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Amateurfußball Peine Jahn ist Meister, Lafferde II feiert virtuelle Klassenerhalt-Party
Amateurfußball Peine Jahn ist Meister, Lafferde II feiert virtuelle Klassenerhalt-Party
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18:18 09.04.2020
Arme hoch: Die Jahnerinnen sind Oberliga-Meister. Gejubelt wird aber aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen jetzt nur individuell.
Arme hoch: Die Jahnerinnen sind Oberliga-Meister. Gejubelt wird aber aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen jetzt nur individuell. Quelle: Büchler
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Kreis Peine

Dem Trainer eine Sektdusche verpassen, tanzen und singen, mit dem Publikum in der Silberkamphalle eine La-Ola-Welle anstimmen – so hatten sich die Oberliga-Handballerinnen des Überraschungs-Spitzenreiters MTV Vater Jahn Peine ein mögliches Saisonfinale vorgestellt. Doch Meister sind sie wegen der Corona-Krise nun ganz trostlos geworden: Der Landesverband hat die Saison abgebrochen und sportlich gewertet: Absteiger gibt es nicht, Aufsteiger werden über eine Quotienten-Regelung ermittelt. Kommende Woche sollen die Abschluss-Tabellen veröffentlicht werden. Die meisten Peiner Handballer sind mit der Entscheidung zufrieden.

MTV Vater Jahn Peine

„Unsere Saisonabschlussfeier haben wir im Juni geplant. Ich hoffe, dass Feiern dann wieder möglich ist“, sagt Marco Wittneben, der durch den HVN-Beschluss jetzt „Meistertrainer“ der Jahn-Handballerinnen ist. Lieber wäre es ihm gewesen, hätte er mit seiner Mannschaft in der Halle den entscheidenden Sieg zum Oberliga-Titel feiern können. Aber vielleicht gibt es doch noch einen Grund zum Jubeln: „Ich hoffe, dass wir das Final Four noch spielen können. Das ist ja nur ein Termin, den man vielleicht noch vor dem Saisonstart unterbekommt.“

HVN-Geschäftsführer Gerald Glöde bestätigt, dass die letzte Pokal-Finalrunde nicht von der Saisonabsage betroffen ist. „Das Final Four soll nach Möglichkeit noch gespielt werden. Wir müssen aber abwarten, wann das geht.“

MTV Groß Lafferde I

Glückwünsche zum Klassenerhalt nimmt MTV-Herren-Verbandsliga-Coach Dennis Bühn trotz dieser besonderen Umstände „sehr, sehr gerne entgegen. Denn durch die vielen Verletzungen war es eine sehr schwere Saison für uns“. In Alfeld etwa verfolgten gleich neun verletzte MTV-Spieler die Partie von der Tribüne aus. „Auch deshalb ist es ein Segen, dass die Saison jetzt zu Ende ist.“ Die Entscheidung des Landesverbands begrüßt Lafferdes Trainer aber in erster Linie nicht wegen des MTV-Verletzungspechs. „Ich halte es für die einzige richtige Entscheidung in dieser Situation. Wie und wann es weitergehen kann, war doch nur eine große Wolke“, begründet Bühn. Er war überzeugt davon, dass sein Team auch sportlich den Klassenerhalt geschafft hätte, hat es doch als Tabellenneunter bereits sechs Punkte Vorsprung auf den Vorletzten herausgeworfen. Doch Bühn befürchtete bei einer Fortsetzung der Serie sogar ein Hallen-Chaos, weil Landkreise möglicherweise völlig unterschiedlich über Sperren entschieden hätten. Zudem sei der Handball-Sport weiterhin besonders gefährdet, weil es ein Spiel mit viel Körperkontakt ist. Mit dem Abbruch habe der Verband zudem eine nervende Hängepartie beendet. „Jetzt können wir auch im Kopf einen Haken an die Saison machen – das tut gut.“

SG Zweidorf/Bortfeld

„Wir haben den Aufstieg am 16. Februar im Heimspiel gegen die HG Elm verspielt“, stellt Sigurt Grobe fest. Der Leiter der SG Zweidorf/Bortfeld ist sich recht sicher, dass seine Landesliga-Mannschaft – hätte sie gegen Spitzenreiter Elm gewonnen – auch nicht gegen die HSG Nord drei Wochen später verloren hätte. So liegt sie aber mit drei Punkten Rückstand in der Abschlusstabelle auf dem 2. Rang.

