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Promi-Talk Waren Sie eine gute Tochter?
Sonntag Promi-Talk Waren Sie eine gute Tochter?
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20:01 26.08.2016
Von der Waldorfschule nach Hollywood: Jennifer Aniston hat den Sinn für Humor und Komödie von ihrer Mutter geerbt – und hat ihr privates Glück gefunden. Quelle: Getty

Zwei Stunden Wartezeit machen selbst im gemütlich-eleganten "Four Seasons"-Hotel in Beverly Hills nicht wirklich Spaß, doch Jennifer Aniston verzeiht man die Verspätung. Denn wenn sie auftaucht – die Haare sorgfältig gescheitelt und geföhnt, ein bisschen unauffälligen Goldschmuck am Lederbändchen um den Hals und eine geblümte Bluse zum schwarzen Rock – ist vom ersten Moment an gute Laune angesagt. Mit der kalifornischen Sonne vorm Fenster strahlt die 47-Jährige beim Interviewtermin um die Wette. Nur als gleich zum Gesprächsbeginn das Thema Mutterschaft im Raum steht, huscht kurz ein Anflug von Genervtheit über ihr Gesicht. Also wechseln wir das Thema und überlassen die Frage nach dem Kinderwunsch, mit dem Aniston und ihr Ehemann Justin Theroux seit Jahren konfrontiert werden, der Klatschpresse.

Jennifer Aniston, in Ihrem neuen Film "Mother's Day – Liebe ist kein Kinderspiel" spielen Sie die alleinerziehende Mutter von zwei Jungen. Bekommt man durch eine solche Rolle einen kleinen Einblick ins Muttersein?
Einen sehr kleinen vielleicht. Und ich habe ja in meiner Karriere schon wirklich viele Mütter gespielt – angefangen bei "Friends". Aber es ist nicht so, dass sich durch diese Rollen mein Bild von der Mutterschaft sonderlich geändert hat oder ich etwas dazugelernt hätte. Schließlich hatte ich selbst eine tolle Mutter, meine Freunde haben Mütter und vor allem haben viele meiner Freundinnen längst selbst Kinder. Ich habe also einen ziemlich guten Eindruck davon, dass es eine sehr besondere Aufgabe ist, Mutter zu sein. Und ein unglaubliches Geschenk.

Spätestens seit Sie geheiratet haben, spekuliert die Presse mehr denn je, ob und wann Sie denn nun selbst Mutter werden ...
Ermüdend, nicht wahr? Eigentlich will ich nur meiner Arbeit nachgehen, und ich würde es echt bedauerlich finden, wenn diese Klatschgeschichten davon ablenken. Es scheint ja wirklich eine Menge von Leuten zu geben, die sich brennend für so etwas interessieren. Wenn man seinen Alltag für eine Realityshow filmen lässt, darf man sich natürlich auch nicht über Paparazzi und Ähnliches beschweren. Aber wenn man Schauspieler ist, und ein ganz skandalfreies Leben führt, dann gibt's da eigentlich gar keine Schlagzeilen zu holen. Keine Ahnung, warum es trotzdem jede Woche wieder jemand versucht. Als würde es nichts Berichtenswerteres auf der Welt geben.

Wenn also nicht Ihre Filmkinder – was war die Herausforderung bei diesem Film?
O mein Gott, definitiv die Szene mit dem Clown! Ich habe leider – aus mir nicht mehr ganz nachvollziehbaren Gründen – eine furchtbare Angst vor Clowns.

Na immerhin gab es das Kontrastprogramm in Gestalt Ihrer Kollegin Julia Roberts.
Wobei Julia mich auch ganz schön nervös gemacht hat.

Sie beide kannten sich doch aber schon vor dem Film, oder?
Ja, schon lange. Aber wir hatten noch nie zusammengearbeitet. Und sie ist nun einmal nicht irgendwer, sondern Julia Roberts! Vor Schreck habe ich sie beim ersten Mal sogar mit ihrem echten Namen angesprochen, obwohl wir bereits drehten. Wirklich schade, dass wir nicht noch mehr Szenen zusammen hatten.

Das Gleiche gilt für Kate Hudson, oder?
Auch sie kenne ich schon ewig, sicher seit fast 20 Jahren. Dass ich endlich mal die Chance hatte, mit diesen beiden tollen Kolleginnen und Freundinnen einen Film zu machen, hat mich richtig glücklich gemacht. Ganz zu schweigen von Garry Marshall ...

... dem Regisseur, der den Kultfilm "Pretty Woman" gedreht hat und der vor Kurzem im Alter von 81 Jahren gestorben ist.
Er war ein ganz wunderbarer Mann. Er war der Grund, warum ich – und sicher auch die anderen – bei "Mother's Day" zugesagt haben. Ich bin aufgewachsen mit Garrys Serien im Fernsehen: "Happy Days" und "Männerwirtschaft". Und selbstverständlich habe ich später auch alle seine Filme gesehen. Anders als Julia und Kate habe ich zum ersten Mal mit ihm zusammengearbeitet – und habe ihm schon zugesagt, bevor ich überhaupt das Drehbuch gelesen hatte.

