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Fußball Bundesliga stimmt gegen Torlinientechnik
Sportbuzzer Fußball Bundesliga stimmt gegen Torlinientechnik
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00:15 27.03.2014
Drin oder nicht? Die DFL lehnt die Einführung der Torlinientechnologie ab.
Drin oder nicht? Die DFL lehnt die Einführung der Torlinientechnologie ab. Quelle: dpa
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Frankfurt

Abgelehnt. In der Fußball-Bundesliga müssen Schiedsrichter weiter ohne technische Hilfsmittel entscheiden, ob der Ball im Tor war oder nicht. Zur Debatte standen bis gestern die Einführung eines Kamerasystems oder des Chips im Ball – beides wollte die Mehrheit der 36 Klubs aus der 1. und 2. Liga nicht. Auf einer Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) in Frankfurt stimmten nur zwölf Vereine für die technische Revolution. Zu wenig. Eine Zweidrittelmehrheit wäre zur konkreten Auswahl einer der Varianten nötig gewesen. „Damit ist das Thema bis auf Weiteres erledigt“, sagte Ligapräsident Reinhard Rauball.

Einer, der eine Torlinientechnik gerne gesehen hätte, ist Herbert Fandel, der Vorsitzende der Schiedsrichter-Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Nachdem Felix Brych im Oktober nicht erkennen konnte, dass ein Kopfball von Leverkusens Stefan Kießling durch ein Loch im Außennetz im Tor von 1899 Hoffenheim gelandet war und die Bundesliga um ein „Phantomtor“ bereichert wurde, warb Fandel wortreich für die Einführung der Technik. Dass diese Hilfe nun nicht kommt, will Fandel „akzeptieren“. Er hofft, dass sich nach der Ablehnung „der eine oder andere schwerer damit tun wird, Schiedsrichter für strittige Entscheidungen zu kritisieren“.

Der letzte Fall liegt noch gar nicht so lange zurück: Erst am Wochenende war der Unparteiische Christian Bandurski in den Fokus geraten, als er im Zweitligaspiel zwischen dem 1. FC Köln und dem VfR Aalen in der 23. Minute entschied: kein Tor. Auch mithilfe der Fernsehbilder war nicht einwandfrei zu klären, ob Kölns Torwart Timo Horn einen Kopfball von Andrew Hainault noch vor der Linie wegkratzen konnte oder erst dahinter. Das Spiel endete 0:0.

Doch auch der aktuelle Fall konnte die Kritiker nicht überzeugen. Von den 18 Erstligisten stimmten nur neun für die Einführung der Technik, darunter Bayern München, Borussia Mönchengladbach, 1899 Hoffenheim, Bayer Leverkusen, Werder Bremen und Hannover 96. Noch weniger Freunde fand das System in der 2. Liga: Nur drei Zweitligisten votierten für die Torlinientechnik. „Wir werden in Zukunft weiter mit Fehlentscheidungen leben müssen. Diejenigen, die gegen die Torlinientechnologie gestimmt haben, sollten dann aber auch nicht mehr lamentieren“, sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Möglicher Grund für das klare Nein: die Kosten, die die Klubs hätten tragen müssen. Ein Kamerasystem hätte auf drei Jahre rund 500 000 Euro gekostet, der Chip im Ball rund 250.000 Euro. „Nicht tragbar“, findet Jörg Schmadtke, Geschäftsführer des 1. FC Köln.
DFL-Geschäftführer Andreas Rettig war von dem eindeutigen Votum überrascht. Er habe einen Entscheid erwartet, „nach dem wir in die Ausschreibung für die Art der technischen Hilfsmittel gehen“. Das können sich die Verantwortlichen nun sparen. Auch Christian Seifert, Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung, sprach von einem „demokratischen Votum, das es zu akzeptieren gilt“. Die Qualität der Bundesliga steige oder falle nicht mit einer Torlinientechnik.

Laut Rettig machen Torentscheidungen fünf Prozent der umstrittenen Schiedsrichterpfiffe (oder eben Nicht-Pfiffe) aus. Die anderen 95 Prozent seien zum Beispiel Abseits- und Foulentscheidungen. „Die Ligen bestehen aus den Klubs. Deshalb gilt ihre Entscheidung. Wichtig ist nach wie vor auf dem Platz“, fasste Seifert den Tag im typischen Fußballdeutsch zusammen.

Eric Zimmer

23.03.2014
31.03.2014