Radfahren auf der Rolle vorm Fernseher im Wohnzimmer – so sah der Alltag aus. „Wenn sich Besuch angesagt hatte, war panisches Aufräumen angesagt“, verrät Harms. Seine Freunde und Verwandten nahmen es nicht nur mit Humor, sie unterstützen ihn auch. Schwester Saskia erstellte sogar eine Crowdfunding-Seite im Internet, auf der Unterstützer den Hawaii-Start des Braunschweigers mit Geldspenden mitfinanzieren können. Denn es wird teuer: „Ich schätze, ich werde für die Reise um die 5000 Euro benötigen. Unter anderem brauche ich noch einen Rad-Koffer, in dem ich mein Rennrad für den Flug verstauen kann“, erläutert der 32-Jährige.

Viel Geld, um sich bei brütender Hitze zu quälen. Doch eine Ironman-Schufterei ist für Patrick Harms das Glück pur, weil er etwas schafft, was nur wenige schaffen. „Es ist einfach geil“, sagt er.

Von Christian Meyer