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Wissen Starlink: Künftig mehr Satelliten als Sterne am Himmel?
Nachrichten Wissen Starlink: Künftig mehr Satelliten als Sterne am Himmel?
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16:55 30.05.2019
Starlink-Satelliten über der Erde – im Orbit falten sie Sonnenpaneele für die Energieversorgung auf. Quelle: SpaceX
Hannover

Elon Musk hat ein großes Ziel: Er will rund um den Globus Milliarden Menschen mit schnellem Internet versorgen. Dafür hat seine Firma SpaceX bereits 60 Satelliten ins All gebracht, bis etwa 2027 sollen es fast 12.000 sein. Das Projekt Starlink verspricht ihm gute Geschäfte und wird vielleicht tatsächlich jedes Funkloch auf der Erde schließen – Astronomen und Astrofotografen sind jedoch besorgt: Werden künftig mehr Satelliten als Sterne am Himmel zu sehen sein? Kann man noch Fotos vom Sternenhimmel ohne störende Strichspuren machen?

Nachdem Starlink am vergangenen Freitag die ersten 60 Satelliten im Erdorbit ausgesetzt hatte, gab es bald deutliche Sichtungen. Videos wie dieses des Niederländers Marco Langbroek zeigen, wie sie wie eine Perlenkette über den Himmel ziehen:

„Als ich die Satelliten das erste Mal gesehen habe, ist mir die Kinnlade runtergefallen, wie hell sie sind“, sagt Carolin Liefke, Astrophysikerin vom Haus der Astronomie in Heidelberg. Es habe mehrere Nachfragen von Leuten gegeben, die sich über die sonderbare Erscheinung wunderten. Den Perlenschnureffekt gab es aber nur, als die Satelliten nacheinander ausgesetzt und auf den Weg in ihren Orbit gebracht wurden.

Auf Fotos sind die 227 Kilogramm schweren und knapp einen Meter langen Satelliten meist als Strichspuren zu sehen, weil Astrofotografen oft mit langen Belichtungszeiten arbeiten. Das passiert schon jetzt immer wieder, weil bereits rund 5000 andere Satelliten im Orbit kreisen. Manche Fotografen, vor allem Anfänger, freuen sich zunächst sogar darüber, wenn sie solche Himmelsobjekte erwischen.

Weitwinkliges Foto der Milchstraße: Wegen der längeren Belichtungszeit (etwa zehn Sekunden), sind eine leicht grünliche Sternschnuppe (links oben), Flugzeuge (links oben und rechts unten) sowie Satelliten zu sehen (rechts oben). Quelle: RND

Doch ambitionierte Hobbyfotografen und erst recht professionelle Astronomen wollen keine Satelliten auf ihren Aufnahmen. Allerdings ist noch unklar, wie groß der Einfluss der Satelliten sein wird. Elon Musk hat das Problem zunächst heruntergespielt: Es gebe ja schon Tausende Satelliten im Orbit, von denen die Menschen auch nichts mitbekommen würden.

Es gehe darum, Milliarden benachteiligten Menschen zu helfen, das sei der entscheidende Punkt. Zugleich werde er sicherstellen, dass Starlink keinen negativen Einfluss auf die Astronomie habe, versicherte er: Die Wissenschaft sei ihm sehr wichtig.

Wird der Himmel also bald übersät sein von leuchtenden Satelliten? Fachleute halten das für nicht sehr wahrscheinlich. Schon die Erfahrung der vergangenen Tage zeigt: Die Starlink-Satelliten waren besonders hell zu sehen, als sie ausgesetzt wurden – und auch das nur an manchen Orten. Inzwischen haben sie sich verteilt und sind viel lichtschwächer. Die Satelliten leuchten ohnehin nicht selbst, sie haben keine Lichter, sondern reflektieren nur das Sonnenlicht, das sie in einem bestimmten Winkel zur Erde lenken. „Wie hell die Satelliten am Ende zu sehen sein werden, kann man jetzt noch nicht abschätzen“, erklärt Liefke.

Zumal die 12.000 Satelliten in drei unterschiedlichen Höhen positioniert werden sollen: 340, 550 und 1200 Kilometer. In großer Höhe werden sie eher und länger vom Sonnenlicht angestrahlt – dafür leuchten sie schwächer, weil sie weiter weg sind. Umgekehrt könnten die erdnäheren Satelliten besser zu sehen sein – dafür aber nur in den Stunden nach Sonnenunter- und vor Sonnenaufgang. Das betont auch Musk bei Twitter: „Die Satelliten werden dunkel sein, wenn die Sterne sichtbar sind.“

