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Hannover 96 Hannover bricht Negativrekord von Tasmania
Sportbuzzer Hannover 96 Hannover bricht Negativrekord von Tasmania
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00:16 16.03.2016
„Es ist kaum noch in Worte zu fassen“: 96-Verteidiger Oliver Sorg (vorn) war nicht nur bei der Kölner Führung nicht auf der Höhe. Fotos: Treblin (2), Lobback, dpa
„Es ist kaum noch in Worte zu fassen“: 96-Verteidiger Oliver Sorg (vorn) war nicht nur bei der Kölner Führung nicht auf der Höhe. Fotos: Treblin (2), Lobback, dpa Quelle: Maike Lobback
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Hannover

Es war wirklich kein schönes Spiel. Eher ein ziemliches Gerumpel, nicht einmal Tore gab es. Sonntagnachmittag, Anstoß 13.30 Uhr, trennten sich der Karlsruher SC und der 1. FC Heidenheim mit 0:0. So mancher 96-Fans wird nach dem Heimspiel der „Roten“ am Sonnabend gegen den 1. FC Köln schon einmal einen Blick auf die Spiele und Tabelle der 2. Fußball-Bundesliga geworfen haben. Nach fast 14 Jahren in der Bundesliga ist der Zeitpunkt gekommen, sich mit neuen Namen und anderen Anstoßzeiten zu beschäftigen und die Situation zu akzeptieren - auch wenn es noch so schwerfällt. Nach dem 0:2 gegen Köln ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit klar: In der nächsten Saison spielt Hannover 96 nicht mehr gegen die Bayern oder Borussia Dortmund, sondern gegen den KSC und Heidenheim.

„Es ist kaum noch in Worte zu fassen. Wir können den Schalter einfach nicht umlegen, ein absolutes Desaster“, beschrieb 96-Torwart Ron-Robert Zieler den Auftritt seines Teams gegen die Rheinländer. Wie so oft in den Spielen davor, fiel die Mannschaft auch gegen Köln nach dem ersten Rückschlag in sich zusammen wie ein mit zittriger Hand gebautes Kartenhaus beim ersten Luftstoß. Der Treffer des ehemaligen 96-Profis Leonardo Bittencourt zum 1:0 für die Kölner kurz vor der Halbzeit (43. Minute) brachte einmal mehr so viel Zweifel und Unsicherheit ins 96-Spiel, dass danach überhaupt nichts mehr klappte.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte 96 gegen eine in der ersten Halbzeit überraschend schwach spielende FC-Mannschaft mehr vom Spiel und auch zwei große Chancen zur Führung, die Stürmer Adam Szalai jedoch kläglich vergab (26., 30.). Und als Bittencourt nach einer Stunde nachlegte und auf 2:0 erhöhte, war die elfte Heimniederlage von Hannover 96 in 13 Spielen besiegelt - und ein alter Rekord gebrochen.

Eine solche Misserfolgsserie hatte nicht einmal die legendäre „Trümmertruppe“ von Tasmania Berlin weiland 1965/1966 hingelegt. Die Berliner stiegen vor 50 Jahren sang- und klanglos ab, und es deutet nichts darauf hin, dass den „Roten“ dieser Weg erspart bleibt. „Besonders die zweite Halbzeit war unwürdig. Wenn man so spielt, hat man auch keine Punkte verdient“, sagte der sichtlich frustrierte 96-Kapitän Christian Schulz.

Auch bei Trainer Thomas Schaaf saß der Frust tief. „Ich bin mega enttäuscht. Es tut mir leid, dass wir im Moment nicht mehr liefern können“, sagte Schaaf nach der achten Niederlage im neunten Spiel unter seiner Regie. „Es waren ja einige gute Aktionen nach vorn da, aber es gab doch überhaupt keinen Grund, damit aufzuhören.“

Wie sehr ihn der Auftritt seiner Elf getroffen hat, bewies, dass er sofort nach Spielschluss in der Kabine verschwand und lange, lange nicht wieder auftauchte. Erste Rücktrittsgerüchte kamen auf. Die dementierte Schaaf jedoch umgehend. Er wolle intensiv und unbeirrt weiter seinen Weg gehen, sagte der 54-Jährige. Er lasse sich auch nicht in Sachen Vertrag unter Druck setzen - 96-Clubchef Martin Kind hatte vergangene Woche in der HAZ eine Entscheidung in der Trainerfrage bis spätestens Ende März von Schaaf gefordert.

„Ich glaube mit großer Überzeugung daran, dass wir das drehen werden“, sagte der Coach und sorgte für ungläubiges Staunen. „Über alles andere mache ich mir überhaupt keine Gedanken.“

Von Christian Purbs 
und Jörg Grußendorf

Jörg Grußendorf 16.03.2016
16.03.2016