Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Wissen WHO berät über weitere Schritte zur Eindämmung der Schweinegrippe
Nachrichten Wissen WHO berät über weitere Schritte zur Eindämmung der Schweinegrippe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:32 18.05.2009
WHO Margaret Chan
WHO-Direktorin Margaret Chan Quelle: Fabrice Coffrini/afp
Anzeige

Die WHO müsse dringende Entscheidungen treffen, obwohl weiterhin beträchtliche Unsicherheit über das Virus A (H1N1) herrsche, sagte WHO-Direktorin Margaret Chan. In Japan schnellte die Zahl der Schweinegrippe-Fälle binnen weniger Tage auf 135 hoch.

Die Aufgabe der WHO, die Öffentlichkeit so schnell wie nötig zu warnen und soweit wie möglich zu beruhigen, sei ein „schwieriger Balanceakt“, sagte Chan in Genf zu Beginn der Beratungen von Gesundheitsministern und Experten der 193 Mitgliedstaaten. Unmittelbar vor Beginn der WHO-Jahrestagung hatte Chan Mexikos Gesundheitsminister José Angel Cordova getroffen, der ihr symbolisch die wissenschaftlichen Erkenntnisse über das Virus A (H1N1) überreichte, mit denen die Entwicklung eines Impfstoffes ermöglicht werden soll.

Unter besonderer Beobachtung der WHO-Experten steht derzeit die Entwicklung in Japan, wo sich innerhalb weniger Tage 135 Menschen mit der Schweinegrippe ansteckten. Diese Entwicklung könnte nach den Kriterien der WHO Anlass sein für die Ausrufung der höchsten Pandemie-Warnstufe, mit der eine Pandemie festgestellt wird, also die weltweite Ausbreitung einer Infektionskrankheit.

In Japan wurde die Schweinegrippe offenbar von Schülern von einer Klassenreise nach Kanada eingeschleppt. Am Samstag wurde bei einem 17-jährigen Schüler aus Kobe die erste Infektion innerhalb des Landes registriert. Experten gehen davon aus, dass sich bei einem Volleyball-Turnier von Schülermannschaften aus Kobe und Osaka zahlreiche Teilnehmer angesteckt haben könnten und das Virus in den dicht bevölkerten Ballungsräumen schnell verbreiteten. Die Behörden gehen davon aus, dass sich bereits hunderte Menschen angesteckt haben könnten. Der Großraum Tokio mit seinen 36 Millionen Menschen war zunächst offenbar nicht betroffen.

Voraussetzung für Feststellung der Pandemie-Phase 6 ist, dass das Virus ist in mindestens ein Land einer zweiten Region gewandert ist und zudem regelmäßig von Mensch zu Mensch übertragen wird. Ihren Ursprung hatte die Schweinegrippe in Mexiko, von wo sie sich zunächst vor allem in den USA und Kanada verbreitete. Bislang haben sich weltweit mehr als 8800 Menschen mit dem Schweinegrippe-Virus infiziert, 74 Menschen starben.

In der Pandemie-Phase 6 würden die Notfallpläne für die Gesundheitssysteme auf allen Ebenen in Kraft treten. In Deutschland etwa sieht der Pandemieplan in diesem Fall unter anderem die zusätzliche Bereitstellung von medizinischem Personal und die Bestellung antiviraler Medikamente für etwa 20 Prozent der Bevölkerung vor.

Der europäische Virologe Albert Osterhaus warnte erneut davor, die Gefährlichkeit der Schweinegrippe zu unterschätzen. „Die gegenwärtige Bedrohung durch H1N1 ist ernst“, sagte Osterhaus am Sonntag auf einer Tagung in Helsinki. Zwar könnte das Virus spontan wieder verschwinden. Es könnte aber durchaus eine schwere Pandemie auslösen. Bei einem vergleichsweisen leichten Verlauf einer Pandemie muss Experten zufolge mit bis zu vier Millionen Toten gerechnet werden. Eine schwere Pandemie könnte zehn mal so viele Menschen das Leben kosten. In einer normalen Grippewelle sterben jedes Jahr im Schnitt bis zu einer halben Million Menschen weltweit.

In New York starb erstmals ein Mensch an der Schweinegrippe. Wie die „New York Times“ auf ihrer Homepage berichtete, erlag ein 55-jähriger Lehrer aus dem Stadtteil Queens der Krankheit.

WHO-Generaldirektorin Chan verschob derweil die weitreichende Entscheidung, die Produktion herkömmlicher Grippeimpfstoffe zu stoppen, um Kapazitäten für die Herstellung eines Impfstoffs gegen die Schweinegrippe freizumachen. Mit der Produktion einer ersten Dosis Schweinegrippe-Impfstoff wird wegen der noch notwendigen Forschungsarbeit ohnehin frühestens in sechs Monaten gerechnet.

afp