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08:29 06.09.2019
Waschen, schneiden, lesen: Wer sich bei Danny Beuerbach die Haare schneiden lässt, darf ihm dabei aus seinem Lieblingsbuch vorlesen. Quelle: Ravensburger Verlag

Wie wurdest du zu einem Vorlesefriseur?

Die Idee entstand aus der Not. Ich wollte schon seit langer Zeit wieder mehr lesen, kam aber partout nicht dazu. Da kam mir die freche Idee, mir von den Kunden vorlesen zu lassen. Ich nahm ein Buch mit zur Arbeit und drücke es meinen Lieblingskunden in die Hand. Die Reaktion war super. Alle hatten große Lust mir vorzulesen. So wanderte mein Buch von Kunde zu Kunde. Jeder las solange wie der Haarschnitt dauerte. Das war für mich wie ein schönes Hörbuch. Irgendwann nahm ich auch ein Kinderbuch mit und probierte die Idee mit jungen Kunden aus. Mit großem Erfolg. Die Kinder haben viel Freunde am Vorlesen. Außerdem halten sie beim Schneiden besser still. Im Gegenzug bekommen die Eltern den Haarschnitt für die Hälfte. Im Laufe der Zeit wuchs bei mir das Bedürfnis, daraus ein größeres Projekt zur Leseförderung zu machen.

Kommen auch die Kinder extra zum Vorlesen zu dir?

Teilweise schon. Wir sind kein reiner Kinderfriseur und junge Kunden eher willkommene Abwechslung als die Regel. Am Anfang war mein Angebot erstmal eine Überraschung für die Kinder und ihre Eltern. Inzwischen ist meine Idee schon etwas bekannter. Manche Kinder bringen selbst ihre Bücher mit. Manchmal sind es kurze Bücher für Erstleser, die man in einem Haarschnitt durchlesen kann. Aber ich habe auch junge Stammkunden, die ihr Lieblingsbuch bei mir lassen und bei jedem Besuch weiterlesen. Mein Spint sieht inzwischen aus wie ein Bücherregal.

Wie war dein Verhältnis zu Büchern als Kind?

Mir wurde selten vorgelesen. Meine Mutter konnte nicht so gut lesen. Auch ich stand mit dem Deutschunterricht und Schullektüren eher auf Kriegsfuß. Meine Rechtschreibung war nicht die Beste, deshalb wurden meine eigenen vielleicht kreativen Ideen bei Aufsätzen und Geschichten selten gewürdigt. Am Ende verdarb mir beides zusammen die Lust am Lesen. Erst als Erwachsener fand ich einen Zugang zum Lesen.

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Hast du heute ein Lieblingsbuch?

Das ist eine schwere Frage. Seit meine Idee bekannt wurde, schicken ganz viele Autoren und Autorinnen ihre Bücher, manchmal auch signiert und mit tollen Widmungen. Darüber freue ich mich jedes Mal. Deshalb tue ich mich schwer damit eins hervorzuheben. Aber es gibt ein wunderbares Buch mit dem Titel „Als mein Bruder ein Wal wurde“. Julius liegt nach einem Unfall im Wachkoma und es geht darum, wie sein Bruder mit der Situation klarkommt. Ein schweres Thema für ein Kinderbuch, aber ich habe Rotz und Wasser geheult als ich die ersten 50 Seiten in der U-Bahn las. Dieses Buch hat mich wirklich berührt, mich zum Nachdenken angeregt, mich in eine eigene Welt entführt. Und das passiert mir nicht oft mit Büchern.

Du verlässt auch deinen Salon und gehst als „Vorlesefriseur“ in Jugendzentren oder Büchereien. Was erlebst du auf solchen Events?

Diese Ausflüge geben meiner Idee nochmal einen ganz anderen Rahmen. Ich schneide den Kindern dort nicht nur die Haare, sie bekommen auch Aufmerksamkeit. Da sind andere Kinder und Erwachsene, die ihnen beim Vorlesen zuhören und am Ende applaudieren. Das ist eine ganz tolle Erfahrung für alle Beteiligten. Plötzlich hat jeder ein Buch unter dem Arm und will auch etwas vorlesen. Daraus entsteht eine ganz eigene Dynamik. Besonders am Herzen liegen mir Viertel und Städte, in denen Lesen nicht selbstverständlich ist. Dort brauchen die Kinder ganz dringend Vorbilder und Impulse, um selbst zum Buch zu greifen. Vielleicht erreiche ich mit meiner Idee hier mehr als die Lehrer in der Schule. Jedenfalls hoffe ich, einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen und die Lust am Lesen zu wecken. Darum bedanke ich mich auch nach jedem Haarschnitt für das Vorlesen und die Kinder dürfen die Bücher behalten.

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Bekommst du Feedback, wie nachhaltig ein Besuch beim Vorlesefriseur prägt?

Leider noch viel zu wenig. Unter meinen Stammkunden sind viele Kinder aus bürgerlichen Familien, in denen ohnehin viel gelesen wird. Das ist also kein echter Maßstab. Nach Events kommen oft die Organisatoren zu mir und geben mir sehr positives Feedback. Manchmal höre ich auch, dass Kinder sich gleich im Anschluss noch eine Bibliothekskarte geholt haben. Aber mich würde es wirklich interessieren, ob ein paar der Kinder durch die Veranstaltungen das Lesen für sich neu entdeckt haben.

Um mehr Kinder für das Lesen zu begeistern, sollen die Vorlesefriseure ein bundesweites Programm werden. Kannst du ein bisschen mehr über deine Vision verraten?

Gemeinsam mit dem Ravensburger Buchverlag möchte ich mehr Friseursalons ermutigen „Vorlese-Friseure“ zu werden. Wer sich bei uns meldet, erhält ein Startpaket mit Büchern für Kinder im Alter von vier bis zehn Jahren und Tipps zur Umsetzung. Zum Beispiel sollte man als Vorlesefriseur die Haare der Kinder vor allem mit der Schere schneiden und nicht mit der Maschine. Die stört die Leseatmosphäre nämlich sehr. Das sind aber eher Hinweise und Impulse. Wie die Friseure das Vorlesen organisieren und wie viel Rabatt sie den Kindern am Ende gewähren, bleibt den Salons selbst überlassen. Allerdings ist das Bücherpaket im ersten Anlauf auf die ersten 300 Friseursalons begrenzt.

Wie viele haben sich bisher gemeldet?

Wir haben schon viele Zuschriften von interessierten Friseuren bekommen. Genaue Zahlen kann und will ich nicht nennen, auch weil wir eine genaue Auswahl treffen müssen. Immerhin sollen die Friseure auch hinter der Idee stehen und wirklich Leseförderung betreiben wollen.

Zur Person

Danny Beuerbach absolvierte 2003 eine Ausbildung zum Friseur. Er arbeitete weltweit in renommierten Salons und als Gastfriseur bei Fotoshootings, Magazinen und Fashion Shows. Seit 2013 lebt er in München. Aktuell arbeitet er als freiberuflicher Hairstylist und organisiert Events. „Book a Look – and read my book“ ist sein Herzensprojekt. Mehr unter www.bookalook.family.

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Von Birk Grüling/RND

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