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13:47 23.07.2019
Körper und Psyche arbeiten zusammen: Bauchschmerzen gehören für viele Menschen stressbedingt zum Alltag. Quelle: picture alliance/imageBROKER
Hannover

„Mit der Kraft der Natur gegen Magen- und Darmbeschwerden“: So bewirbt das Unternehmen Bayer das Medikament Iberogast, das unter anderem Bestandteile des sogenannten Schöllkrauts enthält. Die Wirkung der Pflanze wird bereits seit Jahren diskutiert, weil vermutet wird, sie könne Leberschäden verursachen. Erst im Jahr 2018, als eine Iberogast-Patientin an Leberversagen stirbt, nimmt das Unternehmen einen Warnhinweis in die Packungsbeilage auf. Laut dem „Handelsblatt“ ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft Köln. Wie kann es sein, dass einem pflanzlichen Medikament derartige verheerende Wirkungen nachgesagt werden und was sollten Betroffene bei Magenbeschwerden tun?

Wieso Schöllkraut in Medikamenten so umstritten ist

„Der in Iberogast enthaltene, kritisch diskutierte Bestandteil ist Schöllkraut. Dessen öliger, gelblicher, sehr bitterer Saft war schon in der Säfte- und Naturmedizin vor 2000 Jahren bekannt“, erklärt Bernd Mühlbauer. Er ist Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie am Klinikum Bremen Mitte und im Vorstand der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. „Das Extrakt hat damals an die Galle erinnert und wurde deshalb bereits damals bei Verdauungsstörungen eingesetzt.“ Ein Nutzen sei jedoch nach heutigen wissenschaftlichen Maßstäben nicht einwandfrei erwiesen.

Im Gegenteil – seit der Änderung steht jetzt im Beipackzettel: „Bei der Anwendung von Schöllkraut-haltigen Arzneimitteln sind Fälle von Leberschädigungen (Anstieg der Leberenzymwerte, des Bilirubins bis hin zu arzneimittelbedingter Gelbsucht (medikamentöstoxischer Hepatitis) sowie Fälle von Leberversagen) aufgetreten.“ Menschen mit einer Lebererkrankung, Schwangere und Stillende sowie Kinder unter drei Jahren dürfen Iberogast deshalb nicht einnehmen.

Pflanzliche Arznei ist nicht zwingend harmlos

„Wir unterscheiden zwischen homöopathischen und pflanzlichen Mitteln“, erklärt Mühlbauer. Während die verschiedenen Bestandteile in der Homöopathie stark verdünnt werden, bedeute pflanzliche Arznei einen erheblichen Anteil der jeweiligen Wirkstoffe im Präparat, wenn auch natürlichen Ursprungs. Dadurch könne es zu Unverträglichkeiten, Wechselwirkungen und Komplikationen kommen. „Auch sehr unterschiedliche Pflanzen können genetisch miteinander verwandt sein. Es kann daher zu allergischen Reaktionen kommen, selbst wenn Betroffene denken, sie wüssten über ihre Unverträglichkeiten Bescheid“, weiß Mühlbauer. Wer pflanzliche Arznei kauft, sollte den Apotheker daher in jedem Fall über all seine Allergien informieren.

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Hausmittel: Diese Lebensmittel beruhigen Magen und Darm

„Schon grundsätzlich sollten Betroffene kein Mittel gegen Magenschmerzen wochenlang einnehmen, ohne mit dem Arzt darüber zu sprechen“, so Mühlbauer. Wer nur kurzzeitig an Magen- oder Darmbeschwerden leidet, kann zu bestimmten Lebensmitteln greifen, um einen gereizten Magen wieder zu besänftigen und die Verdauung in Schwung zu bringen. Dazu zählen zum Beispiel Äpfel und Bananen. Sie sind reich an Ballaststoffen und Enzymen und beugen damit Verstopfung vor. Auch Gewürzen wie Dill, Kümmel oder Fenchel wird eine beruhigende und verdauungsfördernde Wirkung nachgesagt. Bei leichten Magenkrämpfen können Haferflocken helfen. Sie binden überschüssigen Magensaft, schützen so die gereizte Schleimhaut und können die Beschwerden verringern.

Wann sollten Betroffene mit Magenschmerzen zum Arzt?

Wann Betroffene zum Arzt müssen, hängt laut Mühlbauer vom individuellen Fall ab: „Ein Mensch, der zum Beispiel stressbedingt häufig unter Magenschmerzen leidet, kennt seine Hausmittelchen meist.“ Auch bei einer leichteren Lebensmittelvergiftung kämen Betroffene oft von alleine auf den Ursprung des Problems. Schwieriger sei die Lage bei unerklärlichen oder anhaltenden Beschwerden. „Hat man keine Vermutung, woher die Beschwerden kommen, sollte man nicht viel länger als eine Woche damit warten, einen Arzt zu fragen“, rät der Experte.

Körper und Psyche hängen zusammen

Beim „nervösen Magen“ wird deutlich, wie stark das Wohlbefinden von der Psyche beeinflusst wird. Folgende Prozesse laufen dabei im Körper ab: Das sogenannte Bauchhirn ist über viele Nerven mit dem Großhirn verbunden. Sie kommunizieren miteinander. Hierzu verwenden beide Hirne dieselben Überträgerstoffe, die Neurotransmitter. Ein Beispiel hierfür ist das Serotonin: Im Großhirn ist es bei der Regelung unseres Appetits und unserer Stimmung beteiligt, im Bauchhirn dagegen an der Regelung der Tätigkeit und Schmerzempfindlichkeit des Magens und Darms.

Bauchschmerzen: Sind schlechte Essgewohnheiten Schuld?

Neigt man zu Bauchschmerzen nach dem Essen, sollte man regelmäßig kleinere Portionen und nicht gehetzt essen. Außerdem sollte die Ernährung ausgewogen sein und möglichst viel Gemüse und Ballaststoffe enthalten. Experten empfehlen auch, nicht jeden neuen Ernährungstrend mitzumachen – denn Inhaltsstoffe wie Gluten oder Laktose seien nicht grundsätzlich schädlich, auch wenn manche Trends den Anschein erweckten.

„Man muss selbst erkunden, was man verträgt. Wir alle haben unterschiedliche Empfindlichkeiten, die, je nach Verdauungsapparat, sehr individuell sind“, meint Mühlbauer. „Wenn man eine Nahrungsmittelunverträglichkeit als Grund seiner Beschwerden befürchtet, kann ein Esstagebuch helfen, in dem man festhält, wann was gegessen wurde und wie man darauf reagiert hat.“

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Von Jessica Orlowicz/RND

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