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Aktuelles Covid-19: Was Italien-Urlauber wissen sollten
Reisereporter Aktuelles Covid-19: Was Italien-Urlauber wissen sollten
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17:12 24.02.2020
Der berühmte Karneval in Venedig wurde aus Sorge wegen der Ausbreitung des Coronavirus im Norden Italiens frühzeitig beendet. Quelle: Jin Yu/XinHua/dpa
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Rom

Mit drastischen Maßnahmen wie Sperrzonen will Italien die rasante Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 stoppen. Mehrere Gemeinden in Norditalien wurden abgeriegelt, damit das Virus nicht auf die Wirtschaftsmetropole Mailand, das Touristenzentrum Venedig und andere Regionen übergreift.

Der Karneval in Venedig werde genauso wie alle Sportveranstaltungen abgesagt, Museen und Schulen sollen in der gesamten Region Venetien bis zum 1. März geschlossen bleiben, kündigte Regionalpräsident Luca Zaia an. Der Karneval hätte eigentlich noch bis Dienstag (25. Februar) laufen sollen. Mittlerweile starben drei infizierte Menschen in Italien - dem Land mit der höchsten Zahl an bestätigten Erkrankten in Europa.

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Die Zahl der Infizierten war in Italien über das Wochenende überraschend stark angestiegen. Bis zum Sonntagabend waren es bereits mehr als 150 Fälle, wie der Zivilschutz erklärte. Am stärksten war die wirtschaftsstarke Region Lombardei betroffen. Es folgte Venetien. Darunter gab es auch zwei Fälle in der Stadt Venedig. Auch im Piemont, in der Emilia-Romagna und in Rom hatten sich Menschen angesteckt. Mehr als 25 Personen waren laut Zivilschutz auf der Intensivstation. Drei ältere Menschen starben. Als drittes Todesopfer meldete die Region Lombardei am Sonntag (23. Februar) eine Frau, die bereits in der Onkologie behandelt worden war.

Betroffene Städte abgeriegelt

Die Regierung kündigte scharfe Maßnahmen an, um eine Verbreitung in den wirtschaftsstarken Regionen aufzuhalten. Die am stärksten betroffenen Städte wurden abgeriegelt: Niemand durfte rein oder raus. Betroffen ist die Provinz Lodi in der Lombardei rund 60 Kilometer südöstlich von Mailand, wo rund 50.000 Menschen leben, sowie die Stadt Vo in der Provinz Padua in Venetien mit rund 3000 Einwohnern.

"Das Ziel ist es, die Gesundheit der italienischen Bevölkerung zu schützen", sagte Ministerpräsident Giuseppe Conte. Zunächst sollten Sicherheitskräfte die Regionen abriegeln. "Wenn nötig, werden es auch die Streitkräfte sein." Wer versuche, die Absperrungen zu umgehen, dem drohe strafrechtliche Verfolgung.

In vielen Städten und Gemeinden wurden Schulen, Universitäten und ein Großteil der Geschäfte geschlossen. Großveranstaltungen wie Gottesdienste, Karnevalsfeste und Sportevents wurden abgesagt. Die Mailänder Scala sagte ihre Aufführungen bis auf Weiteres ab.

In Venedig, das um die Karnevalszeit massenhaft Touristen besuchen, herrschte Alarmstimmung. Die Feste sollten ab Sonntagabend auslaufen. "Es ist die schwerwiegendste Anordnung, die ein Regionalpräsident eigentlich nie machen möchte", sagte Gouverneur Zaia.

Das Ausmaß des Ausbruchs in Italien erschreckt. Zum Vergleich: In Deutschland wurden bisher 16 Fälle gemeldet, in Frankreich zwölf. Italiens Vize-Gesundheitsminister Pierpaolo Sileri sagte dem Sender SkyTG24, er gehe von weiter steigenden Fallzahlen aus. "Es ist klar, dass wir mehr Fälle haben werden."