SpaceX-Chef Elon Musk: Er will die Sorgen der Astronomen ernst nehmen. Radioastronomen befürchten, dass Musks Satelliten ihre Forschung stören könnten – die Starlink-Satelliten würden auf niedrigeren Frequenzen senden, so dass man die Radioteleskope nicht beeinflussen werde, verspricht Musk. Quelle: AP

Liefke weist jedoch darauf hin, dass das für Astronomen nicht immer hilfreich ist: Im Sommer gibt es in nördlichen Breiten ohnehin nur sehr kurze oder gar keine wirklich dunklen Nächte – dann könnten Satelliten praktisch die ganze Nacht hindurch stören. Allerdings werden auch nicht immer alle 12.000 Satelliten gleichzeitig am Himmel sein: „Man schätzt, dass es maximal 500 pro Nacht sein werden.“ Laien dürften die Objekte kaum auffallen, meint die Expertin, vor allem nicht, wenn sie in oder in der Nähe von Städten leben, wo der Himmel ohnehin nie richtig dunkel ist.

Manche Amateur-Astrofotografen fürchten trotzdem bereits das nahe Ende ihres Hobbys, das durch die zunehmende Lichtverschmutzung ohnehin oft nicht leicht auszuüben ist. Tatsächlich könnten gerade auf Fotos, die mit Weitwinkeln und langer Belichtungszeit aufgenommen werden, viele Satellitenspuren zu sehen sein. Ein größeres Problem sind allerdings heute schon die viel auffälligeren Flugzeuge und ihre Kondenzstreifen. Solche unerwünschten Effekte kann man auf einzelnen Bildern aber mit Bildbearbeitungsprogrammen wie Gimp, Lightroom oder Photoshop relativ einfach entfernen – es kostet nur etwas Zeit.

Viele Störeffekte lassen sich mit Software beseitigen

Auch bei sogenannten Deep-Sky-Aufnahmen, bei denen zum Beispiel Galaxien fotografiert werden, lassen sich solche Spuren mit speziellen Techniken beseitigen. So gibt es Software, die beim sogenannten Stacken (Stapeln) möglichst viele (oft Hunderte) Bilder eines Objekts verarbeitet, um Störfaktoren herauszurechnen. Doch auch hier gilt: Wenn es zu viele Fotos mit Satellitenspuren gibt, sinkt die Qualität des am Ende ermittelten Bildes.

Wie reagieren die professionellen Astronomen? „Der Ärger ist noch größer als bei den Amateuren“, berichtet Astrophysikerin Liefke. Sie würden den Himmel oft mit großen Bildfeldern durchmustern, um zum Beispiel Asteroiden zu entdecken, die sich durch ihre Positionsveränderung auf Fotos verraten. Diese professionellen Beobachtungen und Messungen könnten durch zu viele Satelliten empfindlich gestört werden. Bisher gebe es noch keine offiziellen Proteste, sagt Liefke, doch in den Profi-Netzwerken sei Starlink ein großes Thema.

Musk will auf den Protest reagieren

Liefke spricht davon, man müsse ein Bewusstsein für das Problem schaffen. Bei Elon Musk ist die Botschaft der Astrogemeinde offenbar angekommen. Nachdem er sich bei Twitter anfangs eher kühl gegen kritische Fragen und Vorwürfe wehrte, lenkte er zuletzt ein wenig ein. Auf die Bitte, ob er nicht Möglichkeiten prüfen könne, die Reflexionsfähigkeit der Satelliten zu reduzieren, etwa durch eine andere Lackierung oder spezielle Spiegel, antwortete er bei Twitter: „Einverstanden, habe in der vergangenen Woche eine Notiz an das Starlink-Team mit Blick auf die Albedo-Reduktion geschickt.“ Albedo ist das Rückstrahlungsvermögen von Oberflächen.

 

Und er verweist darauf, dass man erst erkennen könne, wie groß der Effekt ist, wenn die Satelliten ihre Zielpositionen erreicht haben. Das meint auch Liefke: „Wir müssen abwarten, bis die Satelliten ihren Orbit erreicht und ihre Sonnenpaneele aufgefaltet haben.“

Lösungen müssen allerdings gefunden werden, bevor alle Satelliten im All sind. Zumal Musk nicht der einzige ist, der im Weltraum Geschäfte machen will. Auch die Firma OneWeb des Amerikaners Greg Wyler will zusammen mit Airbus Hunderte Minisatelliten in einen Orbit bringen. Und offenbar plant auch Amazon-Boss Jeff Bezos ein Projekt, um mit Hilfe Tausender Satelliten weltweit Menschen mit Internet zu versorgen.

Wer für seinen Standort wissen möchte, wann die Starlink-Satelliten zu sehen sind, kann sich im Internet informieren, unter anderem bei cmdr2.org, Calsky.com oder Satmap.

Lesen Sie auch: Der Sternenhimmel im Juni

Von Udo Harms/RND

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