Julia Roberts (l) und Jennifer Aniston in Garry Marshalls letztem Film "Mother's Day". Quelle: Ron Batzdorff/Mothers Movie LLC

Da es im Film ja um den Muttertag geht: Was kommt Ihnen als Erstes in den Sinn, wenn Sie an Ihre kürzlich verstorbene Mutter denken?
Mein erster Gedanke ist immer, wie dankbar ich ihr bin. Sie war eine alleinerziehende Mutter, die viel gearbeitet hat, um uns ein angenehmes Leben zu ermöglichen. Das war in der Generation zwar keine Seltenheit, aber trotzdem nicht selbstverständlich.

Waren Sie eine gute Tochter?
Ich hoffe es (lacht). Aber selbstverständlich habe ich als Kind auch Dinge getan, für die ich mich ein bisschen schäme. Hin und wieder habe ich zum Beispiel Geld aus der Handtasche meiner Mutter geklaut. Immer nur 1-Dollar-Scheine, aber damals hielt ich das natürlich für eine große Summe und hatte stets ein schlechtes Gewissen. Ausgegeben habe ich das Geld aber natürlich trotzdem, meistens an Videospielautomaten.

Was mochten Sie an Ihrer Mutter besonders? Und gab es eigentlich etwas an ihr, mit dem sie nicht klarkamen?
Meine Mutter hatte einen großartigen Sinn für Humor. Den habe ich von ihr, aber auch von meinem Vater. Wahnsinnig machte sie mich, wenn wir zusammen Auto fuhren. Ich bin eine etwas nervöse Fahrerin, und sie schrie und schimpfte in einer Tour auf dem Beifahrersitz. Ich wäre sicherlich nicht halb so nervös gewesen, wenn sie einfach ganz still und friedlich dagesessen hätte.

Zu Ihrem Sinn für Humor passt, dass man Sie in aller Welt überwiegend aus Komödien kennt.
Als Schauspielerin wird man natürlich immer wieder schnell in Schubladen gesteckt, sei das nun in den Medien oder auch innerhalb der Branche. Wer viele Komödien dreht, kommt bei manchen Leuten einfach nicht für dramatische Rollen infrage. Leider.

Sie haben Ihr berufliches Profil auch schon anders erweitert und zweimal bei Kurzfilmen die Regie übernommen. Würden Sie auch mal einen Kinofilm als Regisseurin verantworten wollen?
Auf jeden Fall. Lieber früher als später! Ich muss nur ein passendes Drehbuch finden, das mir aus dem Herzen spricht. Denn was ich definitiv nicht kann, ist schreiben. Mein Ehemann Justin ist dagegen ein toller Drehbuchautor. Aktuell hat er ein unglaublich gutes Skript in der Schublade, das wir gemeinsam auf die Leinwand bringen wollen. Auf dem Regiestuhl nimmt dabei allerdings erst einmal er Platz.

Sie sind in diesem Jahr 47 Jahre alt geworden und so gut im Geschäft wie immer. Hat man in der Filmbranche endlich begriffen, dass es nicht nur um die 30-Jährigen geht?
Es wird ohne Frage besser, überall ist das aber noch nicht angekommen. Die Altersdiskriminierung unserer Gesellschaft bricht sich schon immer noch Bahn. "Für Ihr Alter sehen Sie ja toll aus!" – so etwas höre ich immer wieder. Als ob ich eigentlich längst abgehalftert in der Ecke sitzen müsste. Dabei fühle ich mich heute fitter, selbstbewusster und schöner denn je. Nicht umsonst sagt man ja so schön: Die Jugend ist an die Jugendlichen verschwendet!

Weil man das Jungsein nicht zu schätzen weiß?
Vor allem, weil man in der Jugend noch nicht klug genug ist und sein Leben nicht bewusst genug lebt. Was man seinem Körper alles zumutet, weil man jung ist und sich für unbezwingbar hält! Ich war naiv genug zu glauben, dass Burger, Pommes und all der andere Mist meiner Gesundheit nichts anhaben würden. Was natürlich schön blöd war.

Und wann bemerkten Sie das?
Das entwickelte sich langsam, als ich auf die 30 zuging. Mit Sport hatte ich bis dahin nichts am Hut gehabt, aber irgendwann erkannte ich, dass es ja doch Spaß machen kann, sich zu betätigen. Je fitter ich wurde und je mehr ich auch meine Ernährung umgestellt habe, desto besser habe ich mich gefühlt – und sogar geschlafen.

Gönnen Sie sich heute gar keine Sünden mehr?
O doch, wo denken Sie hin! Nicht umsonst ist Thanksgiving mein Lieblingsfeiertag. Den ganzen Tag im Kreise seiner Liebsten zu Hause herumhängen, essen, ein Mittagsschläfchen machen und danach einfach weiteressen – etwas Schöneres kann ich mir nicht vorstellen.

