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Wissen USA testen Heilung
 von Gelähmten 
mit Stammzellen
Nachrichten Wissen USA testen Heilung
 von Gelähmten 
mit Stammzellen
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23:46 12.10.2010
Von Margit Kautenburger
Quelle: Christian Burkert
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Einem nach einer Rückenmarksverletzung teilweise gelähmten Mann wurden in einer Klinik in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) embryonale Stammzellen ins Rückenmark gespritzt, wie die „Washington Post“ berichtet. Weitere acht bis zehn Patienten sollen die Zellen erhalten und so wieder Gefühl in die gelähmten Körperteile bekommen.

Stammzellen können sich zu verschiedenen Zelltypen oder Gewebe entwickeln. Forscher halten sie für mögliche Werkzeuge zur Heilung von Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer. Der Einsatz embryonaler Stammzellen ist ethisch umstritten, weil diese aus überzähligen Embryonen im Zuge künstlicher Befruchtungen, aus abgetriebenen Föten oder durch Klonen gewonnen werden. In Deutschland ist die Verwendung embryonaler Stammzellen verboten.

In den USA läuft jetzt nach Angaben des kalifornischen Biotech-Konzerns Geron, der die Studie leitet, der weltweit erste offiziell genehmigte Versuch dieser Art. Bereits im Januar 2009 hatte Geron von der US-Arzneimittelbehörde FDA die weltweit erste Genehmigung für die Behandlung eines Menschen erhalten, 21 000 Seiten umfasste der Antrag. Eingesetzt werden embryonale Stammzellen, die durch spezielle Techniken dazu angeregt wurden, sich zu Nervenzellen zu entwickeln. Bei Tests mit Ratten war es gelungen, den Tieren einen Teil ihrer Beweglichkeit wiederzugeben.

Von „einer der wichtigsten Studien im Bereich der Zelltherapie für Nervenerkrankungen in diesem Jahr“ sprach am Dienstag Tobias Cantz, Leiter der Nachwuchsgruppe Stammzellbiologie am Exzellenzcluster Rebirth der Medizinischen Hochschule Hannover. Nach den positiven Ergebnissen der Rattenversuche seien die Erwartungen hoch.
Prof. Mathias Baehr, Direktor der Abteilung Neurologie an der Uni-Klinik Göttingen und Mitglied der zentralen Ethikkommission, ist skeptischer. In dieser ersten Phase sei das Ziel lediglich, die Verträglichkeit der embryonalen Stammzellen nachzuweisen. Ob die Therapie erfolgreich sei, erweise sich frühestens in zehn bis 15 Jahren.

Priska Hinz, biotechnologische Sprecherin der Grünen, kritisierte in Berlin, jetzt werde an einem Menschen ausprobiert, ob eine Methode funktioniere – obwohl die Gefahr der Tumorbildung hoch sei. „Das ist äußerst bedenklich.“