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20:18 25.04.2019
Das Motto der diesjährigen Versammlung heißt „Indigenes Blut – nicht ein Tropfen mehr“, bis Freitag werden 5000 Teilnehmer erwartet. Quelle: Pablo Albarenga
Brasília/Brüssel

Zahlreiche Indigene haben in Brasilien für den Schutz ihrer traditionellen Lebensräume demonstriert. Sie errichteten am Mittwoch ein Protestcamp auf der Esplanade der Ministerien im Regierungsviertel der Hauptstadt Brasília. „Indigenes Blut – nicht ein Tropfen mehr“ sei das Motto der diesjährigen Versammlung, sagte der Koordinator der Organisation der Indigenen aus dem Amazonasgebiet, Kleber Karipuna. Bei der 15. Auflage des jährlichen Treffens „Terra Livre“ (Freies Land) werden bis Freitag rund 5000 Teilnehmer erwartet.

Offener Brief an Fachmagazin „Science“

Bei der Versammlung haben hunderte Wissenschaftler und Ureinwohner die EU dazu aufgerufen, bei den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit Brasilien auf den Schutz der Umwelt und die Einhaltung der Menschenrechte zu bestehen. „Brasiliens Wälder, Feuchtgebiete und Savannen sind entscheidend für die große Vielfalt der indigenen Völker, die Stabilität des globalen Klimas und die Erhaltung der Biodiversität“, heißt es in einem offenen Brief in der Fachzeitschrift „Science“. „Wir rufen die EU dazu auf, ihre Chance zu nutzen, um die Wahrung der Menschenrechte und den Schutz der Umwelt sicherzustellen.“

Rechtspopulistischer Präsident will Schutz zurückfahren

Unterzeichnet wurde das Schreiben von über 600 Wissenschaftlern aus EU-Staaten und den Vertretern von zwei Dachorganisationen der brasilianischen Ureinwohner, die rund 300 indigene Völker vertreten. Der rechtspopulistische Präsident Jair Bolsonaro will den Schutz des Amazonasgebiets zurückfahren und den Regenwald stärker wirtschaftlich nutzen. Die EU verhandelt seit Jahren mit dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur über ein Freihandelsabkommen. Die Gespräche gelten allerdings als festgefahren. Uneinigkeit herrscht vor allem im Bereich der Landwirtschaft.

„Wir wollen, dass die EU aufhört, Abholzung zu importieren“

Durch den Import landwirtschaftlicher Produkte sei die EU mitverantwortlich für die großflächige Abholzung in Brasilien, hieß es in einer Erklärung der Unterzeichner des offenen Briefs. „Wir wollen, dass die EU aufhört, Abholzung zu importieren und stattdessen ein Vorbild für nachhaltigen Handel wird“, sagte Laura Kehoe von der Universität in Oxford laut einer Mitteilung. Der brasilianische Wissenschaftler Tiago Reis sagte: „Das Zeitfenster, um desaströse Folgen des Klimawandels zu vermeiden, schließt sich. Die Schulstreiks und Klima-Proteste in Europa haben gezeigt, dass wir nicht länger bereit sind, Produktionsweisen hinzunehmen, die Klimawandel verursachen.“

Die Entwaldung bedrohe viele Arten, setze große Mengen an Kohlendioxid frei, und sie gefährde die Lebensgrundlagen der indigenen Bevölkerung, sagte Tobias Kümmerle von der Humboldt-Universität in Berlin. „Wir sollten auch beim Import von Agrarprodukten höhere Standards in Bezug auf Umwelt und Menschenrechte anlegen, da diese Produktion erhebliche Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaften in den Herkunftsländern hat.“

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Geschäfte mit Brasilien in der Kritik

Die Nichtregierungsorganisation Amazon Watch warf ihrerseits Unternehmen aus Europa und den USA vor, durch ihre Geschäftsbeziehungen nach Brasilien die Abholzung des Regenwaldes zu befeuern. „Unsere Untersuchung zeigt, wie die globalen Märkte die schlimmsten Akteure der brasilianischen Landwirtschaft stützen“, sagte Christian Poirier von Amazon Watch. „Sie unterstützen brasilianische Firmen, die für die zunehmende Abholzung und den Anstieg von Menschenrechtsverletzungen gegen die indigenen Gemeinschaften und die Landbevölkerung verantwortlich sind.“

Die niederländische Nichtregierungsorganisation Profundo hat die Geschäftsbeziehungen von 56 wegen Umweltvergehen in Brasilien verurteilte Firmen analysiert. Zu den Kunden der Umweltsünder gehören demnach Unternehmen in den USA, Kanada und Europa. Zudem sollen laut dem Bericht Banken aus der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA die brasilianischen Firmen mit Krediten versorgen.

Boykott landwirtschaftlicher Produkte gefordert

„Wir benötigen Hilfe, damit die Dinge sich ändern“, sagte die Koordinatorin der indigenen Dachorganisation APIB, Sônia Guajajara. „Wir rufen die internationalen Konsumenten dazu auf, landwirtschaftliche Produkte aus Brasilien zu boykottieren, bis sich die brasilianische Regierung des Schutzes des indigenen Landes annimmt, und etwas gegen die Gewalt gegen Ureinwohner tut. Wir wollen Frieden, damit unsere Leute ein gutes und würdiges Leben führen können.“

Präsident Bolsonaro entzog bereits dem Amt für indigene Angelegenheiten (Funai) die Verantwortung für die Schutzgebiete der Ureinwohner und übertrug sie auf das Landwirtschaftsministerium. Menschenrechtler warnten, Agrarunternehmer, Holzfäller und illegale Goldschürfer könnten sich durch die Amtsübernahme Bolsonaros Anfang des Jahres ermutigt fühlen und vermehrt in indigene Lebensräume vorstoßen.

Brasiliens Regenwald schrumpft

In einer am Donnerstag veröffentlichten Studie, wurde der weltweite Rückgang von Tropenwäldern untersucht. Das Projekt Global Forest Watch (GFW) trug Daten aus Satellitenbildern zusammen und wertete sie aus. Demnach ist Brasilien trauriger Spitzenreiter. 1,35 Millionen Hektar an ursprünglichen Regenwald gingen verloren. Manches davon sei auf Waldbrände zurückzuführen, der Großteil habe aber augenscheinlich damit zu tun, dass Flächen abgeholzt wurden, heißt es in dem Bericht. Die Autoren betonen dabei, dass es noch zu früh sei, um die Auswirkungen der Politik des neuen Präsidenten Jair Bolsonaro einschätzen zu können. Die hohen Rückgänge seien noch vor dessen Amtsantritt passiert.

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Von RND/dpa

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