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Amateurfußball Peine KSB-Chef Laaf: Kreistag soll Arbeit des Kreissportbundes beurteilen
Amateurfußball Peine KSB-Chef Laaf: Kreistag soll Arbeit des Kreissportbundes beurteilen
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15:00 05.04.2020
Wilhelm Laaf bestreitet seine letzte Amtszeit als Vorsitzender des Kreissportbundes Peine.
Wilhelm Laaf bestreitet seine letzte Amtszeit als Vorsitzender des Kreissportbundes Peine. Quelle: Isabell Massel
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Kreis Peine

Nicht nur wegen Corona: Auf den Sport im Kreis Peine kommen Veränderungen zu. Der Kreissportbund-Vorsitzende Wilhelm Laaf bestreitet seine letzte Amtszeit, die noch bis zum Kreissporttag 2001 läuft. Und der „Pakt für den Sport“ läuft im gleichen Jahr aus. Er ist wesentlich für die Arbeit des KSB in der jetzigen Form, wie Laaf im Interview betont.

Der Pakt für den Sport besteht seit mehr als acht Jahren, und andere Kreise und Kreissportbünde haben das Peiner Modell übernommen. Wer hatte die Idee für das Vertragswerk?

Wir haben das Modell aus Nordrhein-Westfalen übernommen. In Niedersachsen sind bisher nach meiner Kenntnis die Sportbünde Northeim und Grafschaft Bentheim unserem Beispiel gefolgt. Andere denken über einen Abschluss nach.

Wie ist Ihre Bilanz nach der bisherigen Laufzeit? Was war gut, was kann besser werden?

Gut ist, dass wir professioneller arbeiten können. Früher waren zwei Mitarbeiter in der Geschäftsstelle, die lediglich verbandliche Aufgaben erledigt haben. Heute sind es sechs Personen. Die Aufgabenbreite ist über die verbandlichen Aufgaben hinaus gestiegen, beziehungsweise verbessert worden. Heute wirkt der KSB mehr in die Gesellschaft, auch außerhalb des reinen Vereinssports. Die Anzahl der vielen Kooperationsverträge zum Beispiel mit der Kreisvolkshochschule, dem Jobcenter, der Integrationsstelle beim Landkreis, der Stadt Peine und den berufsbildenden Schulen mögen ebenso Beispiele sein wie die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Senioren-Servicebüro, dem Jugendamt, dem Gesundheitsamt und anderen Organisationseinheiten des Landkreises. Durch die Einrichtung einer Servicestelle für Schulen, Kindertagesstätten und Vereine sind sowohl Bewegungs- als auch Schulungsangebote in die Organisationen gekommen. Im letzten Jahr waren unsere Mitarbeiter in 33 Schulen und Kindertagesstätten. Auch die Zusammenarbeit mit Seniorenpflegeeinrichtungen zeigt, dass unser Handeln, so wie es der Vorsitzende meines Heimatvereins einmal gesagt hat, „von der Windel bis zur Windel“ reicht.

Verbessert werden kann auf jeden Fall das Erkennen der Möglichkeiten des Kreissportbundes durch die Entscheidungsträger. Die eingeworbenen Fördergelder eröffnen Möglichkeiten, die sonst nicht gegeben wären.

 Wie verwendet der KSB die 300 000 Euro, die er jährlich vom Kreis Peiner aufgrund des Paktes für den Sport erhält?

150 000 Euro leitet der KSB unmittelbar an die Vereine als Zuschuss für den Einsatz von qualifizierten Übungsleitern weiter. Der Rest steht ihm für den Einsatz von qualifiziertem Personal zur Unterstützung des Ehrenamtes sowie für die Förderung einer bewegten Gesellschaft zur Verfügung. Dabei stehen den Geldmitteln auch Verpflichtungen des KSB gegenüber. Wichtig aber ist die Unterstützung des Ehrenamtes. Wir wären ohne unsere Mitarbeiter nicht in der Lage, operativ so zu agieren, wie es seit Jahren geschieht. Ehrenamt muss sich, wenn ein Verband zukunftsfähig sein soll, auf strategische Entscheidungen konzentrieren – und davon gibt es genug.