Bleibt zum Abschluss noch das Thema, auf das Sie seit 20 Jahren wohl in jedem Interview angesprochen werden: "Friends". Nervt Sie das eigentlich manchmal?
Nein, das ist doch toll. Die Serie war etwas ganz Besonderes und ich hatte das große Glück, daran teilzuhaben. Warum sollte ich mich davon distanzieren wollen? "Friends" hat so vielen Leuten Freude bereitet und sie zum Lachen gebracht. Etwas Besseres gibt es nicht.

Würden Sie bei einem "Friends"-Kinofilm mitmachen?
Ich glaube nicht, dass sich "Friends" besonders gut ins Kino übertragen lassen würde. Das Konzept der Serie war so ausgerichtet, dass sie auf den Bildschirm gehörte, in das Wohnzimmer des Publikums. Deswegen würde ich – wenn überhaupt – lieber die Serie selbst wiederaufleben lassen als sie auf die Leinwand zu bringen. Aber bevor daraus nun eine Schlagzeile wird: Passieren wird das mit großer Sicherheit nicht.

Zur Person

Kojak ist ihr Patenonkel: Geboren am 11. Februar 1969 in Sherman Oaks, einem Stadtteil von Los Angeles, wurde Jennifer Aniston das Talent als Schauspielerin schon in die Wiege gelegt. Ihr Vater, der aus Griechenland stammende John Aniston, war schon in den Sechzigerjahren in Serien wie "Kobra, übernehmen Sie" zu sehen und gehört seit 1985 zum Ensemble der Seifenoper "Days of Our Lives". Zu seinen besten Freunden gehörte eben auch Kollege Telly Savalas alias Inspektor Theo Kojak. Ihre Mutter Nancy Dow arbeitete auch als Schauspielerin, legte nach der Geburt ihrer Tochter die Karriere aber auf Eis.

Anistons Kindheit war zunächst von Rastlosigkeit geprägt: Ein Jahr verbrachte die Familie in Griechenland, später ging es zur Großmutter nach Pennsylvania und schließlich nach New York. Trotz der Berufe ihrer Eltern war Fernsehen zu Hause so gut wie tabu, erst recht als Aniston in einer Waldorfschule eingeschult wurde. Genau dort allerdings entdeckte sie als Elfjährige auch ihr Interesse an der Schauspielerei, das schließlich zum Besuch einer auf Darstellende Künste spezialisierten Highschool führte.

Nicht lange nach dem Schulabschluss zog Aniston zugunsten einer Karriere im Showgeschäft zurück nach Los Angeles, wo sie sich mit kleinen Rollen in eher erfolglosen Fernsehserien und mäßigen Horrorfilmen über Wasser hielt. Der Durchbruch gelang ihr erst im Jahr 1994, als sie sich für die Rolle der Monica Geller in einer Serie mit dem Titel "Friends" bewarb. Die bekam sie zwar nicht, wurde allerdings in der gleichen Show als Rachel Green besetzt – und spielte die Rolle schließlich zehn Jahre lang.

Für Jennifer Aniston (dritte von links) kam der Durchbruch mit der Rolle der Rachel in der Fernsehserie "Friends". Quelle: NBC

"Friends" entwickelte sich zu einer der erfolgreichsten Sitcoms aller Zeiten, brachte Aniston unter anderem einen Emmy und einen Golden Globe ein – und bescherte ihr und ihren Kollegen in der letzten Staffel gar die Traumgage von einer Million Dollar pro Episode. Durch den Erfolg auf dem Bildschirm wurden auch die Kinoproduzenten aufmerksam auf die Schauspielerin, deren Frisur in den Neunzigerjahren eine Weile USA-weit die meistkopierte war und bis heute den Namen der Serienfigur Rachel trägt.

Auch auf der Leinwand wurden meist romantische Komödien zu Anistons Spezialgebiet, von "Liebe in jeder Beziehung" oder "... und dann kam Polly" über die Dein-bester-Freund-Hund-Geschichte "Marley & Ich" und "Er steht einfach nicht auf dich" bis hin zu "Meine erfundene Frau" und "Wir sind die Millers". Immer wieder versucht sie sich auch an Dramen: Für "Cake" wurde sie im Jahr 2015 erneut für den Golden Globe nominiert.

Endlich zum privaten Glück

Privat blieb das Glück nicht immer treu. Das Verhältnis zu ihrer Mutter, die im Mai verstarb, war schwierig, vor allem als diese ein Enthüllungsbuch über ihre Tochter schrieb. Von 2000 bis 2005 war Aniston mit Brad Pitt verheiratet, der dann mit Angelina Jolie zusammenkam, was der Klatschpresse bis heute als Futter für Spekulationen dient.

Nach weiteren Beziehungen zu dem Schauspieler Vince Vaughn und dem Musiker John Mayer lernte sie 2011 ihren Kollegen Justin Theroux kennen, dem sie 2015 das Jawort gab. Dass in den Medien seit Jahren über ihre Kinderplanung und sogar den Umfang ihres Bauches gemutmaßt wird, hat die 47-jährige kürzlich in einem viel beachteten Essay in der "Huffington Post" als erniedrigend und frauenfeindlich verurteilt.

Von Patrick Heidmann

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