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Fußball Togos Regierung ordnet Rückzug vom Afrika-Cup an
Sportbuzzer Fußball Togos Regierung ordnet Rückzug vom Afrika-Cup an
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13:19 10.01.2010
Unter Schock: Bei dem Rebellenangriff starben drei Mitglieder der Nationalmannschaft Togos.
Unter Schock: Bei dem Rebellenangriff starben drei Mitglieder der Nationalmannschaft Togos. Quelle: afp
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Während sich das Fußball-Team Togos für eine Teilnahme am Afrika-Cup aussprach, forderte Togos Regierungschef Gilbert Houngbo am Sonntag wenige Stunden vor Turnierbeginn die sofortige Rückkehr der Spieler. Die Angreifer drohten mit weiteren Anschlägen am Austragungsort Cabinda. „Wir verstehen die Haltung der Spieler, die in irgendeiner Weise ihre getöteten Kollegen rächen wollen“, sagte Houngbo. „Aber es wäre unverantwortlich für die togoischen Behörden, sie weitermachen zu lassen.“ Die Entscheidung der Regierung stehe fest: „Die Mannschaft muss nach Hause kommen.“ Houngbo rief eine dreitägige Staatstrauer aus.

Rebellen der „Befreiungsfront der Exklave Cabinda“ (FLEC) hatten am Freitag den togoischen Mannschaftskonvoi mit Maschinengewehren überfallen, kurz nachdem dieser den Grenzübergang zwischen der Republik Kongo und der angolanischen Provinz Cabinda passiert hatte. Dabei wurden der Pressesprecher der Nationalmannschaft und der Assistenztrainer getötet. Ein Busfahrer, der zunächst ebenfalls für tot erklärt worden war, schwebte in Lebensgefahr. Insgesamt erlitten neun Menschen Verletzungen, darunter drei Nationalspieler.

Im Gedenken an die beiden Todesopfer habe die Mannschaft entschieden, beim Afrika-Cup mitzuspielen, sagte Nationalspieler Thomas Dossevi der Nachrichtenagentur AFP. Die Entscheidung sei fast einstimmig bei einem nächtlichen Mannschaftsgespräch gefallen. „Uns schmerzt allen das Herz, das ist keine Party mehr, aber wir wollen unsere Nationalfarben, unsere Werte zeigen und dass wir Männer sind“, sagte Dossevi, der im französischen Nantes unter Vertrag steht.

Laut Dossevi hatten die angolanischen Behörden vor der Mannschaftsentscheidung eine Sicherheitsgarantie abgegeben. Nachdem die togoische Mannschaft ihre Teilnahme am Afrika-Cup zunächst abgesagt hatte, hatte der angolanische Regierungschef Paulo Kassoma sie im staatlichen Rundfunk gebeten, noch einmal darüber nachzudenken. Im Eröffnungspiel des Afrika-Cups standen sich am Sonntag in der Hauptstadt Luanda Gastgeber Angola und Mali gegenüber.

Die togoische Nationalmannschaft zählt zu den besten Mannschaften Afrikas und sollte am Montag ihr erstes Spiel in Cabinda gegen Ghana bestreiten. Dem Team gehört auch Assimiou Touré von Bayer Leverkusen an. Der „Bild am Sonntag“ sagte Touré, er habe bei dem Anschlag „Todesangst“ durchlitten, passiert sei ihm aber nichts. Ein voranfahrender Gepäckbus sei „völlig durchsiebt“ worden. „Gottseidank saß ich hinten in der vorletzten Reihe. Die haben vor allem auf den vorderen Teil des Busses geschossen“, sagte er.

Die FLEC-Rebellen warnten am Sonntag vor weiteren Anschlägen. In der Exklave Cabinda würden „die Waffen sprechen“, sagte der im französischen Exil lebende Anführer Rodrigues Mingas der Nachrichtenagentur AFP. Im Bekennerschreiben hatte die Gruppe zuvor bereits eine „Serie gezielter Aktionen auf dem ganzen Gebiet von Cabinda“ angedroht.

Die FLEC kämpft seit 1975 für die Unabhängigkeit des ölreichen Landstreifens am Atlantischen Ozean zwischen der Republik Kongo und der Demokratischen Republik Kongo im Westen Afrikas. Angolas Regierung hatte 2006 ein Friedensabkommen mit einem früheren FLEC-Anführer geschlossen, das die Bewegung jedoch zurückwies.

afp

Heiko Rehberg 08.01.2010