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21:00 19.11.2018
Katzenzungen haben auf der Oberseite Hunderte Widerhaken aus Keratin. Quelle: Candler Hobbs/Georgia Institute of Technology/dpa
Atlanta

Katzen verbringen einen großen Teil ihres Lebens mit der Fellpflege. Nun haben US-Forscher bis ins kleinste Detail entschlüsselt, wie sehr die rauen Katzenzungen an die Reinigung angepasst sind. Wie Hauskatzen (Felis silvestris catus) und andere Vertreter der Katzenfamilie (Felidae) bei der Körperpflege vorgehen, beschreiben Alexis Noel und David Hu vom Georgia Institute of Technology in Atlanta in den «Proceedings» der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften («PNAS»).

Katzen zählen zu den beliebtesten Haustieren. In den USA habe ein gutes Drittel aller Haushalte mindestens eine Katze, schreiben die Forscher. Die Tiere verwenden demnach bis zu 24 Prozent ihrer Wachzeit für die Fellpflege – um Flöhe loszuwerden, Dreck zu entfernen, lose Haare abzusondern und auch zur Kühlung des Körpers.

Die vier Phasen der Fellpflege

„Die Pflege eines Katzenfells ist eine Herausforderung wegen seiner zwei Schichten“, betonen Noel und Hu, „dem schützenden Oberfell und dem weitaus dichteren Unterfell mit kürzeren Haaren zum Wärmen“. Um dieses Unterfell zu pflegen, tragen Katzenzungen auf der Oberseite Hunderte Widerhaken aus Keratin, sogenannte Papillen, die gewöhnlich nach hinten stehen.

Mit spezieller Videotechnik filmten die Forscher zunächst Hauskatzen beim Ablecken des Fells. Dabei erkannten sie vier Phasen: das Herausstrecken der Zunge, das flächige Entfalten samt Versteifung des Zungengewebes, das eigentliche Ablecken und das Zurückziehen, bei dem sich die Zunge leicht U-förmig einrollt.

22 Zentimeter pro Sekunde

Die Analyse zeigt, dass sich die Papillen beim Entfalten der Zunge aufstellen und so die Kontaktfläche zum Fell vergrößern. Beim Lecken lege die Zunge im Mittel 6,3 Zentimeter zurück, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 22 Zentimetern pro Sekunde – ein einzelner Leckvorgang dauert also deutlich kürzer als eine Sekunde.

Dann untersuchten die Forscher Zungen verschiedener Katzenarten. Die Zungen der Tiere tragen im zentralen vorderen Teil besonders große Papillen in geringer Dichte. Dieses Areal ist entscheidend: «Je größer die Papillen, desto tiefer können sie bei der Pflege ins Fell eindringen», schreibt das Duo. Diese Papillen waren bei Hauskatzen im Mittel gut 2,3 Millimeter hoch und bei Löwen und Tigern nur unwesentlich größer, obwohl diese mehr als 30 Mal schwerer sind.

Langhaarige Perserkatzen müssen täglich gekämmt werden

Beim Lecken drücken Katzen ihr Fell dann so zusammen, dass sie ans dichte Unterfell kommen: bei manchen Hauskatzen im Mittel von 37 auf 1,2 Millimeter. Der flauschige Schneeleopard komprimiere sein Fell gar auf 0,6 Millimeter, berichten die Forscher. „Wenn die Papillen einer Katze durch das komprimierte Fell dringen und die Haut berühren, kann sich die Katze erfolgreich säubern“, schreiben Noel und Hu.

Für die besonders langhaarigen Perserkatzen sei das ein Problem. Sie komprimieren ihr Fell demnach etwa auf 2,6 Millimeter – das sei immer noch zu viel für die Papillen. Daher rät der Verband der US-Tierärzte, solche Katzen täglich zu kämmen und monatlich zu baden.

Fellpflege kühlt die Haut

Innen haben die Papillen einen Hohlraum, durch den Katzen Speichel ins Fell einbringen. Dessen Fassungsvermögen betrage bei Hauskatzen 0,014 Mikroliter, bei ihren rund 290 großen Papillen sind dies 4,1 Mikroliter (0,041 Milliliter). Bei jedem Lecken verteilen die Tiere die Flüssigkeit im Fell, danach füllen sich die Hohlräume wieder. „Obwohl die Papillen nur 5 Prozent vom Speichelvolumen der Zunge enthalten, ermöglicht es die Höhe der Papillen, diese Menge entlang der Haarwurzeln zu verteilen“, schreiben die Wissenschaftler.

Der Speichel enthalte Enzyme, die Blut und andere Verunreinigungen lösen könnten. „Zudem kühlt der Speichel beim Verdunsten die Haut“, betonen die Forscher. Am Tag könne eine Hauskatze mit ihren 290 Papillen 48 Gramm Speichel verteilen, kalkulieren sie. Insgesamt trage die Fellpflege zu etwa einem Viertel zur Thermoregulation der Tiere bei.

Von RND/dpa

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