Lange darüber ärgern will sich Grobe nicht. „An der Situation kann man ja nichts ändern. Gegessen und erledigt! Wir nehmen in der Landesliga einen neuen Anlauf!“ Gedanken macht er sich aber um einige Kellerteams in den Staffeln. „Anstatt dass nächste Saison mit Überzahl gespielt wird, wäre es für einige vielleicht besser, nicht mehr für die Liga zu melden und in der Liga darunter anzutreten.“

Weil im Jugendbereich erst die Qualifikation gespielt werden muss, bevor die Staffeleinteilungen und Spielpläne erstellt werden können, rechnet Grobe hier mit einem Saisonstart erst Ende Oktober nach den Herbstferien.

MTV Groß Lafferde II

Der Landesligist reagierte erleichtert auf die Abstiegsregelung, hält er doch als Drittletzter die Klasse. „Die Gesamtsituation für uns ist im Zusammenspiel zwischen A-Junioren, 2. und 1. Herren klasse. Denn so können wir junge Spieler in der Landesliga weiter leistungsorientiert ausbilden, um sie für die 1. Herren in der Verbandsliga vorzubereiten“, sagt MTV-Trainer Eckhard Meyer. Dass der Landesverband auf Absteiger verzichtet, begrüßt der Coach aber nicht nur aus Groß Lafferder Sicht. „Es waren noch sieben Spieltage zu spielen. Da hätte noch einiges passieren und sich Teams retten können. Die wären alle bestraft worden.“ Auf die Klassenerhalt-Nachricht reagierten einige MTV-Spieler übrigens bereits launig mit einer Internet-Party: „Sie haben sich virtuell zusammengesetzt und ein paar Biere getrunken. Wenn es die Gegebenheiten wieder zulassen, wird es noch eine richtige Klassenerhalt-Party geben“, verspricht Meyer.

HSG Nord Edemissen II

Edgar Rot, Trainer der HSG-Nord-Regionsliga-Handballerinnen, hat nach der Entscheidung des Landesverbands schon einmal den Taschenrechner gezückt und die Sieg-Quotienten der Aufstiegskampf-Konkurrenten ausgerechnet. Ergebnis: Seine Edemisserinnen würden in die Röhre gucken, sind nur Tabellendritter, weil sie die wenigsten Spiele der Top-Teams haben. „Ich halte die Regelung noch immer für falsch. Selbst mit nur einem Spiel weniger sind wir schon im Nachteil. Das ist einfach unfair“, kritisiert er. Deshalb hofft er auch darauf, dass der Regionsverband die Entscheidung des Landesverbands nicht einfach so übernimmt. „Wenn doch, würden wir sogar noch dafür bestraft werden, dass wir so fair waren und Bitten um Spielverlegungen von anderen Vereinen zugestimmt haben“, wirft Rot ein. Er appelliert daher erneut an die Region, Auf- und Abstiegsrelegationen auszuspielen. „Das wäre fairer.“

Regions-Entscheidung nächste Woche

Die Aufsteiger werden über die Quotientenregelung ermittelt. Das heißt, die Tabelle wird anhand der Zahl der Pluspunkte einer Mannschaft im Verhältnis zur Anzahl der absolvierten Spiele errechnet. Diese Entscheidung des Handball-Verbandes Niedersachsen gilt für alle Spielklassen des Landesverbandes. Die Region Südost Niedersachsen könnte anders entscheiden, wird es aber aller Voraussicht nach nicht tun. „Wir werden uns wohl analog zur Entscheidung des Landesverbandes verhalten“, kündigte Oliver Ede (stellvertretender Vorsitzender Spieltechnik in der Handball-Region) an. Erst werden Umsetzung und Tabellen ermittelt. Die Vorstandsmitglieder verständigen sich per Mail und Telefon. „Dann wird es darüber eine digitale Abstimmung geben“. Die endgültige Entscheidung will der Vorstand der Handball-Region kommende Woche bekanntgeben.

Fest steht allerdings, dass der Termin für den Beginn der Qualifikation im Jugendbereich von Mai auf nach den Sommerferien verschoben wird.

Von Christian Meyer und Matthias Press