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Rund um die Welt Der lange Weg zur größten Skischaukel
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13:10 04.02.2020
Ein Riesentorlauf am Kitzsteinhorn lockt die guten Skifahrer. Quelle: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn
Kaprun

Sissi liebte die Bergruhe. An einem Augusttag 1885 stieg die Kaiserin im Morgengrauen auf die Schmittenhöhe. Sie wollte die Sonne aufgehen sehen über Hochkönig und Dachstein und ungestört sein auf diesem Gipfel, der schon damals berühmt war für seinen Rundblick.

Das Panorama ist 135 Jahre später genauso beeindruckend, aber Muße würde Sissi auf der Schmittenhöhe kaum noch finden.

Aus der "SchnapsHans-Alm" dröhnen Après-Ski-Schlager. Vor der Elisabeth-Kapelle drängen sich die Wintersportler. Und bald dürfte es noch voller werden: Ende 2021 wird das Skigebiet mit dem Giganten Saalbach-Hinterglemm verschmelzen - zu Österreichs größter Skischaukel mit 347 Kilometern Piste.

Es gibt noch viel zu tun

"Das schleudert uns in eine ganz andere Dimension", sagt Erich Egger 60, Chef der Schmittenhöhebahn auf der neuen Terrasse des Restaurants "Franzl". Der obere Teil der Zehner-Kabinenbahn wurde schon 2016 vollendet, auf dem unteren Teil nach Viehhofen laufen die Gondeln seit 7. Dezember. Damit sei man eigentlich schon mit Saalbach verbunden. Bis zur großen Fusion bleibt aber noch einiges zu tun.

Die Schilder müssen geändert, die schattigen Westhänge schon morgens präpariert werden. Vor allem aber müssen einige altersschwache Lifte erneuert werden. Die Kapellenbahn etwa, bisher ein Viererlift, soll zu einem Sechser- oder besser gleich Achterlift aufgerüstet werden. Auf dem kleinen Plateau vor der Bergstation dürften sich die Urlauber dann auf den Skiern stehen. An Spitzentagen kurvten schon jetzt mehr als 17.000 Wintersportler über die Pisten der Schmittenhöhe, sagt Egger. "Dann wird es schon sehr, sehr eng bei uns."

Der Skigast ist neugierig

An einem Wochentag Mitte Januar bemerkt man davon nichts. Am Sonnkogel wedelt man breite, leere Pisten hinab. In den Ferien aber werden schon die Vorbeben dessen spürbar, was auf die Schmittenhöhe zurollt. Ab diesem Winter gibt es einen gemeinsamen Skipass. "Seitdem kommen doppelt so viele Gäste von Saalbach herüber als umgekehrt hinüber fahren", sagt Egger.

Kein Wunder, schließlich wuseln im Ende 2015 fusionierten Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn an manchen Tagen 40.000 Wintersportler über die Pisten. Egger rechnet damit, dass besonders in den ersten beiden Jahren viele von ihnen auf die Schmittenhöhe kommen werden. "Der Skigast ist neugierig", sagt er. Er wolle sich alles anschauen, wofür er bezahlt hat.

Auch am Kitzsteinhorn wurde aufgerüstet

Norbert Karlsböck, Chef der Gletscherbahnen Kaprun, die über den neuen Skipass mit der Schmittenhöhe und Saalbach verbunden sind, hat vor diesem Winter ebenfalls kräftig investiert: 47 Millionen Euro flossen in eine Hightech-Seilbahn, die es dem Gast so angenehm wie möglich machen und damit Stammgäste binden soll.

"Bisher musste man sich morgens entscheiden, ob man auf den Maiskogel oder aufs Kitzsteinhorn fahren will", erklärt Karlsböck. Wer zum Gletscher-Skigebiet wollte, musste von Kaprun mit dem Auto oder Skibus zur Talstation der beiden Seilbahnen weiter hinten im Tal fahren. Nun starten die Wintersportler im Zentrum von Kaprun mit der Maiskogelbahn und steigen an der Bergstation des kleinen Familien-Skigebiets in die neue Gondel namens 3K K-onnection zum Kitzsteinhorn um. 1,5 Millionen Autokilometer würden so jährlich eingespart, erklärt Karlsböck. "Und ganz wichtig ist, dass wir jetzt eine Talabfahrt vom Kitzsteinhorn haben."

Beim Bau hatte der Seilbahnchef auch die Kunden von Morgen im Blick: die Nicht-Skifahrer aus 102 Ländern, die übers ganze Jahr gesehen bereits ein Viertel der Gäste ausmachen und überproportional zunehmen. Viele Chinesen, Inder und Araber wollen einfach Schneeberge sehen. Gerade für diese Gäste soll schon die Auffahrt zum Gletscher ein Erlebnis sein. Die Kabinen sind rundum verglast. Die Aussicht wird mit jeder Minute grandioser. Zu beiden Seiten fallen steile Bergflanken ab, weit oben teilt der Grat des Kitzsteinhorns die sonnige Ostflanke und die schattigen Westhänge.

Skizirkus auf 3000 Metern

Als man nach einer guten Dreiviertelstunde schließlich unterhalb des Gipfelrestaurants aussteigt, bekommt man eine Ahnung von den Naturgewalten in 3000 Metern Höhe. Der Föhn bläst Schneeschwaden über die Piste, die Skifahrer schirmen mit den Handschuhen ihr Gesicht ab. Also schnell rein in die Bindung und hinab kurven auf die herrlich breiten, perfekt geneigten Pisten.

Das Gletscher-Skigebiet war 1965 das erste, das in Österreich mit einem Lift erschlossen wurde. Und zwar ursprünglich nur für den Sommer. Von oben betrachtet, wirkt es heute wie das Berglager der Armee eines Superschurken in einem James-Bond-Film. Kreuz und quer spannen sich die Lifte und Seilbahnen über den Kessel, der eingefasst ist von schroffen Felsflanken. Zwischen die Pisten zwängen sich eine Halfpipe und die Schanzen des Funparks, Schneekanonen, Restaurants und ein mehrstöckiges Ausbildungslager.

Der normale Skiurlauber ist freilich vollkommen damit ausgelastet, an einem Tag all die Pisten hier oben abzufahren, von der gemächlichen Schneehasenpiste bis zur giftigen Black Mamba. Vor allem wenn er mittags im Gipfelrestaurant einkehrt und danach durch den Stollen zur Aussichtsplattform auf der anderen Bergseite stiefelt.

Als Dessert bekommt man dort einen Panoramablick serviert, über die Schneehänge des Nationalparks Hohe Tauern, auf Großglockner und Großvenediger. Ein Blick, wie er Sissi gefallen hätte.

dpa

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