Dem KSB ist es gelungen, aus verschiedenen Töpfen Zuschüsse in den Kreis Peine zu holen. Woher kommt das Geld und wohin ist es geflossen?

Geber sind, neben dem Land Niedersachsen, Privatpersonen sowie Stiftungen und andere Organisationen, aber auch der Landkreis über den Pakt hinaus. Diese Mittel sind für die Zwecke zu verwenden, die der Mittelgeber genannt hat. Letztendlich haben viele Vereine von den eingeworbenen Mitteln profitiert. Ohne unsere Beratung würde es dem Ehrenamt in den Vereinen schwerer fallen, alle Fördertöpfe und Modalitäten zu kennen. Dieses zeigt sich besonders bei den Maßnahmen zur Förderung von Investitionen, bei denen wir mit Vereinen und Kommunen zusammenarbeiten.

 Der Kreissportbund hat mittlerweile sechs festangestellte Mitarbeiter: Sportreferent Ralf Klemm, Geschäftsstellenleiter Maik Höhne, die Service-Assistentinnen Andrea Fickert, Petra Werner und Petra Ernst sowie die Integrationsbeauftragte Angela Flohr. Wäre ihre Finanzierung ohne den Pakt möglich – und wenn nicht: Welche Aufgaben könnte der KSB dann nicht mehr leisten?

Zuerst müssten wir Personal entlassen. Was dann noch übrig bleibt, würde für die Erledigung der verbandlichen Aufgaben eingesetzt. Das Ehrenamt, so es denn zur Verfügung steht, müsste wieder operative Aufgaben übernehmen. Die Vereinsberatung durch unseren Geschäftsstellenleiter müsste eingeschränkt werden. Die Sportjugend wäre gezwungen, die Administration ihrer umfangreichen Freizeit- und Bildungsveranstaltungen selbst zu übernehmen. Wer den Haushalt mit Buchungen in Höhe von fast einer Million Euro sowie die Jahresrechnung im Ehrenamt wieder übernehmen möchte, ist mir unklar. Aus dem gesamten Bereich der Förderung einer bewegten Gesellschaft würden wir uns zurückziehen müssen. Kurzum, die in vielen Jahren geleistete und vom Landessportbund als beispielhaft bezeichnete Aufbauarbeit des KSB würde zusammenbrechen. Mir geht es um die Zukunft des KSB und der Nutzung seiner Möglichkeiten für Vereine und Gesellschaft.

Der Pakt für den Sport läuft Ende 2021 aus. Sollte es ein „weiter so" geben?

Jetzt ist der Landkreis gefragt. Meine Ausführungen geben die Innensicht des KSB wieder. Der Vorstand bittet daher den Landkreis, unsere Arbeit und damit auch die Umsetzung der Verpflichtungen, die wir mit dem Pakt eingegangen sind, zu evaluieren. Der Wunsch zeugt davon, dass wir Offenheit und Transparenz wollen – und wünschen uns, dass dieses noch in diesem Jahr erfolgt. Ich möchte meinem Nachfolger ein geordnetes Haus überlassen – so oder so. Der Kreistag soll und muss beurteilen, ob unsere Arbeit seinen Vorstellungen entspricht und für die Gesellschaft zielführend ist. Was mir auf jeden Fall am Herzen liegt, ist eine gerechte Bezahlung unserer Mitarbeiter, die seit Jahren an der Aufbauarbeit beteiligt waren. Ohne sie wäre der Vorstand und damit auch ich nichts.

Durch die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie wird vielen klar, welche Bedeutung der Sport gerade in der Gemeinschaft für sie hat. Rechnen Sie mit Veränderungen – eventuell auch in der Bewertung der Arbeit der Sportvereine durch die Politik – wenn die Krise überstanden ist?

Bei dieser Frage nur den Sport in den Fokus zu nehmen, wäre zu kurz gesprungen. Es muss allen Entscheidungsträgern deutlich werden, wie wichtig das Ehrenamt nicht nur in Krisenzeiten für unsere Gesellschaft ist. Oftmals haben der Staat und seine Ebenen den Glauben, sie könnten für alles sorgen. Die Wirklichkeit sieht anders aus.

Von Matthias Press