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Hannover 96 Das war’s!
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18:16 06.03.2016
Von Heiko Rehberg
„Die Art und Weise, wie wir die Tore bekommen, ist fahrlässig“: Das sagte 96-Trainer Thomas Schaaf über seine Mannschaft nach dem 1:4 in Bremen. Auch Kapitän Christian Schulz (großes Bild) gehörte zu den sieben Zuschauern, die Werders Claudia Pizarro beim 2:0 beobachteten. Fotos: Sielski (3), Sky
„Die Art und Weise, wie wir die Tore bekommen, ist fahrlässig“: Das sagte 96-Trainer Thomas Schaaf über seine Mannschaft nach dem 1:4 in Bremen. Auch Kapitän Christian Schulz (großes Bild) gehörte zu den sieben Zuschauern, die Werders Claudia Pizarro beim 2:0 beobachteten. Quelle: sp / Sielski
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Wenn am 34. Spieltag alles vorbei ist und sich Hannover 96 - das Ausbleiben des größten Fußballwunders aller Zeiten vorausgesetzt - in Richtung 2. Liga verabschiedet, dann wird man auf dieses eine Bild von der 1:4-Pleite bei Werder Bremen zurückkommen. Weil es das Sinnbild für die ganze Saison ist und alles, was diese 96-Mannschaft verkörpert, in einer Szene zusammenfasst.

Es ist das Bild vom 2:0 des Bremers Claudio Pizarro, die Mitarbeiter des Bezahlfernsehsenders „Sky“ waren so freundlich, die Szene als Standbild einzufrieren. Zu erkennen sind sieben hannoversche Feldspieler, die im Halbkreis mit gebührendem Abstand teilnahmslos um Pizarro herumstehen und zuschauen, wie er den Ball gleich ins Tor befördern wird. Als Thomas Schaaf auf diesen Treffer angesprochen wurde, sagte er fast ein bisschen abfällig: „Es hätte nur noch gefehlt, dass sie Beifall klatschen.“

Zum wiederholten Male musste sich Schaaf über die Begriffsstutzigkeit seiner Mannschaft wundern. „Wir hatten uns vorgenommen: den Bremern keinen Raum geben, sie nicht spielen lassen, sie in Zweikämpfe verwickeln.“ Bei Pizarros Tor sah die Umsetzung der hannoverschen Profis dann so aus: Sie ließen Werder spielen und dem Bremer Stürmer sträflich viel Raum, auf Zweikämpfe verzichteten sie lieber gleich ganz. Leider nicht nur beim 0:2.

96 verblüffte im Weserstadion mit einem Kunststück: Eindrucksvoll führte das Team vor, dass es immer noch ein bisschen schlimmer geht. Das will was heißen für einen Club, der seinen Tiefpunkt in dieser Saison bereits mehrfach erreicht zu haben schien, zum Beispiel beim 0:1 gegen Mainz, dem 0:1 gegen Augsburg oder dem 0:4 gegen Wolfsburg. „Man kann sich bei uns darauf verlassen, dass man sich auf nichts verlassen kann“, sagte ein spürbar frustrierter Schaaf nach der Partie. Die Werder-Fans formulierten das Mitte der zweiten Halbzeit singend etwas anders: „Und so spielt ein Absteiger.“ Widerspruch unmöglich.

Die Vorstellung von Hannover 96 war bereits schwer erträglich, doppelt ärgerlich machte sie die Tatsache, dass die Bremer den Gästen den Spiegel vorhielten. Werder spielte, wie es sich 96-Fans von ihrer Mannschaft wünschen: leidenschaftlich, stürmisch, kämpferisch. Die Bremer präsentierten sich wie ein Team, das unbedingt in der 1. Liga bleiben will, 96 spielte Iver-Fossum-Adam-Szalai-Fußball: gemächlich, unbeteiligt, emotionslos.

Die 90 Minuten in Bremen zeigten das ganze Elend dieser merkwürdigen Truppe: In ihr stehen Spieler wie Ceyhun Gülselam, die wollen, aber nicht können, zumindest nicht in der 1. Liga. Dazu kommen Profis wie Oliver Sorg, die mit großen Versprechungen eingekauft wurden und Woche für Woche fast alles schuldig bleiben. Und es gibt welche wie Fossum oder Szalai, die eine gewisse Klasse haben, die durch ihre Teilnahmslosigkeit auf dem Platz aber fast vollständig verschleiert wird.

Hiroshi Kiyotake, dieser wunderbare Kicker, dessen Kraft nach seiner Verletzungspause für eine halbe Stunde reicht, wirkte auch gegen Werder in dieser Elf wie jemand, den eine Amateurmannschaft in einem RTL-Gewinnspiel bei „Holt euch einen Star“ ergattert hat.

Und was bleibt an Hoffnung, neun Spieltage vor Schluss? „Nach so einem Spiel brauche in von Hoffnungsschimmer nicht zu reden.“

Der Satz stammt von 96-Geschäftsführer Martin Bader.