In Südtirol bereiteten sich die Behörden auf mögliche eingeschleppte Infektionen vor. Kitas sollten vorerst geschlossen bleiben. Ein Aussetzen der innereuropäischen Reisefreiheit im Rahmen der Schengen-Zone sei vorerst nicht vorgesehen, so Conte. Aus Italien solle "kein Lazarett" werden.

Hohe Wachsamkeit in den Nachbarländern

In den Nachbarländern Schweiz und Österreich war erhöhte Wachsamkeit angesagt. Frankreich bereitet sich verstärkt auf eine Ausbreitung von Sars-CoV-2 vor. Die Lage in Italien werde "aufmerksam verfolgt", sagte Gesundheitsminister Olivier Véran.

Auch die Bundesregierung beobachtet die Lage. "Unsere Botschaft und die deutschen Konsulate in Italien stehen mit den italienischen Behörden in Kontakt für den Fall, dass die italienischen Maßnahmen Deutsche betreffen", hieß es aus dem Auswärtigen Amt in Berlin. Rückkehrern aus den betroffenen Regionen in Norditalien wurde empfohlen, sich an die entsprechenden Hinweise des Robert Koch-Instituts und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf deren Internetseiten zu halten.

Vom Robert Koch-Institut hieß es, Reisenden aus italienischen Regionen mit Erkrankungsfällen, die innerhalb von 14 Tagen nach Rückreise Fieber, Husten oder Atemnot entwickeln, sollten unter Hinweis auf die Reise einen Arzt aufsuchen. Nach Möglichkeit sollten diese Menschen zu Hause bleiben, beim Husten und Niesen Abstand halten oder sich wegdrehen und sich die Armbeuge oder ein Taschentuch, das sie sofort entsorgen, vor Mund und Nase halten. Auch die Hände regelmäßig gründlich mit Seife zu waschen, wird empfohlen.

Lufthansa fliegt Italien weiter an

Die Ausbreitung des Coronavirus in Italien hat zunächst keine Auswirkungen auf den Flugplan der Lufthansa. "Wir beobachten die Lage sehr genau", sagte ein Sprecher der Airline am Montag. Aber bislang gebe es keine Änderungen oder Streichungen. Auch an Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt war bislang nichts bekannt über eingestellte Flüge von und nach Italien, wie ein Sprecher der Betreibergesellschaft Fraport mitteilte. Die Entscheidung darüber liege aber bei den Behörden oder direkt bei den Fluggesellschaften.

Bereits im Januar hatte die Lufthansa ihre Flüge nach und von China wegen des Coronavirus eingestellt. Mindestens bis Ende des Winterflugplans am 28. März werde Festlandchina nicht angeflogen, sagte des Sprecher.

Zugtickets werden erstattet

Zugtickets in Italien werden kostenlos erstattet, wenn Reisende ihre Fahrt wegen des Covid-19-Ausbruchs nicht antreten wollen. Das teilten die italienischen Bahnunternehmen mit.

Trenitalia wird nach eigenen Angaben Zugfahrten unabhängig vom Tarif komplett erstatten, wenn Reisen wegen des neuartigen Coronavirus' abgesagt werden. Wer ein Ticket für einen Hochgeschwindigkeits- oder Fernzug gebucht hat, erhält demnach ein Voucher mit der Gültigkeit von einem Jahr. Wer einen Regionalzug gebucht hat, bekommt eine Erstattung in bar.

Der Schnellzug-Anbieter Italo bietet laut eigener Aussage Vouchers für alle Reisen aus den und in die betroffenen Regionen im Norden Italiens an. Sie haben eine Gültigkeit bis Ende Juli.

Service:

Reisende sollten sich vor einem Reiseantritt gegebenenfalls beim italienischen Gesundheitsministerium unter der Telefonnummer + 39-1500 oder bei der betroffenen Region Lombardei unter 800-894545 informieren.

dpa