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11:23 09.07.2019
Bei der Unterscheidung treten weniger Schwierigkeiten auf, wenn mit Menschen anderer ethnischer Herkunft eine gemeinsame Gruppenidentität bestehe – so etwa unter Anhängern eines Fußballvereins oder eines Nationalteams. Quelle: picture alliance / Pressebildagentur ULMER
Berkeley/Stanford

Dass Menschen Individuen anderer Ethnien schlechter voneinander unterscheiden können liegt unter anderem an der Verarbeitung visueller Informationen im Gehirn. So waren auf Hirnscans von weißen Probanden Unterschiede sichtbar, je nachdem ob sie mit dem Gesicht eines Weißen oder eines Farbigen konfrontiert waren, wie die Forscher in den „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften („PNAS“) schreiben.

Das Team um Jennifer Eberhardt von der kalifornischen Stanford-Universität stellte für sein Experiment eine Gruppe von 20 jungen, männlichen, weißen Freiwilligen zusammen. In drei unterschiedlichen Versuchen betrachteten die Teilnehmer Fotos und bewerteten Ähnlichkeiten zwischen Gesichtern. Dabei wurden ihre Hirnaktivitäten mithilfe von MRT-Scans gemessen.

Eigene Ethnie ist „bekannter“ und bleibt eher im Gedächtnis

Das Ergebnis: In allen drei Experimenten empfanden die weißen Teilnehmer farbige Gesichter als ähnlicher. Die MRT-Bilder zeigten dabei, dass die Regionen im Gehirn, die für die Gesichtserkennung zuständig sind, bei Fotos von Menschen anderer Hautfarbe langsamer und insgesamt weniger aktiv wurden. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass die Hirnneuronen schon bei der ersten Wahrnehmung von Gesichtern der eigenen ethnischen Gruppe empfindlicher auf Unterschiede reagieren. Bei Menschen aus anderen Gruppen würden die Gesichter hingegen in einer breiteren, weniger differenzierten Kategorie eingeordnet.

Für die Forscher bestand der nächste Schritt darin, herauszufinden, warum unsere Wahrnehmung so funktioniert. Eine mögliche Erklärung kann demnach sein, dass wir mit Mitgliedern der eigenen ethnischen Gruppe schlicht mehr Kontakt und damit auch mehr visuelle Erfahrung haben – eine These, die bereits in anderen Studien untermauert wurde. „Es ist daher möglich, dass ein gruppenübergreifender Kontakt im Laufe der Entwicklung zu einer erhöhten neuronalen Empfindlichkeit gegenüber Mitgliedern außerhalb der Gruppe führen kann“, schreiben die Autoren. Auch bestehende rassistische Vorurteile könnten die visuelle Wahrnehmung beeinflussen.

Wahrnehmungsmuster sind flexibel – Sensibilisierung kann helfen

Die Psychologen betonen, dass die Unfähigkeit zur Unterscheidung von Gesichtern negative Folgen haben kann. Diese reichten von Verwechslungen im Klassenzimmer bis hin zu falschen Zeugenaussagen.

Allerdings seien die von ihnen dokumentierten Wahrnehmungsmuster nicht unveränderlich. Deshalb müsse die Flexibilität dieser Muster erforscht werden, so die Wissenschaftler. Untersuchungen hätten bereits gezeigt, dass bei der Unterscheidung weniger Schwierigkeiten aufkämen, wenn mit den Menschen anderer ethnischer Herkunft eine gemeinsame Gruppenidentität bestehe – so etwa unter Anhängern des gleichen Fußballvereins.

Bereits 2007 hatte eine US-amerikanische Studie eine solche Veränderlichkeit aufgezeigt. Ihr zufolge reichte es, Menschen zu unterstellen, dass sie Vorurteile haben könnten, um sie zu sensibilisieren. In entsprechenden Versuchen erinnerten sich die Teilnehmer nach einer solchen Warnung besser an die Gesichter von Menschen anderer ethnischer Gruppen als vorher.

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Von RND/dpa

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